Charly liebt jetzt Hubschrauberflüge

Region.  "Suchhund wird Flughund" - unter diesem Motto bietet der Deutsche Rettungshundeverein Hubschraubertraining für Rettungshundeteams an. Die Rettungshundestaffel Ulm hat mit neun Hunden teilgenommen.

Sucheinsätze nach vermissten Menschen sind meist mit großen Aufwand verbunden: Ebenso wie Rettungshunde kommen dabei häufig auch Hubschrauber zum Einsatz. In der Nähe der an- und abfliegenden Helikopter muss ein Rettungshund daher Ruhe bewahren, im Bedarfsfall muss er auch mitfliegen. Zum Beispiel, wenn Suchhunde über größere Strecken schnellstmöglich zu ihrem Einsatzort befördert werden müssen. Innerhalb Deutschlands komme dies freilich eher selten vor, erklärt Lothar Olm von der Firma "Helicopterservice Blue up", die zusammen mit der Rettungshundestaffel Ulm jetzt mit neun Hunden ein Flug-Training absolvierte. "Bei Auslandseinsätzen wie aktuell nach dem Erdbeben in Haiti ist der Transport per Helikopter aber an der Tagesordnung." So sind derzeit Hundeführer des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH), dem auch die Ulmer Staffel angehört, in der verwüsteten Hauptstadt der Karibik-Insel im Einsatz und suchen nach Verschütteten.

Doch nicht nur die vierbeinigen Einsatzkräfte müssen das richtige Verhalten im und um den Hubschrauber lernen. Auch ihre menschlichen Partner brauchen das entsprechende Wissen: Sie müssen in der Lage sein, geeignete Landeplätze auszuwählen und anfliegende Helikopter richtig einzuweisen. Wissen, das die neun Mitglieder der Rettungshundestaffel Ulm vor kurzem bei einem Training in Jesenwang in der Nähe von Fürstenfeldbruck vermittelt bekamen. Nach einer umfassenden theoretischen Schulung zum Thema Hubschrauber stand auch ein etwa 15-minütiger Trainingsflug für Hundeführer und Hunde auf dem Übungsprogramm.

In einer Trockenübungsrunde bei ausgeschalteten Motoren konnten die Vierbeiner das Fluggerät zunächst von nahem begutachten. Dann galt es, bei laufenden Rotoren in den Helikopter zu steigen. Eine Aufgabe, welche die Hunde problemlos meisterten: Sie ließen sich geduldig in den Hubschrauber heben und verfolgten den Flug teils interessiert, teils gelangweilt.

Eine besondere Erfahrung machten anschließend ihre jeweiligen Führer, die einen anfliegenden Helikopter auf der Schneefläche zur Landung einweisen sollten: Der Einweiser kniet dabei mit erhobenen Armen als Referenzpunkt für den Piloten im Schnee, der Hubschrauber kommt bis auf wenige Meter an die Person heran.

Nach mehr als fünf Stunden Schulung erhielten alle Ulmer Teilnehmer und ihre Hunde das Zertifikat. "Jetzt habt ihr ganz offiziell Flughunde", scherzte Betreuerin Birgit Hänfling-Olm.

Werner Keil, der Vorsitzende der BRH-Staffel Ulm und selbst Rettungshundeführer, hat seither allerdings ein Problem: Sein Schäferhund Charly sei vom Hubschrauberfliegen restlos begeistert, erzählt er, wollte gar nicht mehr aussteigen. "Charly wünscht sich jetzt einen Hubschrauber zum Geburtstag", witzelt der Hundeführer. Am 25. Februar wird der erfahrene Suchhund elf Jahre alt. Ob es das gewünschte Fluggerät zum Jubeltag gibt, dürfte aber fraglich sein.


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