"Kann es mir nicht erklären"

Wegen fahrlässiger Tötung ist ein 21-Jähriger zu einer Geldstrafe verurteilt worden: Er hatte in einem Betrieb bei Ehingen eine Eisenstange bearbeitet, die abbrach und einen 17-jährigen Azubi tötete.

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"Ich kann es mir bis heute nicht erklären, wie es zu dem Unfall kam, ich habe mir das Hirn zermartert, aber . . ." Das sagte ein 21-jährige Industriemechaniker am Dienstag vor dem Ehinger Jugendgericht. Er musste sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten und wurde zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt.

Sichtlich bewegt hatte der junge Mann dem Gericht geschildert, wie es zu dem tragischen Arbeitsunfall am 30. März 2012 in einem metallverarbeitenden Betrieb im Raum Ehingen gekommen war. Demnach sollte sein jüngerer Kollege auf Anweisung des Firmenchefs eine 2,58 Meter lange Edelstahlkolbenstange an einer Drehmaschine so bearbeiten, dass an deren Ende eine Spitze entsteht. Doch der Meister befand, der 17-Jährige sei noch zu unerfahren, die Aufgabe sollte der Angeklagte übernehmen. Der damals 19-Jährige, im dritten Ausbildungsjahr zum Industriemechaniker, hatte schon häufiger an der Maschine gearbeitet.

Beim Bearbeiten des zweiten Endes der Stange kam es laut des Angeklagten zu dem Unglück: Kaum habe er die Maschine wieder angestellt, knickte das hinten 1,40 Meter weit aus der Maschine stehende Teil der Eisenstange ab, traf den 17-jährigen Azubi am Kopf und zertrümmerte dessen linke Schädelhälfte. Er starb noch an der Unfallstelle.

Staatsanwalt Matthias Peltsarszky warf dem Angeklagten dreierlei vor: Demnach hätte er das herausragende Stangenteil abstützen müssen, so dass es beim Drehen nicht in Schwingung geraten konnte. Außerdem sei die Drehzahl der Maschine mit 750 Umdrehungen pro Minute viel zu hoch gewesen. "Und Sie haben es unterlassen, den Gefahrenbereich abzusichern."

Der Angeklagte, der nach eigenen Worten noch immer unter den Folgen des Unglücks leidet und deshalb inzwischen in einem anderen Betrieb arbeitet, sagte aus, dass er vor dem Bearbeiten der ersten Stangenseite alles genau geprüft, das Werkstück auch plangedreht habe. Dass es eine Möglichkeit zum Absichern des Gefahrenbereichs gibt, habe er damals gar nicht gewusst.

Er habe rund 15 Minuten gearbeitet - bei niedriger Drehzahl, und die Stange sei nicht in Schwingung geraten. Vor dem Bearbeiten des anderen Endes habe er erneut alles überprüft. Als es galt, eine Kante am Werkstückende abzubrechen, habe er diese Arbeit dem jüngeren Azubi übertragen. Er selbst sei kurz zu einem Kollegen gegangen und zurückgekehrt, als er gemerkt habe, dass der 17-Jährige nicht mehr weiter wusste. "Also machte ich weiter. Ich habe die Drehzahl ganz sicher nicht verändert. Wieso sie nachher auf 750 eingestellt war, weiß ich nicht." Sein jüngerer Kollege sei die ganze Zeit rechts hinter ihm gestanden, während er die Maschine bediente. "Irgendwann ist er wohl hinten herum und in den Gefahrenbereich gegangen. Dann höre ich schon den Schlag", schilderte der Angeklagte.

Zwei Gutachter bestätigten, dass weder das Stahlstück noch die Maschine defekt gewesen sind. Der Maschinen-Sachverständige sagte, dass eine Kombination aus zu langem Werkstück und zu hoher Drehzahl die Unfallursache sei. Das habe zum fatalen Abbrechen der Stange geführt. Nicht auszuschließen sei, dass das spätere Opfer versehentlich am Drehzahl-Regler gedreht habe. Der Verteidiger des 21-Jährigen sagte, sein Mandant habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, daher sei er freizusprechen. Doch Richter Wolfgang Lampa folgte der Auffassung des Staatsanwalts und verurteilte den jungen Mann zu der Geldstrafe. Zwar sprach Lampa sowohl dem Opfer, das in den Gefahrenbereich ging, als auch den Vorgesetzten eine Mitschuld zu, aber das entlasse den Angeklagten nicht aus seiner Verantwortung: "Das Kennzeichen fahrlässiger Tötung ist ein geringfügiges Fehlverhalten, das allerdings enorme Auswirkungen hat."

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