Alarmierung muss sicher gestellt sein

Für die Integrierte Rettungsleitstelle werden für 920.000 Euro neue Digitale Alarm-Umsetzer gekauft. Kosten teilen sich der Kreis, die Stadt Ulm und das Rote Kreuz.

|

Dass nach dem Eingang eines Notrufs unter der Telefonnummer 112 sicher sein muss, dass die Rettungsleitsstelle die nötigen Einsatzkräfte umgehend alarmieren kann, versteht sich von selbst. Die entsprechende Technik dafür muss daher immer auf dem neuesten Stand sein. Das sieht auch der Ausschuss für Technik und Umwelt des Alb-Donau-Kreistags so. Das Gremium hat am Montag dem Kauf von 40 so genannten Digitalen Alarm-Umsetzern, kurz DAU, für insgesamt 920.000 Euro zugestimmt.

Diese Geräte, eine Art Antennen, werden zum Beispiel auf Wassertürmen montiert und sorgen dafür, dass der von der Leitstelle losgeschickte Alarm digital in wenigen Millisekunden zu den Feuerwehrwachen und Empfangsgeräten der Einsatzkräfte weitergeleitet wird. Feuerwehrleute, Rettungskräfte, Mitglieder des THW und anderer Hilfsorganisationen können auf diesen umgangssprachlich Piepser genannten Geräten Ort und zum Teil auch Art des Einsatzes ablesen.

Ursprünglich war geplant gewesen, diese Alarm-Umsetzer als Teil des digitalen Alarmierungssystems „Pocsag“ erst später zu kaufen. „Allerdings schwächelt unser System in der Zwischenzeit ziemlich“, sagte Kreisbrandmeister Ralf Ziegler auf Nachfrage. 35 solcher DAU seien in der Region verbaut, Ersatzgeräte nicht mehr vorhanden. Falle ein weiteres aus, könne die Alarmierung im Ulmer Stadtgebiet und im Kreis nicht mehr garantiert werden. Und das gehe natürlich nicht, zumal die gesetzliche Verpflichtung bestehe, dass die Alarmierung nur über ein „100 Prozent gesichertes System“ laufen darf. Laut Ziegler hat sich der Kreis daher mit der Stadt und dem DRK darauf verständigt, die DAU bereits jetzt zu kaufen. Das übernimmt federführend der Alb-Donau-Kreis.

Die Stadt Ulm hat, wie mehrfach berichtet, die Regie beim 1,9 Millionen teuren Umbau der Integrierten Rettungsleitstelle in der Hauptwache der Feuerwehr Ulm. Diese betreibt der Kreis seit 2005 gemeinsam mit der Stadt Ulm, seit 2009 ist auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mit von der Partie bei der digitalen Alarmierung, die nun modernisiert wird. Diese drei teilen sich die Kosten für den Umbau, bei dem auch neue Arbeitsschutzvorschriften umgesetzt werden.

Die Vorarbeiten haben bereits begonnen, in der Hauptwache wurden bereits kilometerweise neue Kabel gezogen. Übernächste Woche zieht die Leitstelle dann zwei Stockwerke höher: Dort, in einem umfunktionierten Besprechungsraum, kommen die Disponenten von Feuerwehr und Rotem Kreuz an den Notruf-Telefonen unter, solange der Umbau dauert.

Digital-Funk 2020?

Eingebaut in die neue Leitstelle wird auch digitaler BOS-Funk: BOS steht für „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“. Im Gegensatz zu Bayern funken die Einsatzkräfte in Baden-Württemberg überwiegend noch analog mit einer „komplett veralteten Funk-Technik“, wie Kreisbrandmeister Ziegler sagt. Er hofft, dass in der neuen Leitstelle ab 2020/21 Digital-Funk eingesetzt werden kann.

Das allerdings zieht auch einen gehörigen Rattenschwanz nach sich: Denn dann müssen auch sämtliche Feuerwehrautos auf die neue digitale Funk-Technik umgestellt werden. Die Kosten dafür müssen die jeweiligen Kommunen tragen.

Handynetz Manche Feuerwehren nutzen zur Alarmierung auch Handys. „Allerdings nur in zweiter Linie“, betont Kreisbrandmeister Ralf Ziegler. Zunächst laufe der Alarm auf die digitalen Piepser. Denn Handys gelten nicht als „gesicherte Alarmierung“ wie sie per Gesetz vorgeschrieben ist. Zum einen funktionieren Mobiltelefone oft zeitversetzt – bis zu fünf Minuten. Weiteres Problem: Funklöcher, von denen es in der Region noch einige gibt. Nicht zuletzt passiere es immer wieder, dass das Handynetz bei Großschadenereignissen zusammenbricht. Zwar können laut Ziegler bestimmte Personengruppe bei ihrem Anbieter für ihre Handy-Nummer eine Priorität anmelden. „Ist das Netz überlastet, drückt das System andere Nummern weg und stellt die priorisierte Nummer weiter.“ Aber auch das funktioniere nicht so zuverlässig, dass man im Ernstfall darauf bauen könne. Einzig Satellitentelefone gelten laut Ziegler  als „100 Prozent sichere Verbindung“. Ein solches soll der neue Einsatzleitwagen des Kreises bekommen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Handwerk: Edle Gravur rund um die Uhr

Florentin Mack beherrscht die seltene Kunst des Guillochierens. Die wellenförmigen Schnittmuster führen zu einer reizvollen Lichtbrechung – etwa auf dem Zifferblatt. weiter lesen