Arbeitseinsatz im künftigen Dietenheimer Jugendhaus

Die nächste städtische Baustelle in der Stadt ist eingerichtet: Bis zum Oktober soll das frei stehende Gebäude in der Pfarrer-Debler-Straße 8 zum Jugendhaus umgebaut sein. Schüler halfen schon mal mit.

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  • Die Arbeiten am neuen Jugendhaus an der Pfarrer-Debler-Straße haben begonnen: Erstmal heißt es Tapeten abkratzen. 1/2
    Die Arbeiten am neuen Jugendhaus an der Pfarrer-Debler-Straße haben begonnen: Erstmal heißt es Tapeten abkratzen. Foto: 
  • Schüler kratzen Tapeten ab für ihr künftiges Jugendhaus. 2/2
    Schüler kratzen Tapeten ab für ihr künftiges Jugendhaus. Foto: 
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Geschickt setzt Simon die Spachtel an. Und zack! Ein großes Stück Tapete im 60er-Jahre Stil lässt sich abziehen. Eine Ziegelmauer kommt zum Vorschein. "Also, diese Wand wird glaub ich nicht schwer", schätzt der Zwölfjährige die handwerkliche Arbeit der nächsten beiden Stunden ein. Simon besucht die siebte Klasse der Gemeinschaftsschule Illertal. Gegen Mittwochnachmittage hat er nichts einzuwenden, denn in der Arbeitsgemeinschaft "Ehrenamt" ist der Unterricht selten graue Theorie. "Wir waren schon im Seniorenheim, bei den Flüchtlingen oder auch im Kindergarten", erzählt Lehrerin Gabi Häussler.

Der aktuelle Ehrenamts-Einsatz hat die Siebt- bis Zehntklässler ins künftige Jugendhaus geführt. Das frei stehende Gebäude auf dem Gelände des Schulcampus soll in den kommenden acht Monaten grundlegend saniert und dann zu einem Treffpunkt für junge Leute umgebaut werden. "Wir wollen der Stadt unter die Arme greifen. Auch das ist Ehrenamt im weiteren Sinne", sagt Häussler.

Jochen Frajhaut, der städtische Sozialarbeiter, sieht noch einen anderen Vorteil: Werden junge Leute früh in ein Projekt eingebunden und legen sie selbst Hand an, wird der spätere Umgang ein ganz anderer sein. "Die Bindung hierher wird sicher enger", ist er überzeugt. Die Buben und Mädchen, haben ihr Arbeitsgerät von zuhause mitgebracht und sich teilweise Arbeits-Klamotten übergezogen, wie auch der Schulsozialarbeiter.

Zuerst wird das 100 Jahre alte Gemäuer von unten bis oben in Augenschein genommen. "Viele Zimmer. Da kann man schon was draus machen", meint Simon anerkennend. Das hat sich auch der Architekt bei seinem ersten Vor-Ort-Besuch gedacht. Angetan war Dirk Hübner vom Charme des Häuschens, das zuletzt Obdachlose beherbergte - und natürlich vor allem auch von der Lage in direkter Nachbarschaft zu den Dietenheimer Schulen. Die Pläne sehen im Norden einen Anbau in Holzständerbauweise vor, der die komplette Hausseite umgibt wie eine Spange. In diesen Anbau wird der neue Eingang integriert. Innen gibt es großzügige Räume für Begegnungen, aber auch Rückzugsmöglichkeiten. Insgesamt stehen etwa 130 Quadratmeter zur Verfügung. Wegen der Topografie ist ein barrierefreier Zugang nicht möglich, weshalb ein Lift für Behinderte integriert wird.

Während Simon und seine Mitschüler fleißig arbeiten, um an diesem Nachmittag möglichst viele der 14 Wände von ihren angegrauten Tapeten zu befreien, haben draußen der städtische Bauhof und die Baufirma Notz schweres Gerät aufgefahren. Vor zwei Wochen begann der Bauhof mit Abbrucharbeiten und der Entkernung des Hauses. Der Mini-Windfang und der alte Treppenaufgang wurden abgebrochen, Küche und sanitäre Einrichtung herausgerissen, genauso wie sämtliche Bodenbeläge. Im Erdgeschoss fiel eine Zwischenwand. Im Obergeschoss richteten die Bauhof-Mitarbeiter eine Schüttrutsche für den anfallenden Bauschutt ein.

Der häufte sich auch beim AG-Einsatz Aktionstag der Schule an. Die jungen Leute gingen mit so viel Power an ihren Job, dass mitunter nicht nur die Tapeten von den Wänden kamen, sondern auch alter Putz. "Alles was da mit runter kam, war ohnehin nicht mehr zu gebrauchen. Das wird neu verputzt", reagierte der Architekt gelassen. In den kommenden Wochen werden Betonfertigteile als Fundament und eine neue Bodenplatte für den Anbau draußen gelegt. Den erstellt ein Zimmermann in Holzständerbauweise.

Den Arbeitseinsatz der Schüler verfolgen auch Bürgermeister Christopher Eh und Bauamtsleiter Christoph Koßbiehl. Die beiden haben für die geschäftige Truppe bereits eine weitere Aufgabe im Sinn. Zwei Schuppen stehen im Garten. Der große soll erhalten bleiben und aufgehübscht werden. "Eine ideale Unterstellmöglichkeit", sagt Koßbiehl. Der kleine, der früher ein Schweinestall war, wird abgebrochen. "Da ist uns die Hilfe der jungen Leute wieder sehr willkommen."

Die freilich, werden am Mittwoch dort vermutlich zuerst noch einmal Tapeten abziehen. In den gerade mal zwei Stunden waren nicht alle 14 Wände zu schaffen.

Nicht billig, aber hervorragende Lage

Kein Schnäppchen Erst einmal setzen lassen musste der Dietenheimer Gemeinderat die Zahl, die nach einer ersten genauen Kostenschätzung für das Jugendhaus präsentiert wurde. In nur ein paar Monaten hatten sich die Umbau-Kosten von 170.000 auf 300.000 Euro erhöht. Den Ausschlag, auch tiefer in die Tasche zu greifen als geplant, gab der Standort bei den Schulen. Milder stimmten auch die zu erwartenden Zuschüsse von 113.000 Euro aus den Mitteln des Landessanierungsprogramms. Das Bauamt geht davon aus, dass etwa 200.000 Euro bei der Stadt hängen bleiben. Der Architekt rechnet damit, dass die Jugend ihr neues Domizil im Oktober beziehen kann.

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