Auch Dietenheim wird bienenfreundlich

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Erbauer Joachim Merkle am zweistöckigen Bienenhaus in Dietenheim.  Foto: 

Mehr als 550 verschiedene Bienenarten leben in Deutschland, circa die Hälfte davon ist bedroht, viele sogar vom Aussterben. Höchste Zeit zu handeln. Mit einem Wildbienenhaus am Riedgraben in Dietenheim will der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ein Zeichen setzen.

„Es ist das zweite Bienenhaus, das von uns aufgestellt wurde. Ein weiteres steht am Aquarienheim in Regglisweiler“, erklärt Mitglied Thomas Freitag. Mitte Juli wurde das Nisthaus am Riedgraben, Ecke Unteres Ried, auf einem Grünstreifen aufgestellt. Diesen zehn Meter breiten Streifen hat sich die Stadt grundbuchamtlich gesichert. Der BUND kümmert sich nun um die Fläche und sorgt dafür, dass die Artenvielfalt geschützt wird.

Wiesen weniger mähen

Das Problem bei normalen Wiesen ist: „Es blüht fast nichts mehr, weil sie viel zu häufig gemäht werden“, klagt BUND-Mitglied Joachim Merkle. Aus diesem Grund soll der Streifen am Riedgraben naturbelassen bleiben. Er wird ein bis zwei mal im Jahr gemäht, nicht öfter. Denn nur, wenn Blüten suchende Insekten, wie die Biene, Nahrung finden, macht das Bienenhotel überhaupt Sinn. „Ein paar Bienen nisten schon darin“, bemerkt Merkle und zeigt auf die Löcher in einem Holzblock.

50 Arbeitsstunden

Die Tiere haben die Öffnungen bereits verschlossen. Typischerweise leben Solitärbienen in solchen Hölzern. Diese bilden keine Staaten, sondern leben einzeln. Joachim Merkle und Hans-Joachim Löhn haben beim Bau darauf geachtet so vielen Arten wie möglich einen Nistmöglichkeit zu bieten.

Das Bienenhaus haben die beiden BUND-Mitgleder in Merkles Garten zusammengeschraubt. „Da waren wir bestimmt an die 50 Arbeitsstunden beschäftigt“, fasst der Naturschützer zusammen. Auf zwei Etagen wurden Holzblöcke, Baumstämme, Steine, Schilfmatten und Dachziegel verbaut.

Dabei war einiges zu beachten. Zum einen kommt es auf das richtige Holz an. Geeignet sind Harthölzer, wie Esche, Buche und Eiche oder Obstbäume. Bei Weichholz kommt es vor, dass die Bohrgänge ausfransen. Es besteht die Gefahr, dass die Flügel der Insekten verletzt werden. „Die Bienen kriechen rückwärts in den Nistgang und streifen den Pollen ab, dabei können die Flügel leicht beschädigt werden“, erklärt Merkle. Daher sei es wichtig die Löcher sauber zu bohren, bei jedem Material.

Saubere Gänge sind wichtig

Häufig werden Gänge mit unsauberen Bohrungen gar nicht erst besetzt und sind somit für die Bienen nutzlos. Kreative Muster helfen den Bienen beim Anflug und bieten eine bessere Orientierungshilfe als symmetrisch angeordnete Bohrlöcher. Insgesamt finden etwa 40 verschiedene Bienen- und Wespenarten im Dietenheimer Bienenhaus einen Brut­raum.

Dem BUND liegt der Schutz der Wildbiene schon seit einigen Jahren am Herzen. Immer wieder informieren sie über die bedrohten Tierart und organisieren den Bau von Nisthilfen im Rahmen von Ferienprogrammen. Mit dem Aufbau des Bienenhauses am Riedgraben und dem naturbelassenen Grünstreifen, gelinge ihnen ein weiterer Schritt in Richtung bienenfreundliches Dietenheim, sind die Naturschützer überzeugt.

Viele Einsatzschwerpunkte Die BUND-Gruppe Dietenheim gehört zum Regionalverband Donau-Iller und wird seit mehr als 30 Jahren von Ulrich Müller geleitet. Der Verein zählt knapp 200 Mitglieder und Förderer. Letztere machen den größeren Teil aus. Begonnen haben die Naturschützer mit gerade mal 25 Mitgliedern. Immer wieder werden Aktionen für die Natur organisiert, wie zuletzt der Bau der Wildbienenhotels. Die Schwerpunkte der Aktivitäten liegen beim Amphibienschutz, der Biotop-  sowie Streuobstwiesenpflege. Die Rettung und Pflege der seltenen Bachmuschel Unio Crassus liegt den  Dietenheimer Naturschützern besonders am Herzen. Im Riedgraben lebt einer der 15 letzten Bestände der Muschel in ganz Baden-Württemberg. Das Vorkommnis stieß medial auf viel Interesse.

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