Hobbyfilmer Walter Wipfler: „Das schönste Hobby der Welt“

Das Filmen ist seit mehr als einem halben Jahrhundert die Leidenschaft von Walter Wipfler. Dabei zeigt er auch Filme über das einstige Dorf Wain.

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Sein Keller dokumentiert seine langjährige Leidenschaft: Walter Wipfler sammelt dort alte Filmprojektoren.  Foto: 

Die Weihung ist ein besonderes Bächlein, findet Walter Wipfler. „Eigentlich ist es lachhaft, wenn man diesen Bach sieht“, sagt der Wainer über den 30 Kilometer langen, rechten Zufluss der Donau, der südlich von Wain an den Höfen Oberbuch entspringt, „aber an dem Bach hängen meine Kindheitserinnerungen“. Als Kinder haben die Wainer damals in der Weihung schwimmen gelernt; an einer Stelle wurde der Bach dafür gestaut. „Das bleibt im Gedächtnis.“

Mit dem Film „Die Weihung und ihre Mühlen“ hat der Hobbyfilmer seiner Liebe zu dem Flüsslein Ausdruck verliehen. „Das ist für mich das größte Projekt gewesen. Seit ich filme, arbeite ich daran“, sagt Wipfler über diesen Film – und das will etwas heißen. Denn seit den 1960er Jahren frönt er dieser Leidenschaft. Nicht nur seine zahlreichen Reisen in ferne und exotische Länder hat er mit der Kamera dokumentiert, auch Wainer Feste, vom Kindergarten, der Schule, Vereinen. „Mein ältester Film ist das Musikfest in Wain aus dem Jahr 1961.“

Einmal im Jahr führt Walter Wipfler einen seiner Filme beim Gemeindetreff vor, dem „Woimer Gmoinds-Treff“, und seine Filme haben dort schon Kult-Status. Schließlich dokumentieren sie eine Zeit, die viele nur von alten Bildern kennen. „Das sind jetzt natürlich sehr wertvolle Filme“, sagt Wipfler. Als Chronist will er sich aber trotzdem nicht bezeichnen, denn nach wie vor seien die meisten seiner Filme ausschließlich für den Eigengebrauch gedacht, obwohl einer von ihnen auch schon mal in einem Kino lief, mit Erfolg: Als Hommage an seinen Geburtsort drehte er anlässlich der Feierlichkeit im Jahr 2009 den Film „750 Jahre Wain“. Zwei Mal wurde er im Kino in Schwendi gezeigt, beide Male war das Kino brechend voll, erinnert er sich. „Das war einer meiner Höhepunkte“, blickt er heute zurück.

Schon als Schüler ist der junge Wipfler in Ulm begeistert nach der Schule ins Kino gegangen. Er kannte die Vorführer, sagt er, deshalb durfte er damals immer in die Vorführräume gehen, interessierte sich für die alten Filmprojektoren und hat heute im Keller ein kleines Museum dieser alten Technik stehen. Schon damals hat er sich einige Filmprojektoren gekauft, sie restauriert oder fehlende Teile einfach selber gebaut. „Ich sehe das als einen gewissen Vogel von mir an“, sagt er, während er neben einem Spulenturm steht, den er ebenfalls selber gebaut hat.

Angefangen hat Walter Wipfler mit einer Super-8-Kamera, deren Produktion im Jahr 2005 eingestellt worden war. Dementsprechend zeichnen sich seine anfänglichen analogen Schmalfilme auch noch durch eine besondere Ästhetik aus, was Farben und Körnung angeht. Etliche Kilometer aufgerollter Spulen seiner alten Filme hat er fein säuberlich im Keller aufbewahrt. Gleich neben dem großen Beamer, der unterstützt durch Dolby-Surround, ein gestochen scharfes Bild auf seine vier mal zwei Meter Leinwand wirft. „Ich habe mir mittlerweile eine Grenze gesetzt“, sagt er: „Die 4K-Qualität ist so gut, das reicht.“ 4K, die Auflösung, die auch unter dem Begriff Ultra HD oder einfach UHD bekannt ist, bietet eine schier endlose Detailtreue durch die extrem hohe Anzahl der angezeigten Pixel.

„Das Allerwichtigste ist mir die Qualität“, sagt der heute 76-jährige ehemalige Geschäftsführer von Häwa. „Das Bild muss scharf sein, sauber und exakt vorgeführt werden.“ Momentan arbeitet er an der Digitalisierung seiner alten Filme. Auch, um sie einmal den Enkelkindern vorspielen zu können. Im Januar wird er dann wieder einen Film beim „Gmoinds-Treff“ vorführen. Mitllerweile kommen vermehrt Anfragen nach seinen Filmen, aber auch da gelte, dass sie eigentlich für den Eigenbedarf gedreht wurden, sagt er. Und bei seinem „Meisterwerk“, dem Weihungs-Film bleibe er stur, meint er: „Der wird nur in Weihungs-Gemeinden gezeigt.“

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