Siegert soll die Kliniken in die Zukunft führen

Kreis Neu-Ulm.  Die Würfel sind gefallen: Der Neu-Ulmer Kreistag hat mit knapper Mehrheit beschlossen, Robert Siegert vom Herzzentrum München zum Nachfolger von Klinik-Stiftungsdirektor Konrad Hunger zu bestellen.

Es wurde lange diskutiert, nach mehr als zwei Stunden stand die Entscheidung fest: Die Mehrheit des Neu-Ulmer Kreistags will, dass Robert Siegert vom Herzzentrum München künftig die drei Kliniken des Landkreises führt. Er soll für Stiftungsdirektor Konrad Hunger nachrücken. Die Entscheidung fiel mit 35 zu 29 Stimmen für Siegert und gegen Michael Gaßner, Direktor der Illertalklinik. Jetzt soll die Kreisverwaltung mit Siegert in Vertragsverhandlungen treten.

SPD und Grüne sprachen sich für Gaßner aus, die CSU stimmte gespalten ab, von den Freien Wählern gab es nur eine Stimme für Gaßner, die übrigen Stimmen gingen an Siegert. Der Münchner soll im 1012 für Stiftungsdirektor Konrad Hunger nachrücken, der seit vielen Jahren für die Kliniken in Neu-Ulm, Weißenhorn und Illertissen verantwortlich ist und in den Ruhestand geht.

Die Personalentscheidung wurde, wie immer in solchen Fällen, nichtöffentlich diskutiert. Teilnehmer der Debatte berichteten anschließend, sie hätten von Anfang an den Eindruck gehabt, dass sich zwei Lager unverrückbar gegenüberstanden und die Sachentscheidung nur noch bedingt eine Rolle gespielt habe. Dieser Eindruck wird dadurch verschärft, dass es nach der Sitzung zwei konträre Meinungen darüber gab, welcher Bewerber das bessere Bild abgegeben habe: die einen sahen Siegert vorn, für die anderen war Gaßner der Mann der Stunde. Diskutiert wurde vor allem um Randpunkte: Würde Siegert seinen Wohnsitz in die Region verlegen, wenn er gewählt würde? Ja, er würde es, versprach der gelernte Diplom-Kaufmann.

In der Debatte wurde von der einen Seite die Position vertreten, dass der neue Chef der drei Kliniken in jedem Fall von außen kommen müsse, unabhängig davon, wie geeignet ein Bewerber aus den eigenen Reihen sei. Und er müsse über viel Erfahrung verfügen, um diesem schwierigen Amt gewachsen zu sein - mehr Erfahrung als der jüngere Gaßner habe. Die andere Seite verwies darauf, dass Gaßner in ihren Augen über die deutlich bessere Ausbildung verfüge und das dreigeteilte Kreisklinikum schon von innen kenne. Er habe die weitreichendere Zukunftsperspektive. Einige befürchten außerdem, Siegert könnte die Position nach einigen Jahren von sich aus aufgeben und sich anderen Aufgaben zuwenden. Er habe in seinem Berufsleben häufig die Stellen gewechselt.

Schließlich gab es eine Sitzungsunterbrechung, bevor zur namentlichen Abstimmung aufgerufen wurde. Die Kreisräte stimmten in alphabetischer Reihenfolge ab. Ein aufwendiges Verfahren, das nur in besonders bedeutenden Fragen angewandt wird. Dass das Ergebnis so knapp ausfiel, war für die Kreisräte hinterher wiederum Grund für Spekulationen. Der Stiftungsdirektor steht an der Nahtstelle zur Politik. Mit so knapper Mehrheit ausgestattet, werde es kein leichter Start für den neuen Stiftungsdirektor werden, sagten einige.

Viele Kreisräte zeigten sich hinterher jedoch erleichtert. Die spannungsgeladene Diskussion um die Nachfolge für den bewährten langjährigen Stiftungsdirektor Konrad Hunger in und zwischen den Fraktionen und die damit verbundenen Auseinandersetzungen hatten offensichtlich stark an den Nerven der Beteiligten gezerrt.

"Es ist gut, dass es jetzt endlich eine demokratische Mehrheitsentscheidung gibt," stellte einer fest, der nicht genannt werden wollte. Schließlich waren die Räte zuvor einmal mehr deutlich ermahnt worden, die Verschwiegenheit über die nichtöffentlichen Sitzung zu wahren.

Siegert ist derzeit Mitglied des dreiköpfigen Direktoriums des Deutschen Herzzentrums München. Er arbeitet dort als Kaufmännischer Direktor. Werden sich Siegert und die Landkreisverwaltung bei den anstehenden Vertragsverhandlungen einig, wird er wahrscheinlich bereits im ersten Halbjahr 2012 die Leitung der drei Neu-Ulmer Kreiskliniken übernehmen, die unter dem Dach der Kreisspitalstiftung zusammengefasst sind. Ein fester Zeitpunkt wurde noch nicht mitgeteilt. Eine offizielle Stellungnahme über die nichtöffentliche Sitzung im Landratsamt gab es nicht.

Landrat Erich Josef Geßner hatte freilich bereits im öffentlichen Teil der Kreistagssitzung, in seiner Weihnachtsansprache, deutlich gemacht, wie wichtig ihm die Zukunft dieser Kliniken ist. Der eingeschlagene Kurs der Spezialisierung auf Schwerpunktdisziplinen und die massiven Investitionen in die drei Häuser seien der richtige Weg, alle drei Kliniken hätten 2010 erstmals mit Jahresüberschüssen abgeschlossen. Sie gehörten damit "zu den wenigen kommunalen Krankenhäusern in Bayern und Deutschland, die ohne Verlustausgleich aus Steuermitteln auskommen".


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Autor: WILLI BÖHMER | 17.12.2011

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