"Ärzte für Kenia": Mediziner aus der Region wollen Krankenhausbetrieb dauerhaft sichern

Das Krankenhaus samt Ausstattung steht fertig in Kenia bereit. Was fehlt, sind ein Arzt und Personal. Der Ulmer Arzt Andreas Tosch will mithilfe von Kollegen die finanzielle Basis für den Betrieb schaffen.

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  • Dr. Andreas Tosch (von links), seine Mitarbeiterin Karina Müller und Marcel Dürr vom Verein Schwarz-Weiß wollen den finanziellen Grundstock für den Krankenhausbetrieb schaffen. 1/3
    Dr. Andreas Tosch (von links), seine Mitarbeiterin Karina Müller und Marcel Dürr vom Verein Schwarz-Weiß wollen den finanziellen Grundstock für den Krankenhausbetrieb schaffen. Foto: 
  • Das Nice-View-Medical-Centre in Msambweni: Ein fertig ausgestatteter Operationssaal, Behandlungszimmer, Betten - alles ist vorhanden. Fehlen nur Ärzte und Pfleger. Mit Unterstützung aus der Region soll sich das bald ändern und das Krankenhaus zunächst als Tagesklinik starten. 2/3
    Das Nice-View-Medical-Centre in Msambweni: Ein fertig ausgestatteter Operationssaal, Behandlungszimmer, Betten - alles ist vorhanden. Fehlen nur Ärzte und Pfleger. Mit Unterstützung aus der Region soll sich das bald ändern und das Krankenhaus zunächst als Tagesklinik starten. Foto: 
  • Das Nice-View-Medical-Centre in Msambweni: Ein fertig ausgestatteter Operationssaal, Behandlungszimmer, Betten - alles ist vorhanden. Fehlen nur Ärzte und Pfleger. Mit Unterstützung aus der Region soll sich das bald ändern und das Krankenhaus zunächst als Tagesklinik starten. 3/3
    Das Nice-View-Medical-Centre in Msambweni: Ein fertig ausgestatteter Operationssaal, Behandlungszimmer, Betten - alles ist vorhanden. Fehlen nur Ärzte und Pfleger. Mit Unterstützung aus der Region soll sich das bald ändern und das Krankenhaus zunächst als Tagesklinik starten. Foto: 
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OP-Säle, Betten, Geräte, ein Labor: das Nice-View-Medical-Centre in Kenia ist gut ausgestattet. „Wir haben mehrere Kliniken in Deutschland ausgeräumt. Jetzt ist alles da, was man für ein Krankenhaus braucht“, sagt Marcel Dürr vom Roggenburger Verein Schwarz-Weiß (siehe Infokasten). Ginge es nur nach der Ausstattung, könnte das rund 500 Quadratmeter große Krankenhaus in Msambweni, 60 Kilometer südlich von Mombasa, sofort öffnen – allerdings fehlen Ärzte und Pflegepersonal.

Das soll sich ändern. Zumindest wenn es nach Dr. Andreas Tosch und seiner Mitarbeiterin Karina Müller geht. Sie wollen – unter anderem bei Ärzten in der Region – dafür werben, das Krankenhaus in Kenia finanziell so zu unterstützen, dass es dauerhaft betrieben werden kann. „Uns ist die Kontinuität wichtig“, sagt der Allgemeinmediziner Tosch, der in Gögglingen seine Praxis betreibt. Rund 3000 Euro im Monat seien dafür nötig, um einen kenianischen Arzt, Pflege- und Hilfskräfte sowie Nachtwächter anzustellen. Zunächst soll die Klinik im Tagesbetrieb starten, langfristig daraus aber ein richtiges Krankenhaus entstehen.
 


Toschs Mitarbeiterin Karina Müller kennt das Projekt Schwarz-Weiß seit Jahren. „Bekannte von mir waren schon dort und haben gesehen, dass mit den Spenden wirklich Sinnvolles gemacht wird“, erzählt die Medizinische Fachangestellte. Als sie ihrem Chef von dem Nice-View-Projekt erzählte, war er sofort Feuer und Flamme. „Klar spendet man immer wieder, aber bei den großen Hilfsorganisationen fragt man sich manchmal schon, ob das Geld dort ankommt, wo die Hilfe gebraucht wird“, sagt Andreas Tosch. Als er dann noch von der fertigen Klinik erfuhr, die mangels Arzt und Personal nicht öffnen kann, wurde die Idee „Ärzte für Kenia“ geboren.

Vor Weihnachten hat Tosch nun Kollegen in der Region angeschrieben und sie um Unterstützung gebeten. „Die meisten waren sofort begeistert, einige haben auch schon eine monatliche Spende zugesagt.“ Doch die Unterstützung soll nicht nur finanzieller Art sein, auch ein fachlicher Austausch ist geplant. Daher freut sich Tosch, dass der Geschäftsführer der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales, Wolfgang Neumeister, zugesagt hat, Ärzte aus Kenia in den Klinken der GmbH in Langenau, Blaubeuren oder Ehingen weiterzubilden – bei freier Kost und Logis. Auch könnten Ärzte der GmbH nach Kenia, um dort im Nice-View-Medical-Centre bei fortlaufender Bezahlung einige Zeit mitzuarbeiten. Das möchten – je nach Zeit – auch Tosch und einige seiner niedergelassenen Kollegen. „Toll wäre es auch, wenn mal ein Augenarzt oder Zahnarzt dort mitmachen würde“, meint Tosch: „Dann könnte man für die Region eine umfassende medizinische Versorgung aufbauen.“

Die sei in Msambweni auch dringend nötig, erzählt Marcel Dürr, der die Arbeit des Vereins Schwarz-Weiß in Deutschland koordiniert. Zwar gebe es ein Distrikt-Krankenhaus, aber das sei ziemlich heruntergekommen. „Nicht zuletzt kriegt in Afrika nur der Hilfe, der dafür bezahlt“, erzählt Dürr: kein Geld – kein Arzt, keine Medikamente. Dafür gebe es Infektionskrankheiten wie etwa Malaria. „Wir hier können uns ja gar nicht vorstellen, dass Leute dort an Krankheiten sterben, die hier mit einem Antibiotikum leicht zu behandeln wären“, sagt der Mediziner Tosch.

Wenn alles nach Plan läuft und die Finanzierung steht, soll im Frühsommer endlich Leben ins Nice-View-Medical-Centre kommen. Zunächst aber wird am 4. März in Kenia gewählt. „Danach kommt erfahrungsgemäß eine etwas chaotische Zeit“, sagt Dürr: Politiker und Beamte wechseln, und „jeder hält die Hand auf“. Bei der letzten Wahl Ende 2007 hatte es gar Unruhen gegeben. Auch jetzt sei die Anspannung im Land zu spüren, weiß Dürr von seinen Eltern, die dort leben.

"Wenn jemand kein Geld hat, kann er auch mit einem Huhn bezahlen"

Außerdem werde auf dem Dach des Krankenhausgebäudes eine Solaranlage installiert, damit die Klinik eine autarke Stromversorgung hat. „Erfahrungsgemäß fällt in Kenia an zwei, drei Stunden am Tag der Strom aus. Das darf während einer OP natürlich nicht passieren.“

Die Behandlung im Krankenhaus, das nur knapp einen Kilometer vom Nice-View-Children’s Village, dem Waisenhaus des Vereins Schwarz-Weiß, entfernt ist, soll nicht kostenlos sein. „Sonst könnten wir es überhaupt nicht finanzieren“, sagt Marcel Dürr. Allerdings sollen die Gebühren für die Behandlung gestaffelt sein. „Und wenn jemand gar kein Geld hat, kann er auch mit einem Huhn bezahlen.“

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