Wetterdienst warnt: Windräder stören das Radar

Region.  Der Deutsche Wetterdienst könnte beim Ausbau der Windkraft in der Region zum Stolperstein werden. Wegen ihrer Radarstation bei Türkheim fordert die Bundes-Anstalt massive Einschränkungen.

Stromleitungen, Tiefflugzonen und bedrohte Vogelarten wie der Halsbandschnäpper - es gibt etliche Gründe, die den Ausbau der regenerativen Energien bremsen können. Für neue Windkraftanlagen könnte auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) zum Problem werden: Die dem Bundesverkehrsministerium unterstellte Anstalt öffentlichen Rechts fordert, dass im Umkreis von fünf Kilometern um ihre Wetterradaranlagen keine Windräder gebaut werden. Außerdem soll deren Höhe in einem Radius von 15 Kilometern begrenzt werden. Der Dienst befürchtet, dass seine Radarmessungen durch die Windkraftanlagen beeinträchtigt werden - durch Abschattungen und Fehlechos. Im Zuge der Anhörungsverfahren will der DWD als einer der Träger öffentlicher Belange der Fortschreibung der Regionalpläne nur zustimmen, wenn die obigen Kriterien erfüllt werden, kündigte Carmen Diesner vom Referat Messtechnik beim DWD auf Anfrage an.

Der Wetterdienst hat im Dezember die Kommunen und Planungsbehörden sicherheitshalber nochmals auf die schon bestehenden Richtlinien hingewiesen. Diese könnten für die Region zum Problem werden: In Türkheim steht eine der bundesweit 17 Wetterradaranlagen. Nur drei Kilometer entfernt bei Aufhausen hat die Stadt Geislingen eine 34 Hektar große Erweiterungsfläche für zwei Windkraftanlagen vorgeschlagen. Vier Anlagen könnten zudem auf dem Hungerberg nordöstlich von Türkheim errichtet werden. Im 15-Kilometer-Radius um die Türkheimer Wetterradaranlage liegen etliche Gebiete, die die Gemeinden Amstetten, Nellingen, Merklingen, Wiesensteig, Mühlhausen, Drackenstein, Bad Ditzenbach und Deggingen als mögliche Vorrangflächen den Regionalverbänden gemeldet haben.

Sollte die DWD-Richtlinie greifen, könnten dort keine neuen Windparks entstehen. Denn die Anlagen rund um Türkheim dürften nicht höher als 782 Meter über dem Meeresspiegel gebaut werden. Die Albhochfläche liegt aber schon zwischen 620 und 780 Meter über Normalnull, während moderne Windräder eine Gesamthöhe von mehr als 200 Metern erreichen.

Von der Richtlinie überrascht zeigte sich der Nellinger Bürgermeister Franko Kopp. Erst jüngst hat der Gemeinderat an den Markungsgrenzen zu Bad Ditzenbach und Geislingen zwei größere Vorrangflächen für maximal acht Anlagen vorgeschlagen, die alle den Forderungen des DWD nicht genügen. Kopp verwies auf das Planungsbüro Künster ("ein kompetenter Partner"), das die Gemeinde bei der schwierigen Materie unterstütze. Kopp hält die Standorte nach wie vor für sachgerecht. Nun gelte es, im Anhörungsverfahren alle Belange abzuwägen: "Wir sollten jetzt nicht gleich die Segel streichen."

Ähnlich argumentiert die Geislinger Stadtplanungsleiterin Alwine Aubele. Sie hat erst kürzlich von der DWD-Richtlinie erfahren, versteht aber die ganze Aufregung nicht. "Wir haben bisher nie Probleme mit dem Wetterradar gehabt." Aubele verweist auf die vier bestehenden Windkraftanlagen bei Aufhausen, die sich nur knapp drei Kilometer von der Türkheimer Radarstation entfernt schon seit Jahren im Wind drehen. Der Wetterdienst habe sich noch nie deswegen bei der Stadt beschwert.


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Autor: RALF HEISELE | 07.02.2012

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