Schlittschuhlaufen ist auf einigen Seen der Region möglich
Region. Raus mit den Schlittschuhen und rauf auf den See, denken sich angesichts der Kälte derzeit viele Eislauffans. Auf den meisten Seen in der Region trägt die Eisschicht auch. Vorsicht ist trotzdem angebracht.
Markus Bernhard muss zahlen. Seine Mannschaft hat das letzte Spiel verloren, also fummelt er jetzt mit klammen Fingern eine Münze aus der Hosentasche und überreicht sie Friederik Bosilj. "Wir spielen hier um Geld", erklärt der lachend. "Ein Stock, ein Punkt. 50 Cent pro Spiel - Weihergesetze."
Auf dem kleineren der zwei Roggenburger Weiher läuft seit vergangenem Donnerstag die inoffizielle Eisstock-Saison. Früher wurde auf dem großen Weiher gespielt, aber dort ist derzeit das Wasser abgelassen. Also eben auf dem kleinen, der ist dick zugefroren. Zehn Männer treten am Montagnachmittag in zwei Mannschaften gegeneinander an. "Studenten, Rentner und Bauarbeiter, die schlechtes Wetter haben", erklärt einer die ansehnliche Teilnehmerstärke. Verabredet haben sie sich nicht. "Wer kommt, der kommt eben." Und meistens sind sie genug. Eisstockschießen hat Tradition in Roggenburg. Bosilj kommt schon seit 32 Jahren zum Weiher, aber gespielt werde schon viel länger. Am Wochenende hat Bosilj noch für die Altherrenmannschaft des Eissportclubs Weißenhorn beim Bayern-Pokal gespielt. "Aber hier ist es ursprünglicher", sagt er.
Die Männer sind gut ausgerüstet. Sie spielen mit modernen Eisstöcken aus Metall, die auf bunten, austauschbaren Plastiksohlen übers Eis gleiten. "Harte laufen weiter als weiche", erklärt Bernhard. An den Füßen tragen die meisten Männer dicke Stiefel mit Spikes. Damit ihnen auch von innen nicht zu kalt wird, haben sie Thermoskannen mit heißem Tee dabei. Und manche auch mit Schuss. "Hier gibt es keine Doping-Kontrollen", sagt einer.
Am Groggensee in Ehingen können sich Eisläufer sogar in einer Hütte aufwärmen. Abends ist die Natureisbahn mitten in der Stadt beleuchtet, und die Stadt Ehingen stellt sogar Aufsichtspersonal. Seit gestern ist der See offiziell zum Schlittschuhlaufen frei gegeben. "Schon als ich ein kleiner Bub war, sind wir dort Schlittschuh gelaufen", erzählt Heinz Fiesel vom Bauamt der Stadt. Und das sei mittlerweile schon gut 50 Jahre her.
Der Groggensee ist zur Zeit der einzige See in der Region, auf dem man offiziell Eislaufen kann. Alle anderen Gemeinden, in denen es Seen gibt, winken ab: "Zu gefährlich", sagt Wolfgang Wiedmann vom Bauamt der Stadt Erbach. Der Badesee im Donauwinkel sei zwar zum Teil gefroren und einige Schlittschuhläufer seien auch schon gesichtet worden. "Aber der See hat auch Ströme mit warmem Wasser, wir können nicht garantieren, dass die Eisdecke überall ausreichend dick ist", erklärt Wiedmann. Ähnlich die Auskunft aus Dietenheim und Balzheim: Offiziell zum Eislaufen freigegeben werden die Seen dort jedenfalls nicht. Die Gemeinde Balzheim warnt gar: "Wir raten sogar davon ab, da es im See von der Iller her Quellen hat und das Risiko daher zu groß ist."
Auch am Pfuhler See ist Schlittschuhlaufen nur auf eigene Gefahr erlaubt. Ein Schild des städtischen Gartenamtes warnt, dass die Stadt Neu-Ulm die Tragfähigkeit des Eises nicht überprüfe. Aber derzeit ist die Oberfläche komplett zugefroren. Dunkel glänzt der See in der Sonne. "Bestimmt 15 Zentimeter dick", schätzt Uli Sperber, die mit ihren Töchtern Amelie (9 Jahre) und Nina (6) zum Eislaufen gekommen ist. "Am Rand hat jemand Löcher reingehackt", berichtet Amelie. "Da ist das Eis ganz dick." Die beiden Mädchen haben ihre Schulaufgaben heute mit Volldampf erledigt. "Mathe und Deutsch", sagt Amelie. Eine dreiviertel Stunde hätten sie heute gebraucht, sagt ihre Mutter. Sonst könne es auch gerne mal doppelt so lange dauern. Am Pfuhler See ist an diesem Tag nicht so viel Betrieb. Nina und Amelie haben richtig viel Platz, um ihre Runden zu drehen. Rund 30 Kinder sind auf dem Eis - genug Platz für ein konfliktfreies Nebeneinander von Eishockeyspielern und Schlittschuhläufern. "Am Sonntag wars randvoll", sagt Uli Sperber.
In Roggenburg sind fast genausoviele Menschen auf dem Eis. Aber der Weiher ist viel kleiner. Die Bahn der Eisstock-Spieler umfahren die meist jugendlichen Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler weiträumig. Josef Böck ist mit seinen Kindern Jonas (12) und Mona (7) heute zum ersten Mal gekommen. "Das Eis ist ganz dick, aber hier ist ja auch nur wenig Wasser drin", sagt Böck. "Das ist sicher für die Kinder." Fabian Fischer (13) und Niklas Stratmann (12) aus Biberach haben ihre Eishockeyschläger mitgebracht. Heute sind sie die ersten Spieler. "Die anderen kommen später noch", sagen sie. Ob das Eis schon dick genug ist? "Hier schon", sagt Fabian, "aber hinten beim Schilf ist es teilweise dünn. Da kann man schon einbrechen." Vor zwei Jahren sei auch tatsächlich mal einer ins eiskalte Wasser gekracht. "Aber nur mit einem Bein", erinnert sich Fabian.
Thomas Biek ist Technischer Leiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Ulm. Auch er kennt außer dem Ehinger keinen See, auf dem Eislaufen erlaubt ist. Zwar friere ein stehendes Gewässer relativ schnell zu, aber auch Biek warnt vor Leichtsinn. "Garantieren, dass das Eis hält, kann keiner." Allen, die auf eigenes Risiko zum Schlittschuhlaufen gehen, gibt er die "Eisregeln" der DLRG auf den Weg (siehe Infokasten).
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Autor: HELGA MÄCKLE AXEL HABERMEHL | 07.02.2012
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Die Sonne strahlt, das Eis trägt. Am Pfuhler Baggersee ist die Oberfläche komplett zugefroren. Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler haben ihren Spaß. Foto: Matthias Kessler
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