Virtuelle Fahrt in den Blautopf
Blaubeuren. Virtuell mit Forschern abtauchen und sich in einer Höhle durch Engstellen zwängen: Ideen für eine Blautopf-Erlebniswelt in Blaubeuren.
Die 4,6 Millionen Euro teure Sanierung des historischen Spitals in Blaubeuren schreitet voran. Die Stadt Blaubeuren und die für den Betrieb des Urgeschichtlichen Museums zuständige Stiftung sind sich einig, den Nordflügel nach der Sanierung für die Erweiterung des Museums, zur Einrichtung eines zentralen Tourismusbüros und einer Ausstellung unter dem Titel "Blautopf erleben" zu nutzen. Alt-Bürgermeister Georg Hiller, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung, freute sich jetzt über die Zustimmung des Gemeinderats zu einem Konzept, das in den vergangenen drei Jahren entwickelt wurde. Für Hiller wie auch für den Gemeinderat und Bürgermeister Jörg Seibold ist klar, dass Investitions- und Betriebskosten den Finanzrahmen von Stiftung und Stadt sprengen werden. "Wir werden auf nennenswerte Hilfe von außen angewiesen sein", sagte Seibold.
Voraussetzung, um an Geld zu kommen, ist ein gutes Konzept. So hat sich die Stadt zusammen mit einem Fachbüro schon Gedanken gemacht, wie in einem erweiterten Museum neben der Archäologie das Thema Blautopf erlebbar gemacht werden könnte. Was Dr. Stefanie Kölbl, Kustodin des Museums, vorstellte, hörte sich gut an: Auf einer 166 Quadratmeter großen Fläche im Dachgeschoss tauchen Besucher mit einer Filmprojektion ab im Blautopf, Kinder kriechen in eine künstliche Höhle mit Tastparcours und zwängen sich durch Engstellen. Ein Rundgang gibt Informationen über die Entstehung der Alb und der Höhlen. Ein dreidimensionales Modell zeigt das Ausmaß des mehr als sieben Kilometer langen Blauhöhlensystems. Die Kosten für eine solche Erlebniswelt werden auf rund 300 000 Euro geschätzt.
Georg Hiller zeigte in seinem Vortrag Skizzen, welche Räume des Spitals künftig vom Museum, welche von der Stadt und welche gemeinsam genutzt werden könnten. Er nannte auch Zahlen: Die Blautopfwelt nicht mitgerechnet, muss die Stiftung 610 000 Euro investieren, die Stadt 425 000. Die jährlichen Betriebskosten betragen für die Stadt 163 000 Euro, für die Stiftung 110 000 Euro. Die Zahlen beziehen sich auf die Erweiterungsstufen eins und zwei, eine dritte Stufe wäre der Abriss und Neubau des nicht denkmalgeschützten Bürgerheims östlich des Spitals. Dieses wird auch in seinem jetzigen Zustand einbezogen, etwa zur Unterbringung der Tübinger Grabungsmannschaft.
Mit der Einbeziehung des Nordflügels würde das Museum angemessene Räume für Wechselausstellungen, einen Museumsshop, Museumspädagogik und einen Vortragsraum gewinnen. Ein Museum müsse heute neben Ausstellungen und der Verbindung zur Wissenschaft Aktionen, Aktivitäten, Bildungsarbeit, Pädagogik und Erlebnisbereiche bieten, sagte Hiller. Er hofft auf die Ausweisung der Fundlandschaft zum Weltkulturerbe. Dem Kloster Maulbronn und der Insel Reichenau bescherte die Anerkennung die drei- bis vierfachen Besucherzahlen.
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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 30.07.2010
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