Kögel kündigt Wegzug aus Burtenbach an
Burtenbach. „Kögel wird zur Aufgabe des Standortes Burtenbach gezwungen.“ Mit diesen Worten teilt der Hersteller von Sattelaufliegern mit, die Verhandlungen über Fabrikgebäude und -gelände drohten zu scheitern.
Am 28. Februar ende das Mietverhältnis, doch die Verhandlungen mit der Bank Fortis Lease, Eigentümerin des riesigen Firmengeländes und der Gebäude, habe bislang keine Ergebnisse gebracht. Kögel habe sowohl den Kauf als auch eine langfristige Miete angeboten. „Bis heute haben wir aber keine definitive Entscheidung erhalten.“
Das Unternehmen, das seit der Übernahme durch Humbaur als „Kögel Trailer GmbH“ firmiert, zieht daraus eine drastische Konsequenz: Der Standort Burtenbach mit 441 Beschäftigten werde aufgegeben, die Produktion verlagert. „Wir werden wohl oder über ein neues Werk an einem anderen Standort errichten müssen“, sagt Thomas Heckel, Vorsitzender der Kögel-Geschäftsführung.
Obwohl Ulrich Humbaur, geschäftsführender Gesellschafter des Kögel-Käufers, im Herbst von fertigen Plänen für ein „neues, modernstes Sattelaufliegerwerk“ gesprochen hatte, dürfte die Umsetzung einige Zeit dauern. Zumal der Standort – unter anderem war der ehemalige Fliegerhorst Leipheim im Gespräch – noch ausgewählt werden müsse. Aus diesem Grund werde die Endmontage zunächst ans Humbaur-Werk in Gersthofen verlagert. Schweißerei und Beschichtung (Vorlackierung) werde vorübergehend an andere Standorte in der Umgebung von verlagert. Laut einem Unternehmenssprecher könnten Aufträge auch an andere Firmen vergeben werden. Für die meisten Kögel-Beschäftigten würde das zusätzliche Kurzarbeit bedeuten. Wie lange die seit Monaten anhaltende Flaute auf dem Nutzfahrzeugmarkt noch anhalten wird, lässt sich dem Sprecher zufolge nicht sagen.
Außer der Eigentümerbank kritisiert die Kögel-Geschäftsführung auch die Altgesellschafter, also die früheren Eigentümer. Diese, die Beteiligungsgesellschaft SMB mit Christoph Schoeller und Hieronymus Metternich an der Spitze, hätten Gelände und Gebäude in Burtenbach im Jahr 2007 an die Fortis Lease verkauft, über eine eigene Gesellschaft langfristig zurückgemietet. Dieses Zwischenmietverhältnis habe die Insolvenz überdauert, so dass Humbaur die Produktionsgebäude nicht wie gewünscht im Herbst habe übernehmen können. Der zum Monatsende angestrebte Kauf sei ebenfalls gescheitert.
Darüber hinaus wirft Betriebsratsvorsitzender Leo Berger den Altgesellschaftern vor, die früheren Kögel-Fahrzeugwerke in die Insolvenz getrieben zu haben. Allein im Jahr 2007 hätten sie 57 Millionen Euro aus dem Unternehmen gezogen.
Jürgen Stronczek, Vorstandsvorsitzender der zur BNP/Paris-Bas-Gruppe gehörenden Fortis Lease, der die Gespräche mit Kögel geführt hat, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Die ehemaligen Fahrzeugwerke Kögel hatten das seinerzeitige Anhängerwerk in Burtenbach im Jahr 1993 vom früheren Konkurrenten Kässbohrer gekauft. Kaufpreis: 43,5 Millionen Mark. Das ehemalige Kögel-Stammwerk in Ulm steht noch unter der Regie von Insolvenzverwalter Geiwitz. Innerhalb der nächsten drei Monate will er die beiden verbliebenen Bereiche Ersatzteillogistik und Reparatur mit insgesamt 34 Beschäftigten verkaufen.
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Autor: THOMAS STEIBADLER | 08.02.2010
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Kommentare (1)
Rechnung ohne den Wirt
Ein Kalkül eines Käufers, durch ein über das Vermögen eines Unternehmens eröffnetes Insolvenzverfahren dessen so genannten freien Mittel zugleich erwerben können, scheitert stets von vornherein. Bei der Kögel Fahrzeugwerke GmbH i. I. kann es deshalb auch keine anderen von keinem übersteigbaren Grenzen in der Frage des laut des Vorsitzenden des Betriebsrates des Werks in Burtenbach allein im Jahr 2007 freien Betrages von € 57 Mio. geben. Herrn Humbaur als dem Geschäftsführer der neu gegründeten Kögel Trailer GmbH bleibt somit, sich spätestens jetzt selbst vorhalten zu müssen, anlässlich des über den Insolvenzverwalter letztjährig vollzogenen Kaufs sprichwörtlich ohne den Wirt gerechnet zu haben.