Schlammige Straßen nach heftigem Regen

Bermaringen.  Er fährt mit dem Rad von Kairo nach Kapstadt: Hartmut Bögel aus Blaustein. Rund 12.000 Kilometer wird er bis nach Südafrika auf dem Sattel verbringen. Pünktlich zur Fußball WM will der Blausteiner sein Ziel erreichen. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

7.März

Ich sitze satt, durstig, müde, geschafft und rundum zufrieden vor meinem Zelt, das drohende Gewitter hat sich verzogen und wir können einen prächtigen Sternenhimmel beobachten. Ruben neben mir tauscht seinen Reifen da er es heute auf stolze sechs Platten gebracht hat (absoluter Rekord!). Allesamt verursacht durch diese gemeinen Dornen die es hier überall gibt. Morgen wird er nun pannengeschützt über die Piste brettern- toi toi toi!!!!!

Unser Ruhetag in Marsabit gestern war mal wieder heftig verregnet und die so genannte Straße war eine einzige rote schmierige Soße, die sich an die Reifen und Schuhsohlen pappte... Einige Autos saßen im Matsch fest und selbst die Allradwagen hatten so ihre liebe Mühe mit dem Vorwärtskommen. Radeln wäre da vollkommen unmöglich gewesen, also lassen wir uns hier im katholischen Center von den Schwestern jugendherbergs-mäßig verwöhnen und die sind recht geschäftstüchtig und erhöhen mal eben die Preise, backen Eierkuchen und frittieren Zuckerküchle zum Tee und machen den besten Umsatz des Jahres mit uns und da es wirklich gut schmeckt soll es ja recht sein... Glücklicherweise hört es gegen Mittag auf mit regnen und wir können Wäsche waschen und trocknen und Hoffnung schöpfen dass die Piste abtrocknet.

Tja und so machten wir uns also heute Morgen bei frischem Wind und viel Dunst und Nebel auf den Weg Richtung Isolo. Die dirt road bot heute alle möglichen Facetten... Wellblech, Matsch und Sand, viel Abwechslung war da geboten und vor allem die Schlammstellen waren recht abenteuerlich, da man immer abzurutschen drohte und ich war echt froh, dass ich meine Schutzbleche abmontiert hatte und der Schlamm so sich nicht drunter festkleben konnte.

Von den heftigen Regenfällen im Norden Kenias und den schweren Überschwemmungen bekamen wir insofern etwas mit, dass einige Gegenden unter Wasser standen und auch die Piste zweimal knietief von braunen Wassermassen unterspült war und wir durchwaten mussten. Einer der Trucks blieb darin stecken und es war ein spannendes Unterfangen bis er wieder raus kam. Festgefahren im roten Matsch waren auch zwei junge Spanierinnen die mit ihrem Renault Escape durch Afrika fahren und denen wir immer wieder begegnen und jedes Mal schließen wir Wetten ab, dass sie jetzt bestimmt nicht mehr weiterkommen, aber irgendwie schaffen es die beiden doch- auch dank unserer Hilfe. Einmal haben wir sie raus geschoben, was mir völlig verdreckte Sandalen und Matsch zwischen die Zehen einbrachte und durch das knietiefe Wasser ist einer unserer Fahrer für die Damen erfolgreich gefahren... Mal sehen wer schneller letztlich in Isolo (da fängt wieder der Asphalt an!) ankommt, wir mit den Rädern oder die beiden im Renault...?

Faszinierend sind die lokalen Stammesmenschen (es sind keine Massai wie ich fälschlicherweise behauptete!) denen wir immer mal wieder begegnen. Mit ihren bunten Röcken und Tüchern, mit ihren Federn und all dem Schmuck den sie tragen strahlen sie einfach etwas ganz besonderes auf uns aus und erfreulicherweise sind sie auch recht interessiert an uns. Fotografieren allerdings ist eher schwierig, aber auch da gibt es erfreulicherweise Ausnahmen. Gerald und David überzeugten gar zwei junge Stammesangehörige doch mal auf ihre Fahrräder zu steigen... andere treffen wir an einer großen Wasserstellen, die mit hohen Bäumen umwachsen ist die Schatten spenden. Kamele und Schafe und Rinder und einige Esel tummeln sich um Wasser und Schatten. Einige der Massai baden und waschen sich und lassen sich auch durchs vorbeifahrende Radler nicht weiter stören, warum auch !

Am Nachmittag wird es wieder sehr heiß und die Piste wieder quälend holprig und die Handgelenke schmerzen wieder und ich komme nur mühsam vorwärts... Doch dieser Tag steckte so voller Vielfalt, dass ich es heute besser aushalten kann und spät aber gut ins Camp komme. Dort gibt es dann kalte Cola aus dem Dorf und später dann Spaghetti satt und einen Campwächter vom Ort der uns von den Hyänen erzählt die Schafe und Ziegen reißen und neulich gar ein Kind angefallen hätten und von Giraffen und Zebras die hier zu sehen seien wenn man die Stellen kennen würde wo sie Wasser aufsuchten so wie er... Bewacht wird unser Camp von zwei Einheimischen bewaffnet mit einem langen Speer und mit Pfeil und Bogen... das hat irgendwie Charme!!!





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09.03.2010

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