Futter verunreinigt: Bald 12.000 tote Schweine

Region.  Für neun Betriebe hat die Verunreinigung ihres Futters mit Antibiotikum Folgen: 12.000 Schweine müssen getötet werden. Ein Landwirt aus dem Kreis Neu-Ulm kann aufatmen: Seine Tiere sind nicht belastet.

"Für uns ist die ganze Angelegenheit noch einmal glimpflich abgelaufen", sagt der Landwirt aus dem Kreis Neu-Ulm, dessen Schweinemastbetrieb Mitte Januar gesperrt worden war: Inzwischen ist die Sperrung aufgehoben, er darf seine Tiere wieder verkaufen.

Wie berichtet, hatte er - ebenso wie 25 andere Bauern - so genanntes Weißwasser von der Molkerei Ehrmann bezogen. Dabei handelt es sich um ein Molkerei-Abfallprodukt, das Schweinemäster als Futtermittel einsetzen. Allerdings war aufgrund "unsachgemäßer" Entsorgung im Labor von Ehrmann in Oberschönegg im Allgäu das Antibiotikum Chloramphenicol in das Weißwasser gelangt. Das Arzneimittel darf seit 1994 keinen Tieren mehr verabreicht werden, die der Lebensmittelgewinnung dienen.

Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hatte das Breitbandantibiotikum bei der Routinekontrolle eines Betriebes im Allgäu im Urin der Schweine entdeckt und Ehrmann als Verursacher dafür ausgemacht. Daraufhin sperrte die Behörde die 26 Schweinemastbetriebe, die das Flüssigfutter von Ehrmann bezogen haben. Sie durften keine Tiere mehr verkaufen.

Der Betrieb des Landwirts aus dem Kreis Neu-Ulm war fast drei Wochen lang gesperrt: Erst dann hatten die Labore nachgewiesen, dass weder im Urin seiner Schweine, noch im Futter Chloramphenicol war. "Bei den Schweinen war der Nachweis ja sehr früh da, beim Futtermittel hat es aber ziemlich gedauert", berichtet der Bauer. Er sei natürlich wie auf Kohlen gesessen, nicht zuletzt, weil er seine Tiere auch direkt vermarktet - und das drei Wochen nicht tun konnte. Letztendlich aber kam die Entwarnung auch für das Futter. "Für unseren Betrieb ist die Angelegenheit okay gelaufen, der Schaden ist nicht existenzbedrohend." Für neun Betriebe in den Kreisen Günzburg, Dillingen und Unterallgäu, die ebenfalls Weißwasser von Ehrmann gefüttert haben, sieht es dagegen anders aus: Bei ihnen wurde das Antibiotikum sowohl bei den Tieren wie auch im Futter nachgewiesen. Damit darf das Schweinefleisch nicht "dem Lebensmittelkreislauf" zugeführt werden, wie die Regierung von Schwaben mitteilt.

Das heißt: Knapp 12 000 Schweine müssen getötet, ihre Kadaver bei einer Tierkörperbeseitigungsanstalt entsorgt werden. Laut Aussage der Regierung von Schwaben sind inzwischen rund 7000 Tiere getötet worden. Noch immer sind sieben Betriebe gesperrt, weil deren Bestände noch nicht "aufgelöst" sind.

Die Ehrmann-Molkerei - nach eigenen Angaben einer der größten Milchverarbeiter in Deutschland mit 1500 Mitarbeitern und einem Umsatz von 685 Millionen Euro im Jahr 2010 - hat zugesagt, die betroffenen Landwirte zu entschädigen. Schon früh nach Bekanntwerden der Futter-Verunreinigung hatte ein Ehrmann-Sprecher gegenüber unserer Zeitung gesagt, dass das Unternehmen zu seiner Verantwortung stehe. Am Montag bestätigte die Molkerei, dass bereits Schadenersatz bezahlt worden sei. Bis Ende dieser Woche sollen auch die übrigen Landwirte Geld bekommen.

Der Landwirt aus dem Kreis hat für Ehrmann durchaus Lob parat: Gleich nach dem Bekanntwerden der Verunreinigungen habe das Unternehmen sich schriftlich und telefonisch bei ihm gemeldet und sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen. Ähnliches hat er auch von den restlichen betroffenen Schweinemästern gehört, die sich zu einer "Art Interessengemeinschaft" zusammen getan haben.

Ehrmann hat bereits Ende Januar angekündigt, das Antibiotikum Chloramphenicol, das in der Qualitätssicherung der Molkerei eingesetzt wurde, nicht mehr zu verwenden. In die Molkerei-Produkte sei das Arzneimittel nie gelangt, das haben laut Ehrmann zahlreiche unabhängige Labore festgestellt.


Kommentare (1)

22.02.2012 20:47 Uhr |   Marie-Luise Strewe

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Die Degradierung von Tieren zu bloßen Waren kennt offenbar keine Grenzen. Fühlende Lebewesen werden ihrer Freiheit beraubt, unter unwürdigen Bedingungen gemästet, mit Antibiotika vollgepumpt - und wenn's schiefgeht - getötet und wie Abfall entsorgt. Eine Schande!
Schweine sind liebenswürdige, neugierige, intelligente und gesellige Tiere - so man sie lässt. Sie (und alle anderen Tiere) sind keine Lebensmittel, keine Verwertungsmasse sondern Individuen, die um ihrer selbst willen existieren.
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt." (Mahatma Gandhi) Gemessen an diesen Maßstäben ist die vermeintliche Krone der Schöpfung erschreckend unterentwickelt.

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