Alter Fachwerkbau mit Schatzkammern

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  • Das „Spittel“ prägt seit hunderten von Jahren das Stadtbild von Blaubeuren. Nach der Sanierung von 2010 bis 2012 bietet es viele schöne Details und einige Überraschungen – so wie die alte Pfründnerstube. 1/3
    Das „Spittel“ prägt seit hunderten von Jahren das Stadtbild von Blaubeuren. Nach der Sanierung von 2010 bis 2012 bietet es viele schöne Details und einige Überraschungen – so wie die alte Pfründnerstube. Foto: 
  • Das Urgeschichtliche Museum ist glücklich über sein schönes Haus, das endlich genug Platz bietet.  2/3
    Das Urgeschichtliche Museum ist glücklich über sein schönes Haus, das endlich genug Platz bietet. Foto: 
  • Urgeschichtliches Museum in Blaubeuren.  Fotos: Volkmar Könneke 3/3
    Urgeschichtliches Museum in Blaubeuren. Fotos: Volkmar Könneke Foto: 
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Die Leute verdrehen erst mal den Hals, wenn sie das Treppenhaus betreten, um all die schönen alten Details zu bewundern“, sagt Stefanie Kölbl, Direktorin des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren. Sie ist Hausherrin in dem großen Fachwerkbau des Heilig-Geist-Spitals, das seit dem 15. Jahrhundert das Stadtbild von Blaubeuren prägt und heute Teil des Museums ist. Die fünf Millionen Euro teure Sanierung des „Spittels“, wie die Blaubeurer das Spital seit jeher nennen, hat der Architekt Markus Gebhardt von 2010 bis 2012 geleitet. Nun ist das Projekt vom Alb-Donau-Kreis mit dem Sanierungspreis ausgezeichnet worden.

Teile der Baugeschichte des Spitals, das über Jahrhunderte Bürger der Stadt beherbergte, die alt, behindert oder elternlos waren, lassen sich bei einem Rundgang entdecken. Dies ist sicher auch einer der Gründe, warum das Museum im vergangenen Jahr 45.000 Besuchern hatte – mehr als je zuvor. Die Jury hebt in ihrer Begründung für die Auszeichnung mit dem Sanierungspreis hervor, dass bei der Umnutzung des Baudenkmals zahlreiche historische Details erhalten wurden. „Die verschiedenen Nutzungsarten sind in den denkmalgeschützten Bestand sehr gut eingepasst und einander zugeordnet.“

Dieser Einschätzung kann sich Stefanie Kölbl nur anschließen: „Das Museum profitiert von den historisch kleinen Einheiten.“ So erschließt ein langer schmaler Gang, der mit seiner grauen Farbgebung bewusst an die Höhlen erinnert, in denen die weltbekannte Eiszeitkunst gefunden wurde, die einzelnen kleinen Schatzkammern mit den bis zu 40.000 Jahre alten Ausstellungsstücken.

Das Spital wurde 1424 vom Generalvikar des Bischofs von Konstanz, Magister Johannes Ruess gestiftet. Der nun komplett sanierte Nordflügel entstand 1430, ein Anbau 1457. Weitgehend erhalten im ursprünglichen Zustand wurde bei der Sanierung die alte Eingangshalle mit einem Zyklus von Wandmalereien mit Darstellungen aus dem Leben der „Heiligen-Elisabeth von der Wartburg“ aus dem 15. Jahrhundert. Auch gibt es im ersten Obergeschoss eine original erhaltene Pfründner-Stube zu sehen, in der früher reiche Blaubeurer Bürger bei Krankheit oder im Alter besonders gut versorgt wurden.

Über die Jahrhunderte hinweg wurden die meisten Teile des „Spittel“ immer wieder umgebaut. Dabei wurde zum Teil auch das historische Fachwerk zerstört, erzählt Architekt Gebhardt. Während seiner Komplettsanierung sollte der Nordflügel mit dem Querbau von 1470 entlang der Karlstraße verbunden werden. Dafür musste der Nordflügel vollständig entkernt werden. „Am schwierigsten war es, dem Spital dank vieler Stahlträger, von denen die meisten inzwischen nicht mehr sichtbar sind, neue Standfestigkeit zu verleihen“, sagt Gebhardt. Über den historischen Dachstuhl wurde eine neue Dachstuhlkonstruktion gebaut. Nicht zuletzt war die Dämmung des alten Gebäudes eine wichtige Aufgabe.

Auch mittelalterliche Konstruktionselemente wie etwa die Figur eines Mannes sind noch zu sehen. Nach historischem Vorbild wurde das Dach mit naturroten Biberschwänzen mit Korbbogenschnitt gedeckt. Insgesamt wurden bei der Generalsanierung 236 Kubikmeter Holz verbaut und 30 Kilometer Stromkabel in dem alten Gebäude verlegt, hat Gebhardt ausgerechnet. Denn auch wenn das Gebäude fast 600 Jahre alt ist: Internet und moderne Medien gehören heute einfach dazu.

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