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Traditionsgasthaus "Kalte Herberge" noch immer kalt

Die Versuche der Gemeinde Blaustein, das Traditionsgasthaus "Kalte Herberge" zu verkaufen, sind gescheitert. Nun führt sie Verhandlungen über eine Verpachtung. Es gibt Interessenten.

Autor: JOACHIM STRIEBEL |
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Zunächst hoffte Bürgermeister Thomas Kayser auf einen Vertragsabschluss im Sommer, dann im Dezember 2012. Nun hat er bekannt gegeben, dass es der Gemeinde nicht gelungen ist, einen Käufer für das Gasthaus "Kalte Herberge" in Klingenstein zu finden. Es gab ernsthafte Interessenten, der Kaufvertrag war vorbereitet, doch zur Unterzeichnung kam es nicht.

Die Idee der Gemeinde war und ist, das an der Bundesstraße 28 stehende Gasthaus zusammen mit einem vom künftigen Wirt neu zu erstellenden Bettenbau zu betreiben. Dieses Konzept werde von den Interessenten, mit denen die Gemeinde im Gespräch ist, begrüßt sagt Kayser. Denn die "Kalte Herberge" selbst bietet nur acht Doppelzimmer. Eine Ausweitung der Übernachtungskapazitäten um 30 bis 40 Betten mache Sinn. Dass es nun nicht zur großen Lösung, nämlich zum Verkauf der "Kalten Herberge" und der Erstellung eines Bettenbaus durch den neuen Eigentümer kommt, hat laut Kayser mit den hohen Investitionen zu tun, zumal im Gasthaus auch Sanierungsarbeiten anstehen. "Große Investitionen sind in der Gastronomie eher mit Risiken behaftet als im Wohnungsbau", sagt der Bürgermeister.

Jetzt verfolgt die Gemeinde Blaustein den "Plan B", die Verpachtung der "Kalten Herberge", verbunden mit der Erstellung eines Bettenbaus durch den Betreiber. Manche Gemeinderäte sind nicht unglücklich, dass die Herberge im Besitz der Gemeinde bleibt. So sei sichergestellt, dass das denkmalgeschützte Gebäude erhalten und auch nicht unter Wert abgegeben werde. Andere Räte dagegen hätten die Verantwortung und die Unterhaltslasten für den Bau lieber abgegeben, denn eine Gaststätte gehöre eigentlich nicht in den Besitz einer Kommune.

Blaustein hatte das Gasthaus, dessen Tradition als Brauwirtschaft bis ins Jahr 1609 zurückreicht, 1983 gekauft und bis 1989 mit einem Aufwand von rund 2,5 Millionen Euro saniert und um einen Saal erweitert. Seit sich die Familie Hafenrichter im Jahr 2009 als Pächterin verabschiedete, um ein 100-Betten-Hotel in Ottobeuren zu übernehmen, ist die "Kalte Herberge" kalt.

"Sie fehlt in Blaustein", sagt Thomas Kayser. Insbesondere werde der große Saal vermisst, der für Hochzeitsfeiern und größere Familienfeste geeignet sei. "Danach wird immer wieder gefragt." Aus Sicht der Gemeinde ist die "Kalte Herberge" ein wichtiger Baustein für die Belebung des alten Klingensteiner Ortskerns. Mit dem Einbau eines Probesaals für den Musikverein im ehemaligen Schulhaus sei schon ein Projekt verwirklicht worden, sagt Kayser. Das zweite ist der Ausbau des bisher in Containern untergebrachten zweigruppigen Kindergartens "Firlefanz" zum viergruppigen Kinderhaus. Die Gemeinde hat vier Architekturbüros mit Studien für den Neubau an der Stelle der ehemaligen Turnhalle beauftragt, der Gemeinderat wird sich demnächst mit den Entwürfen befassen. Am jetzigen Kindergartenstandort soll das Bettenhaus für die "Kalte Herberge" entstehen. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde auch das benachbarte Gelände der ehemaligen Agip-Tankstelle von einer Erbengemeinschaft erworben. Dort könnten Einrichtungen für die Nahversorgung, etwa ein Bäckerladen, entstehen, meint Kayser. Der Klingensteiner Ortskern gehört zum Sanierungsgebiet "Stadelwiesen", in dem es für bestimmte Projekte Landeszuschüsse gibt. Im Falle der "Kalten Herberge" seien nur Zuschüsse für energetische Sanierungen und substanzerhaltende Arbeiten zu erwarten, nicht etwa für die Fassadengestaltung oder für neue Gaststättenmöbel, sagt Kayser.

Im Haushaltsplan 2013 sind nur 3000 Euro für den Unterhalt eingestellt, der vom Werkhof der Gemeinde erledigt wird. "Damit kommen wir nirgendwo hin", meint Josef Oßwald (Freie Wähler). Laut Kämmerer Josef Engel gibt es noch keine Kostenschätzung für Sanierungsarbeiten. Das Geld müsse dann als überplanmäßige Ausgabe vom Gemeinderat genehmigt werden. Wer was bezahlt, muss zwischen der Gemeinde und dem künftigen Pächter vereinbart werden.

Zur Verpachtung der "Kalten Herberge" ist laut Bürgermeister Kayser noch nichts entschieden. Es gibt ernsthafte Interessenten, nach Informationen der SÜDWEST PRESSE sind darunter namhafte Gastronomen. Thomas Kayser geht davon aus, dass es in der "Kalten Herberge" bald wieder warm werden wird. Einen Zeitpunkt könne er aber nicht nennen.

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