"Feldwirtschaft": Neues Restaurant der kurzen Wege

Der Name ist Programm: Am Samstag eröffnen Susanne Kopp und Wilhelm Schmid in Bermaringen ihr neues Restaurant "Feldwirtschaft". Das Gemüse wächst auf dem Feld, das die Gäste durchs Fenster sehen.

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Die Wege für den Koch sind kurz: Wilhelm Schmid muss von seiner Küche nur über ein Sträßchen laufen, schon steht er mitten auf seinem Feld, sieht, welches Gemüse gerade reif ist und welcher Salat geerntet werden sollte. Und daraus wird Schmid ab morgen für die Gäste der "Feldwirtschaft" in Bermaringen Leckeres zubereiten.

Der Name des Restaurants, das der 54-Jährige zusammen mit seiner Lebensgefährtin Susanne Kopp eröffnet, ist Programm: "Wir verwenden hauptsächlich das, was wir auf unserem Feld ernten. Wir bauen Gemüse, Salate und Kräuter an - ohne Chemie, dafür umso frischer", sagt Susanne Kopp. Ist die Saison vorbei, kaufen sie dort, wo sie die gleiche Qualität bekommen. "Bei Fisch und Fleisch setzen wir möglichst auf Bioqualität, jede Soße, jede Brühe wird selbst gekocht", erklärt Susanne Kopp. Sie und ihr Partner sind für diese Koch-Philosophie in der Region bekannt - betrieben sie doch so auch mehr als 13 Jahre lang das "Rössle" in Herrlingen.

Nun also eröffnen sie ihr eigenes Restaurant, in ihrem eigenen Haus. Das war so nicht geplant: "Wir wollten eigentlich etwas pachten, haben uns auch einige Lokale angeschaut", sagt Schmid. Doch entweder seien die zu teuer gewesen oder haben nicht gefallen. Irgendwann seien sie in ihrem Wohnzimmer gestanden und hätten festgestellt, "dass wir ja schon einen tollen Raum haben", sagt die 50-Jährige. Beide wollten kein großes Restaurant mit viel Personal und einer umfangreichen Karte. "Wir wollen das als Paar machen, mit einer relativ kleinen Karte und kurzen Wegen", sagt Susanne Kopp. Sie übernimmt den Service in der "Feldwirtschaft" mit ihren 33 Sitzplätzen.

Vor rund 20 Jahren haben die beiden den alten Stadel in Bermaringen gekauft und Schritt für Schritt zu ihrem Zuhause umgebaut. "Das Wohnzimmer war mal der Schweinestall", berichtet Schmid. Die alten Balken in dem hohen Raum sind noch da - das wars dann aber auch schon. Drei Monate haben die gelernte Schreinerin und der gelernte Maurer und Geometer das Erdgeschoss mit Hilfe eines Architekten und Handwerkern zu einem Restaurant umgebaut. Wohnen werden sie nun im ersten Stock.

Alleine, die Profi-Küche in den angrenzenden Stadel einzubauen, sei ungeheuer aufwendig gewesen. "Wir mussten den Stadel knietief ausbaggern, um den vorgeschriebenen Fettabscheider einzubauen", erzählt Kopp. Als sie irgendwann in dem Dreckloch gestanden sei, sei ihr zum ersten Mal angst und bang geworden, ob des Umfangs des Umbaus. "Aber wir wurden von allen Seiten toll unterstützt." Sei es vom Bermaringer Ortschafts- und Blausteiner Gemeinderat oder vom Landratsamt. Schließlich mussten unzählige Genehmigungen eingeholt, Brandschutz-, Arbeitschutzauflagen ebenso wie des Wirtschaftskontrolldienstes erfüllt werden.

An die Baustelle erinnert jetzt nichts mehr: In der Küche glänzt Edelstahl, die neuen Toiletten sind fertig, die italienische Kaffeemaschine hinter der Theke blinkt betriebsbereit, und der Gastraum ist hell und einladend und bietet einen schönen Blick auf Schmids Feld voll mit Blumen, Kohlköpfen und Kräuterbüschen. Besonders stolz ist Susanne Kopp auf die Tische: Dazu hat sie Holz alter Obstbaumstämme gesammelt, ein Schreiner hat aus den Brettern die Tische gefertigt: aus Kirsche, Zwetschge, Birne. "Für die Vorhänge bin ich in Laichingen über Dachböden gerobbt." Und sie habe tatsächlich 50 Jahre altes Laichinger Leinen gefunden, aus dem sie Vorhänge nähen ließ. "Hier ist fast alles aus der Region, sogar die Bilder an der Wand."

Morgen nun ist Eröffnung. "Klar bin ich nervös", sagt Susanne Kopp. Wilhelm Schmid macht eine lässige Handbewegung: "Ach was. Keine Sorge, das klappt alles." Die Freude über ihr Projekt ist den beiden anzumerken. Freuen können sich auch die Bermaringer - bekommt das Dorf doch endlich wieder eine Wirtschaft. Eine Feldwirtschaft.

Vier Tage geöffnet

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