Tomerdinger Jugendhaus: "Jeder räumt selber auf"
Tomerdingen. Abschalten, mit Freunden zusammensitzen, quatschen. Zwei junge Frauen sorgen in Tomerdingen dafür, dass es dafür einen Platz gibt. Jenny Herter und Ilona Korner halten das Jugendhaus am Laufen.
"Weils mir hier nicht langweilig ist, und meine Freunde auch kommen."
"Weil hier alle meine Freunde sind."
"Mit den Leuten kannst du schwätzen."
"Weil hier gute Atmosphäre ist. Man hat hier alles: Freunde, Fernsehen. Es macht Spaß zusammenzusitzen."
So begründen Josef, der lieber Joey genannt wird, Ogün, Lucas und Philipp, warum sie so gut wie jeden Abend ins Jugendhaus kommen. Dass es im Dornstadter Teilort Tomerdingen einen solchen Treff gibt, haben die Jungs vor allem Jenny Herter und Ilona Korner zu verdanken. Seit einem Jahr fühlen sich die beiden 19-Jährigen für das kommunale Jugendhaus und das, was dort passiert, verantwortlich. Die selbstgestellte Aufgabe erfüllen die Schlüssel-Inhaberinnen so gut, dass Sozialpädagogin Sophia Wieser, die sich um die Jugendarbeit in Dornstadt kümmert, lobt: "Ich finde, dass es echt gut läuft."
Das finden Ilona und Jenny auch, die selber "fast jeden Tag" ins Jugendhaus am Haldenweg kommen. "Einfach nur so zum Zeitvertreib, sagt Ilona und ergänzt: "Wenn man keine Lust mehr hat auf zu Hause." Der Treff als Ort des Rückzugs aus dem Alltag. Mit bemerkenswert unspektakulärem Programm: Wer will, kann auf der Spielkonsole einen Popstar oder Tenniscrack mimen, manchmal wird Pizza bestellt, mittwochs kommt "Desperate Houswives" im Fernsehen, aber meistens wollen die Besucher "einfach nur zusammensitzen".
Probleme mit Nachbarn sind trotzdem nicht ausgeblieben - wegen zu lauter Musik und wegen der Autos. Doch Jenny und Ilona, die beide eine Berufsausbildung absolvieren, sind überzeugt, dass der schlechte Ruf der früheren Jugendhaus-Mannschaft noch nachwirkt. "Mit den Vorgängern hat es nicht funktioniert", sagt Jenny und fügt entschlossen hinzu: "Aber wir bauen den Ruf wieder auf." Wie, das fasst Ilona knapp zusammen: "Einfach nur anständig verhalten."
Auf einen so simplen Nenner lassen sich auch die Verhaltensregeln im Treff selbst bringen: "Jeder darf alles, was die Hausordnung nicht verbietet", sagt Ilona und macht auf die wichtigste Regel aufmerksam: "Jeder räumt selber auf." Abgesehen davon sei das Reinlichkeitsempfinden ausgeprägter als manch Außenstehender vermutet: "Wir machen gar nicht so viel Dreck." In der Tat wirkt das Jugendhaus ebenso aufgeräumt wie gemütlich. Dazu tragen auch die durchaus vorhandenen Fertigkeiten der jungen Leute mit Farbe und Pinsel bei.
Im Frühjahr wollen sich Jenny, Ilona und die Jungs einer gärtnerischen Herausforderung stellen: Die Außenanlage des vor zehn Jahren errichteten Jugendhauses muss auf Vordermann gebracht werden. Wenn Fasnet und Dauerfrost vorüber sind, soll es losgehen - und anschließend gibts ein Helferfest.
Jugendhäuser, die von den Besuchern weitgehend selbst verwaltet werden, sind oft Treff einer Generation. In Tomerdingen sind die Besucher 16 bis 20 Jahre alt. Irgendwann werden Jenny, Ilona und ihre Altersgenossen keine Lust mehr aufs Jugendhaus haben oder auch keine Zeit - und wer springt dann ein? Es geht also darum, die nächste Generation für das Jugendhaus im Ort zu interessieren. "Damit etwas bleibt", sagt Jugendarbeiterin Sophia Wieser. Mit einem "Kinderkino" will sie mögliche Berührungsängste überwinden. Auf die Mithilfe von Jenny Herter und Ilona Korner kann die Sozialpädagogin zählen.
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Autor: THOMAS STEIBADLER | 07.02.2012
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Jenny Herter (links) und Ilona Korner übernehmen für das Jugendhaus in Tomerdingen Verantwortung. Foto: Matthias Kessler
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