Auch Argumente müssen ansprechend verpackt sein

Beim Bauernfrühstück in Staig gibt Kommunikationsexperte Johannes Simons Tipps zur richtgen Verbraucher-Ansprache.

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Die Landfrauen Weihungstal-Hüttisheim hatten für das Bauernfrühstück ein reichhaltiges Büffet vorbereitet.  Foto: 

Früher ging es den Tieren auf dem Bauernhof einfach besser. Heute hat der Landwirt kaum noch Bezug zum Vieh. Bei dem Wort „Schwein“ denkt jeder sofort an Massentierhaltung. So denken heutzutage viele Verbraucher, und das ist nicht zum Vorteil für die Landwirtschaft. Aus diesem Grund hatte der Kreisbauernverband Ulm-Ehingen den Kommunikationsexperten Dr. Johannes Simons eingeladen. Sein Thema: Wie Landwirte besser mit Verbrauchern ins Gespräch kommen und verstanden werden.

Etwa 100 Landwirte waren zum Bauernfrühstück in die Gemeindehalle nach Staig-Altheim gekommen. Die Landfrauen Weihungstal-Hüttisheim hatten die Bewirtung übernommen und schafften so eine gute Grundlage für den Fachvortrag. Bei den Bildern im Kopf der Verbraucher gehe es nicht um richtig oder falsch, sagte der Marktforscher von der Uni Bonn. Vielmehr müssten die Landwirte nüchtern erkennen: Jemand sieht das anders. Damit werde der Diskussion von vorne herein die Spitze genommen und der Zugang zum Gegenüber erleichert.

Schließlich, sagte Simons, könnten sich die Landwirte mit guten Argumenten auf eine emotionslose Diskussion einlassen. So seien auf dem „guten alten Bauernhof“ die Kühe im Stall angebunden gewesen, in modernen Ställen könnten sich die Tiere frei bewegen. Oder Melkroboter: Ein solches Gerät komme nicht nur dem Bedürfnis der Kuh entgegen, sondern entlaste auch den Landwirt, der dann mehr Zeit für die Familie habe. Gerade der Hinweis auf die Familie sei im Gespräch mit Nicht-Landwirten besonders wichtig, meint Simons. Denn: Familie hat jeder. Das gelte auch für die Darstellung der Wirtschaftlichkeit eines Betriebs. Hier sollten die Landwirte nicht von Gewinn und Verlust sprechen, sondern Familieneinkommen.

Skeptisch ist Simons gegenüber häufig praktizierten Protestformen wie dem Wegkippen von Milch oder Traktor-Blockaden. Bildet sich ein Stau, richte sich der Zorn der Betroffenen – und damit von Verbrauchern – erst einmal gegen die Verursacher – und damit gegen die Landwirtschaft. Wenn Bauern sich in die Opferrolle begeben, erzeuge das in erster Linie Mitleid. Ob damit auch das Anliegen der Landwirte als berechtigt anerkannt werde, stehe auf einem anderen Blatt.

Der Marktforscher befasste sich in seinem Vortrag auch mit der Gedankenlosigkeit des Verbrauchers. Der Konsument wolle es sich möglichst einfach machen und spreche deshalb davon „Fleisch“ zu essen, aber kein Tier. Andererseits werde vielfach ohne nachzudenken nach „Natur“ gerufen, was Simons schlicht „zum Kotzen“ findet. „Denn wenn man bedenkt, was in der Natur Tiere mit Tieren machen, dagegen ist ein Schlachthof ein Ponyhof.“

Bei der Landwirtschaft und ihren Vertretern vermisst der Wissenschaftler das Auftreten und Argumentieren als einheitlicher Berufsstand. Das sei zwar angesichts der recht unterschiedlichen Probleme nicht einfach. Aber eine gut strukturierte, klare Kommunikation habe Einfluss auf die Wahrnehmung der Verbraucher. Und damit auf die Bilder und Vorstellungen in deren Kopf.

Zum Schluss wartete Simons noch mit einer statistischen Zahl auf, die von den Landwirten mit Zufriedenheit aufgenommen wurde. Danach halten drei Prozent der Bevölkerung Politiker für glaubwürdig. Aber 54 Prozent vertrauen dem Wort von Bauernfamilien. Kommentar von Ernst Buck, dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen: „Das stimmt mich doch zuversichtlich.“

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