Winterstress ohne Ende

Erbach/Senden.  "Jetzt reichts aber auch", ist aus den Bauhöfen der Region zu hören. Gemeint ist der Winter, der Mensch und Material an die Grenzen gebracht hat. Viel Schnee wird nun nicht mehr erwartet.

Werner Oberdorfer ist in seinem Element. Der Leiter des Erbacher Bauhofs drückt das Gaspedal des Unimogs nach unten und stiebt den "Totenweg" in Richtung Donaurieden hoch. Den hat der nächtliche Schneefall im Weiß der angrenzenden Felder gänzlich verschwinden lassen. Nun macht Oberdorfer mit dem mächtigen Frontschild klar Schiff. Dort, wo der Nordostwind die Kristalle zu Schneewehen aufgehäuft hat, geht ein Ruck durch das Fahrzeug. Wenige Minuten später wendet Oberdorfer in Donaurieden. Auf der Rückfahrt wird das, was liegen geblieben ist, vollends weggeputzt. Es war eine problemlose Räumaktion. "Pulverschnee, kein Problem für den Unimog", sagt Oberdorfer mit breitem Grinsen und tätschelt das Lenkrad wie einen braven Ackergaul nach getaner Arbeit.

Der Winter hat Mensch und Material gefordert, wie ein Besuch der Bauhöfe Erbach und Senden zeigt. Seit dem 12. Dezember war fast ununterbrochen Räumen angesagt. Kaum eine Verschnaufpause dazwischen. "Einen so intensiven Winter hat es schon lange nicht mehr gehabt", sagt Oberdofer.

"Wir sind alle an der Grenze. Kaum ein Tag, an dem wir nicht draußen waren", bestätigt Stefan Kunz, Vorarbeiter im Sendener Bauhof. Er sollte sich einen Bruch operieren lassen, sein Kollege Martin Falk ein verknackstes Knie auskurieren. Doch um die Kollegen nicht im Stich zu lassen, wird weiter gemacht. Allein am hohen Verbrauch von Streusalz (siehe auch Info-Kasten) lässt sich die Strenge des diesjährigen Winters ablesen. Um die Jahreswende waren die Sendener Silos fast leer. Wenn es noch Salz gab, dann als Sackware. Das bedeutete 100 Tonnen von Hand in die Streugutbehälter der Fahrzeuge zu schütten. Aber egal, in welcher Form angeliefert wurde, "das war für uns immer wie Weihnachten", berichtet Kunz. Wurde es beim Winterdienst eng, halfen Fremdfirmen. Ihnen bescheinigt Kunz durch die Bank "einen tollen Einsatz". Kein Auftrag sei ihnen zu viel gewesen.

Mehr Glück mit Salz hatten die Erbacher. Ihr langjähriger Lieferant zapfte alle Quellen an. Und wurde das Salz auch bei ihm knapp, stieg Oberdorfer auf eine Kalksplit-Salz-Mischung um. Der Vorteil dieses weichen Splits sei, dass er von Fahrzeugreifen weitgehend zermahlen wird und so in der Fläche besser liegen bleibt. Split aus härterem Stein dagegen werde vor allem auf die Fahrbahnmitte und an den Rand geschleudert. Die Fahrstreifen seien dann bald wieder glatt. "Wir werden das Gemisch künftig stärker einsetzen", sagte Oberdorfer.

Außer "jeder Menge Überstunden" sind die Bauhöfe mit dem Winter nicht unzufrieden. "Keine Nickeligkeiten" wie zum Beispiel Eisregen, stellte Kunz fest. Das zeigten auch die verhältnismäßig geringen Unfallzahlen. Trotzdem ist Kunz mit seinem Erbacher Kollegen einer Meinung: "Jetzt reichts aber auch", sagt der Sendener. Hoffen auf eine Ruhepause ist aber fehl am Platz. Ein langer Winter bedeute Verzug bei den Grünarbeiten, wie Bepflanzen von Beeten und Aufbauen von Geräten auf Spielplätzen. "Langweilig wird es uns auch in den nächsten Wochen nicht", sagt Oberdorfer.


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Autor: FRANZ GLOGGER | 13.03.2010

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