Wie ein schweres Erdbeben

Laichingen.  Eine schwere Gasexplosion hat in der Nacht zum Donnerstag ein Haus in Laichingen fast zerstört. Ein Mann wurde lebensgefährlich verletzt, der Sachschaden wird auf rund 150 000 Euro geschätzt.

In halb Laichingen war Mittwochnacht kurz nach 23 Uhr die schwere Explosion nahe dem Ortsausgang in Richtung Westerheim zu hören: Im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses war Gas aus einem Gasofen ausgetreten, hatte sich entzündet und die Katastrophe ausgelöst. Ein 45-jähriger Bewohner wurde quer durch die Dachwohnung geschleudert und später schwer verletzt unter Trümmern am Boden liegend von der Feuerwehr gerettet. So berichtet es Erwin Stumm, ein Mitbewohner aus dem Erdgeschoss des Hauses, der erste Hilfe an seinem nicht ansprechbaren Bekannten geleistet hatte, bis zwei Rettungsdienstkräfte eintrafen.

Nach Rücksprache mit den Ersthelfern vor Ort beschloss die Feuerwehr, die mit zwei Atemschutzträgern in die Dachwohnung gekommen war, den Schwerverletzten mit Hilfe eines Tragetuchs aus dem Gebäude zu bringen. Das war wegen der starken Beschädigung des Gebäudes schwierig und gefährlich.

"Es sah schlimm aus", erzählte Stumm gestern immer noch sichtlich mitgenommen. Bis kurz vor elf Uhr waren die vier Bewohner des Hauses zusammengesessen und hatten Karten gespielt. "Dann sind die anderen drei nach oben gegangen. Etwas später gab es die Explosion." Glücklicherweise wurden weder Erwin Stumm noch die beiden anderen Hausbewohner Waltraud und Jürgen Schneck und ihr Schäferhund bei der Explosion verletzt. Sie mussten aber wegen Einsturzgefahr Hals über Kopf das Haus verlassen, nachdem die Rettungskräfte eingetroffen waren und das Gebäude evakuierten (siehe untenstehenden Kasten).

Das Dach des Gebäudes war durch die Druckwelle der Explosion großflächig abgedeckt worden. Einige Zwischenwände im Dachgeschoss stürzten ein und sämtliche Fensterscheiben gingen zu Bruch. Mehrere Fenster wurden samt Rahmen aus dem Gebäude gedrückt. Durch die herumfliegenden Trümmerteile wurde auch ein angrenzendes Wohnhaus leicht beschädigt. Der Gesamtschaden wird auf 150 000 Euro geschätzt. Nach einer Inspektion durch die Stadtverwaltung wird sogar davon ausgegangen, dass die Druckwelle den ganzen Dachstuhl aus den Angeln gehoben hat.

"Das hat sich angefühlt wie ein schweres Erdbeben", sagte Gerhart Schullerus, der direkt gegenüber dem Unglückshaus wohnt und als erster auf der Straße war. Seine Frau habe es beinahe aus dem Bett geworfen. Glück im Unglück sei es gewesen, dass Bruchstücke des Unglückshauses nicht ganz bis zu dem Haus flogen, in dem er wohnt: "Scheiben sind im Rosenbeet gelandet, die Trümmer des Kamins direkt vor unserer Eingangstür." Glück sei auch gewesen, dass kein Auto auf der Landesstraße durch herabstürzende Teile beschädigt wurde.

Der 45-jährige Schwerverletzte wurde kurz nach seiner Bergung vom Rettungsdienst in eine Ulmer Klinik gebracht. Von dort wurde er noch in der Nacht in eine Spezialklinik geflogen. Nach wie vor seien seine Verletzungen, vor allem Verbrennungen, die durch die Hitze bei einer Gasexplosion entstehen, lebensbedrohlich, teilte die Polizei gestern Nachmittag mit.

Bis drei Uhr war die Feuerwehr noch vor Ort - zeitweise mit bis zu 50 Mann und elf Fahrzeugen. Viele Schaulustige hatten sich ebenfalls eingefunden. Nach der Evakuierung des Gebäudes wurde es mit der Wärmebildkamera nach Brandnestern abgesucht. Dabei wurden auch Teile der inneren Deckenverkleidung entfernt. Einen offenen Brand hatte es nicht gegeben. Zur Unterstützung der polizeilichen Ermittlungen leuchtete die Feuerwehr mit der Drehleiter die Einsatzstelle von oben aus. Für alle Retter bestand große Gefahr - nicht nur durch die Möglichkeit des Einsturzes, sondern auch durch freiliegende Elektroleitungen und lose Trümmerteile, berichtete Joe Häberle von der Laichinger Feuerwehr.

Die Kriminalpolizei vermutet als Grund für die Explosion aufgrund der bisherigen Ermittlungen, dass das Gas aus dem Ofen geströmt ist, der von einer Gasflasche gespeist wurde. Sie untersucht daher gegenwärtig die Gegenstände. Ob der Ofen einen technischen Defekt aufweist oder ob er unsachgemäß bedient wurde, müssen die weiteren Ermittlungen erst noch zeigen. Reine Spekulationen sind Vermutungen eines Mitbewohners, dass der 45-Jährige das Gas an seinem Ofen nicht richtig ausgestellt hatte, sich das Gas auf diese Weise im Dachgeschoss ausbreiten konnte und der Mann nach seiner Rückkehr vom Kartenspielen versehentlich die Explosion auslöste, als er sich eine Zigarette anzünden wollte.

Ein Statiker muss nun klären, wie sicher das Haus noch ist und ob man es zumindest in den unteren Geschossen wieder gefahrlos betreten kann. Die Gebäudeversicherung wurde informiert und wird den Schaden in den kommenden Tagen begutachten. Zeitweise war unklar, ob man die Landesstraße vor dem Haus sperren muss, damit nicht Autos gefährdet werden, falls die Fassade doch noch einstürzen sollte. Bis gestern Mittag lagen noch viele Trümmer rund um das Haus herum.


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Autor: THOMAS SPANHEL | 13.11.2009

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