Albwolle: Ein sichtbarer Ausgleich

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Nächste Woche eröffnen Jochen Krämer und Birgit Fredl ihren Laden, wo dann zwischen Oktober und März je von Dienstag bis Samstag allerlei aus Alpaka-Faser verkauft wird.  Foto: 

Alpakas haben Manieren. Die Tiere seien umgänglich, spuckten zwar ab und an mal, das treffe aber in aller Regel Artgenossen, die vom Futter nicht genug bekommen können, sagt Jochen Krämer. Menschen müssen nicht fürchten, zur Zielscheibe zu werden. Um die Manieren einiger weniger Kunden für die Schals, Mützen oder Pullis aus Alpaka-Faser, die Jochen Krämer und seine Frau Birgit Fredl bislang über ihren Online-Shop „Albwolle“ verkaufen, schien es zuletzt allerdings nicht ganz so gut bestellt. Am 1. Weihnachtsfeiertag im vergangenen Jahr klingelte es plötzlich an der Tür der Patchworkfamilie in Lonsee, Kunden hatten online gestöbert und sich spontan entschlossen, nach Lonsee zu fahren. Einkaufen.

„Da merkt man: Jetzt ist’s zu klein“, sagt Jochen Krämer und lacht. Er und seine Frau haben sich auch wegen dieser Episode entschieden, Räume anzumieten und in Lonsee einen eigenen Laden aufzumachen. Gut 200 Quadratmeter groß ist das Geschäft mit Lagerraum direkt an der Landesstraße, das am Freitag kommender Woche öffnet. Gemeinsam mit einer Angestellten und ihrer Familie werden sie dort ihre Waren verkaufen. „Wir wollen hier jetzt auch sichtbar werden“, sagt Jochen Krämer.

Bislang lief die Vermarktung online oder auf Märkten. Wolle, Kleidung und Utensilien lagerten im Keller. Für Kunden, die vorbeikamen, dienten Wohn- und Gästezimmer als Auslage. Und sogar das Haus von Birgit Fredls Eltern wurde zur Lagerstätte.

„Eigentlich ist das zu groß“, dachte sich Jochen Krämer, als sich die Gelegenheit bot, den Laden zu mieten. Die beiden hatten davor überlegt, ihre Waren aus einem Schäferwagen heraus zu verkaufen, einem mobilen Verkaufsstand, der sich schnell an der Weide bei Ettlenschieß aufstellen ließe. Doch im Herbst und Winter, zur Hauptsaison, verkäme das zu einer matschigen Angelegenheit, sagt Krämer.

Für das Paar – sie arbeitet als Sozialpädagogin in Ulm, er in einer Metallwarenfabrik in Geislingen –  bleiben die Alpakas und ihrer Wolle ein Nebenerwerb. „Das ist unser Ausgleich“, sagt Birgit Fredl, so könnten sie Kraft für ihre Festanstellungen tanken. „Man darf natürlich die Stunden nicht rechnen.“ Die beiden haben mit ihren vier Kindern, ihren Eltern und einer Angestellten zuletzt die Inneneinrichtung im Laden gezimmert.

Die Muster für die Kleidung entwerfen sie selbst, achten darauf, dass die Waren modisch von Dauer sind. Aus Westerheim kommen die Stricksachen und Filz-Gegenstände, aus einer Stepperei bei Bielefeld Bettdecken.

Irgendwann, sagt Jochen Krämer, wollen sie eine Stanzmaschine kaufen, um Filz-Schuheinlagen oder Taschen selbst fertigen zu können – und ein wenig autark zu werden. Sie kooperieren mit kleinen Betrieben, da sei oft die Nachfolge unklar. Die Stricksachen sollen aber weiter aus Westerheim kommen. „Das ist ein gelernter Beruf“, sagt Krämer.

Weil Alpakas stets um den Mai herum geschoren werden und sich der Verkauf auf Herbst und Winter konzentriert, bleibt zwischen April und Oktober Zeit für Anderes. Jochen Krämer will  dann Schulungen zur Alpaka-Zucht anbieten. Und Birgit Fredl plant, den Umgang mit den Tieren etwa in der therapeutische Arbeit mit Behinderten einzubinden. Auf den Tieren kann man zwar nicht reiten, aber Alpakas bestaunen und streicheln zählt ja auch als Erlebnis.

Verwertung Alpakas haben unterschiedliche Fellfarben, weshalb die meisten Kleidungsstücke nicht gefärbt werden müssen. Jochen Krämer und Birgit Fredl achten in der Zucht darauf, die Farben rein zu halten. Alpaka-Fleisch gibt es übrigens keines, dafür gebe es einen zu hohen Bedarf an Wolle, sagt Jochen Krämer.

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