Katholischer Publizist Michael Ragg spricht über Fake News

Katholischer Publizist Michael Ragg spricht über „Fake News“ und Probleme in deutscher Berichterstattung.

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Michael Ragg kritisierte die überregionale Presse.  Foto: 

„In der Bibel heißt es, der Mensch soll die Zeichen der Zeit erkennen“, sagte der katholische Publizist Michael Ragg beim Vortrag im Kloster Brandenburg. Dafür gebe es Medien, die Menschen über aktuelle Themen informieren. Schwierig werde es, wenn man den veröffentlichten Inhalten keinen Glauben schenken könne. In der Vergangenheit habe Ragg immer wieder feststellen müssen, dass es vor allem die überregionalen Medien mit bundesweitem Verbreitungsgebiet mit der Wahrheit nicht so genau nähmen. „Häufig wollen Journalisten mit ihrer Art der Berichterstattung die Leser erziehen und informieren“, beklagte Ragg. Dies geschehe vor allem durch einseitige Berichterstattung. „Wenn die Leute zehntausend Mal aus allen Kanälen dieselben Meldungen hören, neigen sie dazu, sie zu glauben“, erklärt Ragg den rund 40 Besuchern des „Gott-Sucher-Sonntags“.

Durch bewertende Formulierungen, die nicht auf den ersten Blick durchschaubar sind, würde den Lesern oder Zuschauern eine Meinung aufgezwungen. Ragg nannte das Wort Flüchtling als Beispiel. Neutral wären Begriffe wie „Zuwanderer“ oder „Migrant“. Er warnte davor, all diese Gruppen über einen Kamm zu scheren, dazu verleite die Berichterstattung deutscher Medien. Auch durch das Verschweigen oder Verändern wichtiger Informationen werde es Menschen schwer gemacht, sich ein korrektes Bild von der Realität zu machen. Medien ignorierten beispielsweise große Demonstrationen, wie den „Marsch für das Leben“ in den USA mit rund einer halben Million Teilnehmern. „Über so etwas wird kaum berichtet, oder es werden Teilnehmerzahlen frisiert, wenn jedoch weit weniger Feministinnen gegen Trump demonstrieren, ist das sofort in den Medien zu sehen“, sagte Ragg.

Zum Thema USA ist dem Journalisten ein weiteres Phänomen aufgefallen: Beim Wahlsieg von Donald Trump sei alle Welt überrascht gewesen. Aber warum? Für viele Amerikaner war das Thema Abtreibung wahlentscheidend. In Deutschland sei die Abtreibung aber eine Art Tabu-Thema, deshalb sei hier nicht darüber berichtet worden.

Mit „Fake News“ (deutsch: Falschmeldungen, vorgetäuschte Nachrichten) habe man schließlich zu tun, wenn die unzureichende Berichterstattung weiter ginge und Informationen verheimlicht oder schlicht erfunden würden. Solche falschen Nachrichten habe es beispielsweise über die Silvesternacht in Köln 2016 gegeben, als Medien zunächst behaupteten, die Nacht sei friedlich verlaufen. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es zahlreiche Übergriffe von Nordafrikanern auf Frauen gab.

Auch mit den Überschriften nähmen es Journalisten nicht so genau. Raggs Beispiel: Laut einer Befragung erklärten 40 Prozent der Deutschen, sie wollen an Ostern einen Gottesdienst besuchen. In einem Artikel erhielt das Ergebnis mit dem Worten „nur 40 Prozent“ eine negative Wertung. „Die Überschrift lautete ‚Leere Kirchen‘“, erinnert sich Ragg. Durch diese Umstände würden immer mehr Menschen das Vertrauen in die Medien verlieren. Vor allem überregionale Zeitungen hätten deshalb mit massiven Rückgängen der Auflagen zu kämpfen. Die Regionalpresse sähen hingegen viele als vertrauenswürdig an. „Da sind die Journalisten eben auch vor Ort und direkt am Menschen“, erklärte Ragg.

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