Mithäftling attackiert: Anklage fordert lange Haftstrafe wegen versuchten Mordes

Der Staatsanwalt bewertet die Attacke eines 22-Jährigen auf einen Mithäftling in Ulm nun als versuchten Mord – und fordert sechs Jahres und neun Monate Haft.

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Sechs Jahre und neun Monate Haft – wegen versuchten Mordes sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz. Diese Strafe hat Staatsanwalt Benjamin Lenz am Dienstag in seinem Plädoyer am Landgericht Ulm für einen 22-Jährigen aus Laichingen gefordert. Der Anklagevertreter sah es als erwiesen an, dass der junge Mann im August 2016 seinen Vater in dessen Laichinger Haus mit einer Pistole bedroht und Anfang dieses Jahres im Ulmer Untersuchungsgefängnis einen Zellenkollegen nach einem gemeinsamen Hofgang mit einem Rasiermesser angegriffen und dessen Hals aufgeschlitzt hat. Der 23-Jährige erlitt eine klaffende Fleischwunde und hatte letztendlich großes Glück: Lebenswichtige Blutgefäße wurden nicht verletzt.

Was die Messerattacke betrifft, rückte der Staatsanwaltschaft von dem noch in der Anklageschrift aufgeführten Vorwurf des versuchten Totschlags ab. Lenz sah nach Ende der Hauptverhandlung das Mordmerkmal Heimtücke erfüllt – deshalb die  Bewertung der Tat als versuchter Mord. „Der Angeklagte hat sich das Vertrauen seines Opfers erschlichen, dessen Arg- und Wehrlosigkeit ausgenutzt und den Tod seines Opfers in Kauf genommen.“

Tötungsabsicht bestritten

Täter und Opfer kannten sich, als sie Ende 2016 in U-Haft aufeinandertrafen. Der Angeklagte sagte vor Gericht aus, er habe seinen Bekannten nicht töten, ihm vielmehr einen Denkzettel verpassen wollen, weil dieser ihm Jahre zuvor den Arm gebrochen habe.

 Verteidiger Thorsten Storp bezweifelte die Tötungsabsicht seines Mandanten, plädierte auf gefährliche Körperverletzung, hielt eine Gesamtfreiheitsstrafe von maximal drei Jahren für angemessen. Der Täter habe die Möglichkeit gehabt, nachzusetzen, dem Opfer weitere Schnitte zuzufügen, die Tat zu vollenden. „Das hat er aber nicht.“

Info Das Urteil soll am Mittwoch um 14 Uhr verkündet werden.

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