Unterwasserrugby in Langenau:
Mannschaftssport in fünf Metern Tiefe

Langenau.  Ein Ball, zwei Körbe, drei Dimensionen: Unterwasserrugby ist ein schneller und anspruchsvoller Mannschaftssport. Wir haben das Team des WSC Langenau beim Training besucht.

Die Hand greift noch fester zu, sie klammert. Stets kurz davor, loslassen zu müssen. Die andere paddelt hektisch im Wasser. Gleich sechs Menschen nebeneinander. Alle Augenpaare sind aufs andere Ufer gerichtet. Angespannt. Dort das gleiche Bild. Dann ein lautes Signal und zwölf Körper stoßen sich ruckartig vom Beckenrand ab. 24 mit Flossen verlängerte Beine katapultieren die Menschen in die Beckenmitte, in die Tiefe. Dort liegt das Objekt der Begierde: der Ball. Ein mit Salzwasser gefüllter Ball.

Unterwasserrugby, das ist ein Duell sechs gegen sechs, das, wie der Name verrät, unter Wasser ausgetragen wird. Ziel ist es, den Ball in den auf dem Beckenboden platzierten Korb des Gegners zu befördern – und die gegnerischen Spieler möglichst vom eigenen Korb fernzuhalten. Gespielt wird je nach Hallenbad in dreieinhalb bis fünf Metern Tiefe.

Das Spiel ist schnell, körperbetont und spielt sich im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten dreidimensional ab. "Das ist das Besondere am Unterwasserrugby", sagt Alexander Höhe, einer der Spielertrainer des Landesligisten WSC Langenau. "Man kann von links oder von rechts, von vorne oder hinten, von oben oder unten angreifen." Und angegriffen werden.

Klare Regeln, wenig Verletzungen

Es darf aber jeweils nur der Spieler attackiert werden, der sich gerade im Ballbesitz befindet. Das dafür dann aber nicht zimperlich. "Na klar, es ist eine Kontaktsportart, die aber klaren Regeln unterliegt", erklärt der Maschinenbaustudent. Verboten sind unsportliches Verhalten wie schlagen, treten und beißen, aber auch das Abreißen der Ausrüstung. Die besteht aus Maske, Brille mit Schnorchel, Flossen, Badehose und Badekappe. Das Abreißen der Maske beispielsweise wird in Ligaspielen mit einer Zweiminuten-Zeitstrafe belegt.

Drei Schiedsrichter sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden: zwei unter Wasser, ausgestattet mit einer Sauerstoffflasche, einer am Beckenrand. Anpfiff, Abpfiff und Spielunterbrechungen nach Fouls oder Toren werden mit unterschiedlich langen Hupsignalen angezeigt.

"Man glaubt das kaum, aber bei uns gibt es wirklich wenige Verletzungen. Kapselverletzungen durch verbogene Gliedmaßen kommen am häufigsten vor", erzählt Marius Heim. Er spielt seit anderthalb Jahren und ist erst seit dieser Saison in der Ligamannschaft. Früher habe er Fußball gespielt. Doch da habe er sich andauernd verletzt. Besonders das Knie lasse Fußballspielen nicht mehr zu. Heim ist 25. "Beim Unterwasserrugby ist mir noch nichts passiert."

Hartes Training und Klopf-Kommunikation

Das liegt mit Sicherheit auch an der intensiven Vorbereitung der Langenauer. Zwei mal in der Woche trainieren die Unterwasserrugby-Cracks. Dann stehen natürlich Kraft- und Schwimmübungen auf dem Programm. Aber auch Übungen zur Atemtechnik, zur "Verbesserung des Luft-Anhaltens", wie Spielertrainer Höhe sagt. 15 bis 20 Sekunden sei ein Spieler meist am Stück unter Wasser. "Das klingt erstmal nicht viel. Wenn man aber bedenkt, dass man währenddessen schwimmt und um den Ball kämpft, ist das ganz schön hart."

Unterwasserrugby wird über zwei 15 Minuten lange Halbzeiten gespielt. "Die Spieldauer ist ausreichend lang. Insbesondere, wenn man sich überlegt, dass wir manchmal drei Spiele an einem Tag haben", erklärt Höhe. Zehn Spiele auf vier Spieltage verteilt, das ist die Saison der Langenauer Unterwasserrugby-Mannschaft. Dazwischen nehmen sie an Turnieren teil.

Für einen noch nicht so erfahrenen Spieler wie Heim geht es im Training aber auch darum, Passübungen zu machen und sich im Raum zu orientieren: Wie finde ich meinen nächsten freien Mitspieler? Wo ist eine Lücke? "Die erfahrenen Spieler helfen mir da sehr, reden viel mit mir und geben mir Tipps", sagt der 25-Jährige. Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Sportart. Da sprechen unter Wasser nicht möglich ist, verständigen sich die Spieler mit Klopfzeichen. 

Absprachen seien wichtig, um die gegnerische Mannschaft "auszutricksen", wie Höhe sagt. Insbesondere den Torwart zu überlisten, ist im Unterwasserrugby nicht so einfach, schließlich liegt der mit seinem Körper auf dem Korb. An selbigem festhalten darf er sich aber nicht. Das ist generell untersagt.

Ein Sport für jedermann - und jede Frau

Mit seinen klaren Regeln sei Unterwasserrugby ein Sport für jedermann, sagt Höhe. Und jede Frau, denn im Ligateam der Langenauer spielen auch zwei Frauen mit. Im Unterwasserrugby ganz normal. Eine von ihnen ist Melina Pflüger. "Das liegt bei mir irgendwie in der Familie", sagt sie und lacht. "Mein Vater hat es gespielt, meine Mutter ist Schwimmerin und mich hat es auch recht schnell gepackt." Über Höhe, einen ehemaligen Klassenkameraden, ist sie dazugestoßen. Ihr Bruder Julian spielt, wie sollte es anders sein, auch in der Mannschaft.

"Ich liebe die Intensität des Spiels, dass man manchmal auch über seine Grenzen hinausgehen muss", sagt Pflüger. Angst, hart von Gegnern angegangen zu werden, hat sie nicht. Im Gegenteil. Obwohl sie einschränkt: "Ein bisschen nehmen sich die Männer vielleicht doch zurück. Aber nur ein bisschen." Die 22-Jährige spielt zudem in der Frauen-Bundesliga für Stuttgart. Und Jugendwärtin in Langenau ist sie auch. "Da geht wirklich viel Zeit drauf", sagt sie und lacht.

Ein klassischer Zuschauersport ist Unterwasserrugby indes nicht. "Dadurch, dass wir unter Wasser sind, kann man vom Beckenrand aus natürlich nicht viel sehen", sagt Höhe. Gelegentlich würden Spiele bei Turnieren auf Leinwand übertragen. Zuschauer hätten aber auch die Möglichkeit, das Spiel live unter Wasser anzuschauen. So nah kommt man wohl bei kaum einer anderen Sportart ans Geschehen heran.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am 1. April. Dann steht für den WSC Langenau in Ulm der letzte Spieltag an – und bei günstigem Verlauf der Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Acht Tage zuvor, am 24. März, findet im Hallenbad Langenau der Nixencup des WSC statt.
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Autor: TOBIAS KNAACK | 21.02.2012

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