Vorbild für Donau-Strategie
Allmendingen. Für den FDP-EU-Abgeordneten Michael Theurer ist Burgmaier Metalltechnik ein gutes Beispiel für das Engagement eines deutschen Mittelständlers, der über ein Werk in der Slowakei Osteuropa erschließt.
"Die abstrakte Donaustrategie mit Leben füllen" will der ehemalige Horber Oberbürgermeister und jetzige FDP-Europa-Abgeordnete Michael Theurer. Und weil es in der etwas nachrichtenärmeren Zeit etwas einfacher ist, für solche Ziele Öffentlichkeit herzustellen, radelt die Fraktion der liberalen Parteien im EU-Parlament von Donaueschingen bis Budapest, das am 12. September erreicht werden soll. Theurer, Vize-Präsident des parlamentarischen Donauforums, hat dabei die Strecke bis Ulm übernommen und sich dank persönlicher Kontakte zu Burgmaier-Geschäftsführer Andreas Guter das Allmendinger Unternehmen als gelungenes Beispiel ausgesucht.
Seit 2004 verfolgt Burgmaier eine eigene Donaustrategie. Damals hat der Automobilzulieferer ein slowakisches Unternehmen übernommen und die Zahl der Mitarbeiter dort von einst 15 auf 65 erhöht. Inzwischen ist Banská Bystrica ein vollständiger Standort mit eigener Entwicklung. "Sukzessive haben wir das ausgebaut", sagte Guter im Gespräch mit Theurer. Natürlich hätten die deutschen Mitarbeiter, die teilweise seit 15, 20 oder 30 Jahren in der Firma arbeiten, einen kleinen Vorsprung, was den Erfahrungshorizont angehe. Aber das sei der einzige Unterschied zur Niederlassung in der Slowakei. "Das sind alles hochqualifizierte Leute." Von einer Auslagerung einfacher Abläufe könne keine Rede sein: "Wir müssen dort die selben Produkte liefern, wie wir das hier auch tun."
Burgmaier wollte mit dem slowakischen Werk auf dem osteuropäischen Markt Fuß fassen. Vor Ort werden etwa Autozulieferer bedient, die sich ihrerseits in Osteuropa niedergelassen haben. "Wichtig ist hier der logistische Zusammenhang - die Produktion vor Ort, direkt für die Kunden dort. Das ist nicht nur eine verlängerte Werkbank für uns." Mit den Rahmenbedingungen im Land ist Guter zufrieden. "Man merkt die Handschrift der EU sehr deutlich, wenn man durch die Slowakei fährt. Da wird sehr intensiv an der Infrastruktur gebaut: Autobahnen, Brücken und so weiter."
Was direkte EU-Hilfen für Unternehmen betreffe, so kämen meist nur große Konzerne zum Zug - weil sie genug Personal hätten, um jemanden abzustellen, der sich um aufwendige Anträge und vielschichtige Vorgaben kümmert. Theurer wünscht sich hier einen Bürokratieabbau, ergänzt aber, dass es bei der Donaustrategie nicht nur um Fördermittel gehen soll. Der Liberale plädiert vor allem für Wissensaustausch und verweist erneut auf Burgmaier: Der Mittelständler aus Allmendingen bildet eigene Fachkräfte in der Slowakei aus und arbeitet dort mit der technischen Universität zusammen. "Das läuft nicht so dual wie bei uns in Deutschland, sondern es passiert sehr viel auf der theoretischen Schiene", erläutert Guter dem Europa-Abgeordneten. Aber auch darin sieht er kein echtes Problem. "Wichtig ist, ständig im Gespräch zu bleiben, ständig mit den Leuten zu kommunizieren, drüber zu reden, die Ideen auszutauschen. Also, ich kann die slowakischen Partner nur loben: Die sind hochmotiviert."
Burgmaier kann im Kleinen als Vorbild dafür dienen, wie sich die EU-Donaustrategie umsetzen lässt, erklärt Theurer und verweist auf die IHK Ulm, die berufliche Aus- und Weiterbildung sowie die Selbstverwaltung der Wirtschaft als wesentliche Ziele für den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Mittelstandes nennt. Burgmaier hat bereits 2005 Bürgermeister und Gemeinderäte aus den slowakischen Gemeinden Viglas und Detvar, die Leitung der dortigen Metallschule sowie technische Lehrer in Allmendingen empfangen, um beispielsweise die Lehrwerkstätten der Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker und Industriemechaniker vorzuführen. Solches Vorgehen dient dem weiteren Ziel der IHK, der Selbstverwaltung der Wirtschaft. Unternehmen sollen sich am staatlichen und gesellschaftlichen Leben beteiligen. ah
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02.09.2010
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Burgmaier in Allmendingen geht es wieder gut: Die Zeit der Kurzarbeit ist vorbei, das Engagement in der Slowakei gilt als beispielhaft. Foto: Julia-Maria Bammes
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