Asterix und das Donaurieder Holz

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Nicht wenige trauern den früheren kleinen Verwaltungseinheiten von Dörfern nach. Bürgermeister, Pfarrer, Wirt waren die wichtigsten Protagonisten, die Entscheidungswege kurz, das Dorf wusste via Stammtisch immer Bescheid. Seit der Verwaltungsreform sind die Gremien gewachsen, ebenso die Zahl einzubeziehender Ämter und die zu beachtenden Regelwerke. Wünscht man sich da nicht das eine gallische Dorf, in dem alles anders ist? Könnte das Donaurieden sein?

„Holz?“, ruft Hartmut Nothelfer in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrats aus der Reihe der Zuhörer, als Ortsvorsteher Werner-Josef Ströbele nach Anliegen von Bürgern fragt. „Läuft!“ ruft Ströbele nach kurzem Innehalten. „Noi – liegt!“, gibt Nothelfer knurrig zurück. Zwei Männer, vier Worte, und jeder im Ratssaal weiß Bescheid. Vermutlich das halbe Dorf. Es ging um ein halbes Dutzend dicker Pappelholz-Stämme neben der Brücke des Dorfbachs im „Ried“. Auf das Sturmholz von vor zwei Jahren hatte Nothelfer schon vor Wochen aufmerksam gemacht. Es sei Eigentum der Gemeinde, doch ein Privatmann wollte dieses zu seinen Gunsten verkaufen. Wer, das sei allseits bekannt, werde aber nicht genannt. Das jüngste Hochwasser rief Nothelfer erneut auf den Plan. Wo das Holz lagert, sei die einzige Stelle, um an den Bach zu kommen, damit man vor der Brücke angeschwemmtes Material ausräumen kann.

Der private Verkauf sei unterbunden und der Förster gebeten worden, einen Abnehmer zu suchen, informierte Ströbele. Bei dem minderwertigen Holz könne das allerdings dauern. Der Ortsvorsteher bat um Geduld. Die brachte Nothelfer, wenn auch etwas murrend, auf. Immerhin „läuft“ ja was. Vielleicht schon in der nächsten Sitzung wird es dann heißen: „Holz?“ – „Weg!“ – „Geht doch!“

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