Umtriebiger Künstler
Region. Karl Höb liebt es, verschiedene Rollen zu verkörpern. So führt er als Nachtwächter Karl-Heinrich und als Stadtmusikant Heinrich durch die Ulmer Altstadt und kommt als schwäbischer Liedermacher "Karle" vorbei.
Karl Höbs Hafen, der feste Punkt in seinem Leben, liegt in Aufheim, wo er seit langem mit seiner Ehefrau Switlana wohnt und wo er gemeinsam mit ihr drei Kinder großgezogen hat. 1977 wurde Höb nach der Geburt des ersten Kindes zum "ersten Hausmann weit und breit" und blieb drei Jahre daheim. Dem Arbeitgeber sei das "hoch suspekt gewesen", schmunzelt er im Rückblick. "Mann zu Hause, Frau beim Geld verdienen - wo gabs denn so was?"
Eigentlich ist der gebürtige Ulmer und Wahl-Aufheimer gar kein besonders häuslicher Typ: Er liebt es, mit Menschen zusammen zu sein, er liebt es, den Dialekt zu pflegen und er liebt es, Musik zu machen. Beruflich bis vor einiger Zeit in der IT-Branche als Lehrlingsausbilder tätig, "poppte und rockte" er in verschiedenen Cover-Bands jahrelang durch die Region. Einfache Schlager oder anspruchsvolle Balladen, Höb spielte, was dem Publikum gefiel: "Ich mag es, wenn die Leute Freude an dem haben, was ich mache", sagt er. Doch die Tanzmusik reichte nicht, da kam dem umtriebigen Schwaben ein Gedanke, der sein ganzes Leben prägt: "Was kann man noch machen?"
Er war Jugendschöffe. Er war Gelegenheitsschauspieler im "Theater in der Westentasche". Doch das Engagement erwies sich als zu zeitaufwendig, auch wenn er sich der "Westentasche" immer noch verbunden fühlt. Den weiteren Weg wies ein Kinderlied, aus Ulmer Reimen für den eigenen Nachwuchs gedichtet: Der "schwäbische Song", das "interaktive Heimatlied" mit den "Ulmer Spatza, Wasserratza" und dem Zungenbrecher "In Ulm, um Ulm. . .", kam beim Publikum so gut an, dass Höb weiter komponierte. Inzwischen sind es rund 40 Lieder, die "Karle" auf Lager hat. Er singt über den "Show-Biz-Bschiss", das "verlogene Voll-Playback" der Superstars - und er spielt das erste "Heavy-Metal-Hand- und Fußschlagzeug der Welt". Das Publikum darf sich dabei prächtig amüsieren, und wenn der eine bissige Reim und die andere satirische Spitze ein paar Denkanstöße geben, dann ist das dem Karle gerade recht.
Zivilcourage, der Respekt vor dem Wissen und den Fähigkeiten anderer und der Mut, "auch mal das eigene Ding zu machen", sind wichtige Themen für Höb, der sich immer wieder überlegt, in die Politik zu gehen und an geeigneter Stelle mal ein paar "glasklare Meinungen" zu äußern. Bislang ist es sein Alter Ego Karl-Heinrich, der Nachtwächter, der mit seinen Liedern und Sprüchen durchaus Aktuelles zu sagen hat. Wie war das mit dem Pranger, der Ganoven im Mittelalter Schimpf und Schande preisgab? Wäre das nichts für den Gammelfleisch-Gewinnler, vor großem Publikum mit der eigenen minderwertigen Ware beworfen zu werden?
"Nachtwächter Karl-Heinrich kann aus Sicht einer mittelalterlichen Person Brücken schlagen ins Jahr 2010", sagt Höb. Karl-Heinrich habe die Möglichkeit, zum Nachdenken zu bringen, ohne weh zu tun. "Und das ist doch eine tolle Sache." Seit November 2007 gibt es die Nachtwächter-Führungen, und obwohl Karl-Heinrich inzwischen eine Kollegin hat, sind die Touren über Monate im Voraus ausgebucht. Das freut Höb, der sich vor drei Jahren nach dem Vorbild Rudolf Dentlers, des "Königs von Ulm", zum "Nachtwächter von Ulm" ernannt hat.
Entspannung findet der "Allein-Unterhalter im besten Sinne" (Höb über Höb) in der Hängematte im heimischen Garten und an einem seiner Instrumente. Er liebt es, Laute zu spielen oder Gitarre und sich dabei selbst zu finden. Sein neuester Schatz ist eine Drehleier. 18 Monate musste er warten, bis das historische Instrument von einem der wenigen darauf spezialisierten Instrumentenbauer in Handarbeit hergestellt worden war. Nun will er es kennen lernen, einen Lehrer hat er schon gefunden.
Und was man aus dem Drehleier-Spielen noch machen könnte, weiß Karl Höb auch schon: Ein Ensemble aus Musikern an historischen Instrumenten wäre sein Traum.
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Autor: CLAUDIA SCHÄFER | 09.09.2010
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Karl Höbs neuester Schatz ist eine Drehleier. Daraus könnte man doch was machen. . . Foto: Claudia Schäfer
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