Werner: Prioritäten setzen

Laichingen.  Die Stadt hofft auf einen Beitrag der Vereine, um die öffentlichen Ausgaben im Griff zu behalten. Bürgermeister Friedhelm Werner schilderte vor rund 100 Vertretern der Laichinger Vereinsvorstände die Lage.

Zu lebhaften Diskussionen sollte ein Treffen von rund 100 Mitgliedern der Laichinger Vereinsvorstände mit der Spitze der Stadtverwaltung im Alten Rathaus anregen. Bürgermeister Friedhelm Werner wollte ihr Bewusstsein für die finanziellen Probleme der Stadt schärfen und sie um Mithilfe bitten, damit die Stadt künftig bei geringeren finanziellen Möglichkeiten die richtigen Prioriäten setzt. "Es geht um die Zukunft der Stadt, und um die Frage, ob wir unsere großzügigen finanziellen Leistungen für die Vereine auch bei neuen wichtigen Angelegenheiten der Stadt im selben Umfang aufrecht erhalten sollen", erklärte der Bürgermeister im Rückblick auf die nicht öffentliche Sitzung.

Nur kurz skizzierte er die problematischen Eckdaten des aktuellen Laichinger Haushalts, bei dem noch nicht feststeht, ob die eingeplanten ohnehin sehr niedrig angesetzten 2,4 Millionen Euro Gewerbesteuer wirklich fließen werden. Gleichzeitig muss die Stadt millionenschwere Schulden machen, weil die Umlagen so hoch sind und sich die jahrelang guten Gewerbesteuereinnahmen von bis zu 7,5 Millionen Euro im Jahre 2008 nun negativ auswirken. Gleichzeitig gelte es, neue Herausforderungen zu schultern: Die Kinderbetreuung müsse ausgebaut werden, in den Schulen müsse ein zweiter Rettungsweg entstehen und auch die Ganztagesschule oder eine Mensa für die Schüler würden viel Geld kosten.

Bewusst habe er jedoch keine Vorgaben gemacht, dass die Stadt bei den Vereinen sparen wolle, betonte Werner. "Wir haben im aktuellen Haushaltsplan die Zuschüsse an die Vereine in der bisherigen Höhe belassen - gegen den Wunsch der Kommunalaufsicht." Er wisse, was die Vereine für die Stadt leisteten, daher wolle er bei den Vereinsvorständen aber dafür werben, dass sie mithelfen, die Stadt zukunftsfähig zu machen. Der Abend stand daher auch unter dem Titel "Zukunftswerkstatt".

Der Hauptteil des Abends beinhaltete die Darstellung der verschiedenen Fördermöglichkeiten, die die Stadt ihren Vereinen gewährt. Denn die gehen weit über die 30 000 Euro allgemeinen Zuschüssen und den 30 000 Euro Investitionszuschüssen, die auf alle Vereine verteilt werden, hinaus. Da waren selbst altgediente Vereinsvorstände erstaunt, welch große Bandbreite an Förderung in der Stadt vorhanden ist.

Der finanziell größte Brocken ist dabei sicherlich die kostenlose Nutzung städtischer Gebäude inklusive aller Nebenkosten durch die Vereine. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass die Vereine insbesondere die Hallen zu rund einem Drittel nutzen. Allein für die Bewirtschaftungskosten der Hallen, Gebäude und Sportplätze käme man schnell auf rund 250 000 Euro, die von der Stadt getragen werden. Rund 30 000 Euro betragen beispielsweise die Kosten des Bauhofs, um die Sportplätze in Laichingen, Machtolsheim und Feldstetten zu pflegen. In Suppingen dagegen übernimmt das der Sportverein selbständig - mit einem Zeitaufwand von wöchentlich rund vier Stunden.

Werner zeigte, dass er durchaus auch weiß, wo die Stärken und Probleme der Vereine liegen. Verständlich sei, dass Vereine, die in der Jugendarbeit, im Kulturbereich oder im sozialen Bereich besonders aktiv seien, Vorzüge genießen müssten. So habe es sicher langfristig negative Auswirkungen, wenn aus finanziellen Gründen keine geeigneten Jugendtrainer in den Sportvereinen oder kein geeigneter Dirigent bei den Musikvereinen gewonnen werden könne. Auf den Tisch kam an dem Abend aber auch, dass manche Vereine beispielsweise mit zurückgehenden Einnahmen bei der Bewirtung zu kämpfen haben, weil es vielleicht Überschneidungen mit der Bürgerstiftung gebe. Einige Vereine können von Papier- oder Alteisensammlungen profitieren, andere nicht. Einige Vereine wie "Lust auf Internet" bezahlen ihre Räumlichkeiten selber, andere bekommen sie kostenlos - je nach Zeitpunkt ihrer Gründung.

Erste Vorschläge kamen aus den Reihen der Vereinsvorstände, wo die Stadtkasse Geld gewinnen könnte: Etwa durch einen kleinen finanziellen Beitrag für einen Bücherei-Ausweis von Erwachsenen; oder bei Vereinsveranstaltungen in öffentlichen Räumen, bei denen Geld verdient wird.

Werners Ziel war allerdings zunächst nur, einen Impuls zu setzen: "Sparen heißt, Geld, das man hat, nicht auszugeben, weil man es für andere wichtige Dinge braucht." Bis zu den Sommerferien hofft er nun auf Rückmeldungen aus den Vereinen. Die ersten Rückmeldungen auf den Appell sind positiv.


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Autor: THOMAS SPANHEL | 20.03.2010

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