Wasserknappheit im südafrikanischen Winter
Bermaringen. Auf seinem Rad hat Hartmut Bögel aus Blaustein bisher rund 12.000 Kilometer von Kairo nach Kapstadt zurückgelegt. Pünktlich zum ersten WM-Spiel der deutschen Nationalelf möchte er in Durban sein. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.
6. Juni Mhatata
Das Landschaftsbild hat sich verändert, die Wälder sind gewichen und ich bin fast den ganzen Tag durch dürre Weide - und Graslandschaft geradelt. Die Straße schlängelt sich auf und ab durch die hügeligen Flächen und die Sonne zeigt sich mir in voller Pracht. Je nachdem in welche Richtung ich radle, habe ich mal Seiten- und mal Gegenwind. Im Winter ist hier Trockenzeit und alles lechzt nach Wasser, selbst die meisten Flussbette sind von einem erbärmlichen Rinnsal mal abgesehen öde und leer. Die Schafe und Kühe kauen lustlos das grobe trockene Gras und die Teiche der Farmen sind nur noch grünlich veralgte Pfützen. Die Bauern brennen im Winter ihre trockenen Felder mit dem hohen Gras ab, damit dann ab September, wenn der Regen kommt, Neues besser nachwachsen kann. Wie man mir erzählt hat, ist dieser rabiate Kahlschlag aber nicht ganz ungefährlich, weil manch Feuer außer Kontrolle gerät.
Sonntags ist anscheinend Waschtag, überall sehe ich Menschen am Fluss Wäsche waschen. Weil so wenig Wasser drin ist, müssen sie bisweilen weite Wege gehen, um an eine geeignete Stelle zu kommen. Die einfacheren Häuser und Hütten haben keinen Wasseranschluss. Also ist Handwäsche gefordert und die Zäune hängen voller bunter Wäsche, um zu trocknen. Doch es gibt auch ebenso recht stattliche und großzügige Anwesen und Häuser hier in der Transkei, mit gepflegtem Rasen und flottem Auto vor der Garage, also auch hier in den Orten der schwarzen Bevölkerung lebt Arm und Wohlhabend eng zusammen, zumindest scheint dies für mich so zu sein.
Ich selbst fühle mich auch in diesem Teil Südafrikas absolut sicher und wohl auf meinem Fahrrad. Ich bin froh, auch hier unterwegs zu sein, einfach auch deshalb weil es ein völlig anderes Südafrika ist als an der Garden Route etwa. Durch die Warnungen im Vorfeld bin ich aber nicht mehr so unvoreingenommen und spüre doch gewisse Vorbehalte. Das ist irgendwie schade, weil ich so doch nicht ganz unbefangen auf die Menschen zugehe und eine gewisse Distanz und Vorsicht verspüre. Ok, die Steine werfenden Jungs sind nicht von der Hand zu weisen, aber dies war ja noch nicht in der Transkei und die absolute Ausnahme bislang. Die Menschen, die mich sehen, winken und rufen mir von Weitem strahlend entgegen und begegnen mir äußerst freundlich und interessiert. Ich verspüre bei ihnen keinerlei Abneigung mir gegenüber und es ist mir auch wichtig dies weiterzuerzählen.
John aus England, den ich heute mit seinem Fahrrad traf und der auf seiner Reise durch Afrika nach Spanien ist, hat im Übrigen genau die gleichen Erfahrungen bislang gemacht. Er übernachtet meist im Zelt und fragt sich nach einem Platz dafür durch. Er fühlt sich wohl und sicher und kann nicht nachvollziehen, warum so oft so schlecht und negativ berichtet wird... Klar, die hohe Kriminalitätsrate ist nicht von der Hand zu weisen und spiegelt sicherlich manches wieder, was hier zweifelsohne im Argen liegt, aber sie ist nicht allgegenwärtig und bestimmt schon gar nicht die Begegnungen mit den Menschen hier. Ich verbringe die Nacht im Garten eines Backpackers und mache mich dann morgen früh auf den Weg zur Küste nach Port St. Johns. Ich schaffe es nicht, mir das Nelson Mandela Museum hier anzuschauen und das ist eigentlich eine kleine Schande. Ach ja, noch fünf Tage bis zum Eröffnungsspiel...
Das Landschaftsbild hat sich verändert, die Wälder sind gewichen und ich bin fast den ganzen Tag durch dürre Weide - und Graslandschaft geradelt. Die Straße schlängelt sich auf und ab durch die hügeligen Flächen und die Sonne zeigt sich mir in voller Pracht. Je nachdem in welche Richtung ich radle, habe ich mal Seiten- und mal Gegenwind. Im Winter ist hier Trockenzeit und alles lechzt nach Wasser, selbst die meisten Flussbette sind von einem erbärmlichen Rinnsal mal abgesehen öde und leer. Die Schafe und Kühe kauen lustlos das grobe trockene Gras und die Teiche der Farmen sind nur noch grünlich veralgte Pfützen. Die Bauern brennen im Winter ihre trockenen Felder mit dem hohen Gras ab, damit dann ab September, wenn der Regen kommt, Neues besser nachwachsen kann. Wie man mir erzählt hat, ist dieser rabiate Kahlschlag aber nicht ganz ungefährlich, weil manch Feuer außer Kontrolle gerät.
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Ich selbst fühle mich auch in diesem Teil Südafrikas absolut sicher und wohl auf meinem Fahrrad. Ich bin froh, auch hier unterwegs zu sein, einfach auch deshalb weil es ein völlig anderes Südafrika ist als an der Garden Route etwa. Durch die Warnungen im Vorfeld bin ich aber nicht mehr so unvoreingenommen und spüre doch gewisse Vorbehalte. Das ist irgendwie schade, weil ich so doch nicht ganz unbefangen auf die Menschen zugehe und eine gewisse Distanz und Vorsicht verspüre. Ok, die Steine werfenden Jungs sind nicht von der Hand zu weisen, aber dies war ja noch nicht in der Transkei und die absolute Ausnahme bislang. Die Menschen, die mich sehen, winken und rufen mir von Weitem strahlend entgegen und begegnen mir äußerst freundlich und interessiert. Ich verspüre bei ihnen keinerlei Abneigung mir gegenüber und es ist mir auch wichtig dies weiterzuerzählen.
John aus England, den ich heute mit seinem Fahrrad traf und der auf seiner Reise durch Afrika nach Spanien ist, hat im Übrigen genau die gleichen Erfahrungen bislang gemacht. Er übernachtet meist im Zelt und fragt sich nach einem Platz dafür durch. Er fühlt sich wohl und sicher und kann nicht nachvollziehen, warum so oft so schlecht und negativ berichtet wird... Klar, die hohe Kriminalitätsrate ist nicht von der Hand zu weisen und spiegelt sicherlich manches wieder, was hier zweifelsohne im Argen liegt, aber sie ist nicht allgegenwärtig und bestimmt schon gar nicht die Begegnungen mit den Menschen hier. Ich verbringe die Nacht im Garten eines Backpackers und mache mich dann morgen früh auf den Weg zur Küste nach Port St. Johns. Ich schaffe es nicht, mir das Nelson Mandela Museum hier anzuschauen und das ist eigentlich eine kleine Schande. Ach ja, noch fünf Tage bis zum Eröffnungsspiel...
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Autor: Hartmut Bögel | 10.06.2010
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