Altlasten-Streit um Pflegeheim in Ballendorf

Der Investor des neuen Pflegeheims beschuldigt auf dem Richtfest in Ballendorf die Gemeinde, ihn über Schadstoffe im Boden im Unklaren gelassen zu haben.

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Das Richtfest für das neue Pflegeheim in Ballendorf war von Optimismus geprägt. Die Vorwürfe des Investors sieht die Verwaltung als unbegründet an: Das Grundstück sei bisher immer Wiese gewesen.  Foto: 

Arsen, Chrom, Nickel – solche Stoffe kommen nicht ohne das Zutun von Menschen in die Natur. Dessen ist sich der Geschäftsführer der FBS-Vermögensanlage-Gesellschaft, Jörg Reuschenbach, sicher. Die Gesellschaft ist Bauherrin des neuen Pflegeheims „Hedwig Karl“ in Ballendorf. Reuschenbach nimmt an, die Gemeinde habe ihm ein Grundstück mit einer Altlast verkauft und sei nun in der Pflicht, sich an den entstandenen Kosten zu beteiligen. Eine „sechsstellige“ Summe habe die Entsorgung des Bodenaushubs als Sondermüll gekostet, sagte Reuschenbach beim Richtfest am Montag. Bislang „drücke“ sich die Kommune.

Zurecht, meint Hermann Schmid, Geschäftsführer des Verwaltungsverbands Langenau. Sicher sei, dass auf dem Grundstück niemals ein Unternehmen gestanden, noch eine Auffüllung stattgefunden habe: Es sei immer Wiese gewesen. Das habe die Befragung von älteren Ballendorfern ergeben.

Auch das Landratsamt Alb-Donau hat keine Einträge in den seit den 90er Jahren erhobenen Altlastenkartierungen. „Da ist nichts“, sagte Fachdienstleiter Reinhold Ranz. Laut Schmid handele es sich um natürliche Ablagerungen, so genannte geogene Hintergrundbelastungen (siehe Kasten). Das weise ein geologisches Gutachten nach, das dem Verband vorliege. Zudem sei die Belastung sehr gering. Nach einer neuen Verordnung werde von „Z1“ an aufwärts eingestuft, wobei Z1 keine Belastung bedeute. Der Aushub des Pflegeheims habe Z1-1: „also fast nichts“.

Aber nachdem das beauftragte Baggerunternehmen den Boden geprüft hatte, musste der als Sondermüll eingestuft werden. Nun versuche FBS die Mehrkosten über Regressansprüche zu verringern. Da werde und brauche die Gemeinde aber nicht mitmachen, „denn es gibt kein vorsätzliches Handeln“, sagte Schmid. Ärgerlich sei, dass FBS versuche, Unfrieden in den Ort zu tragen. Deshalb führten die Gemeindeverwaltung und der Verband Gespräche mit Anwohnern.

Gute Stimmung beim Richtfest

Das Richtfest selbst war von Optimismus geprägt. Mit einem Schluck Rotwein auf „den wohl gelungenen Bau“ und dem Zerschlagen des Glases hatte Polier Udo Hospodarsch das Fest eröffnet. Es wird das ebenfalls privat geführte, nur einen Steinwurf entfernte „Pflegehaus Plepla“ ersetz­en. Die Einrichtung muss aufgrund neuer Vorschriften geschlossen werden. „Hier ein neues Pflegeheim zu bauen, ist ein Riesengewinn für die Gemeinde. Hätten sich nicht die richtigen Partner zusammengefunden, wäre das Haus Plepla geschlossen worden und nichts mehr da gewesen“, sagte Reuschenbach.

Für FBS mit Sitz in Ludwigsburg ist es das dritte Pflegeheim. Ein Haus mit 48 Betten, ausschließlich in Einzelzimmern, in einer gerade mal 650 Einwohner zählenden Gemeinde zu füllen, ist für Reuschenbach kein Problem. Das Haus Plepla mit zuletzt 32 Plätzen sei aufgrund seines guten Rufs seit mehr als 30 Jahren stets belegt gewesen. Klaus und Nicole Noll haben kürzlich den Betrieb von Maria Plepla-Peichel, Mitbegründerin des Pflegehaus­es, gekauft und werden das neue Gebäude von FBS anmieten. „Das Haus Plepla hat sich in der Palliativ- und Kurzeitpflege einen Namen gemacht. Und diesen Geist werden wir erhalten“, sagte Noll.

Die Eröffnung ist im Herbst 2018 geplant. Der Name „Hedwig Karl“ stammt von der gleichnamigen Stiftung aus Ludwigsburg. Sie ist einer von sechs Gesellschaftern der Immobilie.

Geogen In der Natur kommen praktisch alle Schadstoffe vor: von Radio­aktivität über Erze bis zu Schwermetallen. Ursachen können die Gesteinszusammensetzungen sowie Ablage­r­ungen des einstigen Urmeeres sein.

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