Sanft über die Grasnarbe: Sensenkurs in Hüttisheim
Mähen mit der Sense verursacht keinen Lärm und ist gut für die Gesundheit. Den richtigen Dreh haben Kursteilnehmer bei Stefan Rommel gelernt. Erfolgserlebnisse auf einer Obstwiese in Hüttisheim.
Autor: AMREI GROSS |Sensenmäher sind Frühaufsteher. "In früheren Zeiten mähten Landwirte zwischen 3 und 4 Uhr morgens", sagt Stefan Rommel, Nebenerwerbslandwirt und Sensenmäh-Profi aus Laupheim. Durch den Tau sei das Gras steif und lasse sich leichter schneiden. Zudem kamen die Landwirte bei ihrer anstrengenden Arbeit in der morgendlichen Kühle nicht so rasch ins Schwitzen. Die Arbeit im Morgengrauen blieb den Teilnehmern des Volskhochschulkurses in Hüttisheim erspart. Kursleiter Rommel hatte seine Schüler für 8 Uhr einbestellt. Zwei Frauen und drei Männer von der örtlichen BUND-Gruppe standen parat, um die uralte Mähtechnik zu erlernen.
Sensenmähen ist im Trend. Seit vielen Jahren bietet das Museumsdorf Kürnbach im Landkreis Biberach solche Kurse an. In der Schweiz, in Österreich und dem deutschen Alpenvorland stoßen Sensenworkshops ebenfalls auf großes Interesse. Nicht ohne Grund: Sensenmähen ist neben der Bewirtschaftung mit Schafen die billigste und umweltschonendste Möglichkeit, Wiesen zu pflegen - und garantiert die gesündeste. "Die schwungvolle Mähbewegung stärkt die Rückenmuskulatur und fördert die Beweglichkeit", weiß Angela Maier, Volkshochschul-Fachbereichsleiterin im südlichen Alb-Donau-Kreis und Organisatorin des Hüttisheimer Kurses. Die meditative Arbeit in der Natur führe zu psychischer Ausgeglichenheit, helfe bei der Entspannung und dem Stressabbau.
Kosten entstehen lediglich für die Anschaffung des Handwerkszeugs, das extrem langlebig ist. Bei guter Pflege hält eine gute Sense länger als ein Menschenleben. Die Grundvoraussetzungen für diese Art der Freizeitbeschäftigung sind überschaubar. "Sie brauchen lediglich ein vernünftiges Werkzeug, die richtige Technik und ein gewisses Training", verspricht Stefan Rommel. Die Technik vermittelt der Sohn eines oberschwäbischen Landwirts seinen Schülern an diesem Tag, das Training müssen sich die Kursteilnehmer in den kommenden Wochen und Monaten selbst verschaffen.
Bleibt die Sense, die man besser nicht im Baumarkt kaufen sollte: "Viele Sensen sind lediglich aus gepresstem Blech", sagt Rommel. Diese seien wenig haltbar und nur schwer zu schärfen. Die Empfehlung des Profis lautet daher folgendermaßen: "Wer mit einer Sense ernsthaft mähen möchte, sollte ein Sensenblatt aus handgeschmiedetem Stahl erwerben." Der Preis: 30 bis 70 Euro für ein Sensenblatt von 65 bis 75 Zentimetern Länge. Die Qualität des Blattes lasse sich leicht überprüfen. "Eine gute Sense klingt wie eine Glocke", verrät Rommel. Billige Blechsensen dagegen schepperten beim Anschlag.
Auch der Kauf des passenden Sensenworben - des Stiels - ist eine Wissenschaft für sich. Möglichst leicht sollte er sein, mannshoch und möglichst gut verstellbar. "Der untere Griff bei aufgestellter Sense auf Höhe des Hüftgelenks, der obere Griff eine ganze Armlänge davon entfernt", empfiehlt Stefan Rommel als Richtmaß. Mit diesen Einstellungen lasse sich rückenschonend und angenehm arbeiten.
Im Stall der Hüttisheimer BUND-Gruppe werden die Sensen auf diese Vorgaben hin geprüft, dann geht es im strömenden Regen nach draußen: Im Neubaugebiet "Stöcklesäcker" wartet eine alte Streuobstwiese der Gemeinde auf die Sensenschüler. Rommel erklärt, worauf es ankommt. "Die Mähbewegung ist ein 180 Grad-Halbkreis um den Mäher." Das Sensenblatt bewegt sich dabei vom rechten zum linken Schuh, der ganze Oberkörper dreht mit. Während der Arbeit steht der Mäher überschulterbreit parallel zur Bahn, das rechte Bein eine halbe Schuhlänge nach vorne versetzt, die Knie leicht gebeugt. "Die Sense gleitet beim Mähen immer sanft über die Grasnarbe", mahnt Rommel. Ein Anheben des Werkzeuges vergeude unnötige Kraft. Und: "Gemäht wird immer hangabwärts."
Nach einigen Trockenübungen wagen sich die Kursteilnehmer ins frische Grün. Schwungvoll schneiden fünf Sensen Seite an Seite durch Gras und Blütenpflanzen, bald stellen sich erste Erfolgserlebnisse ein. "Es hat durchaus etwas Meditatives", stellt Silvia Erdt fest. Und Spaß, da sind sich die Teilnehmer einig, macht es auch. Eine Stunde später führt Stefan Rommel seine Gruppe zurück in den BUND-Stall. Noch ist erst die Hälfte der gut 1200 Quadratmeter großen Wiese fachgerecht gemäht.
Auf dem Programm steht nun eine weitere alte Technik: Das Dengeln. "Wer regelmäßig mit einer Sense arbeiten will, sollte das Dengeln beherrschen", sagt Stefan Rommel. Dabei bekomme das Sensenblatt seine Schärfe, Wetzen allein reiche auf Dauer nicht aus. Unter Anleitung des Experten haben die Teilnehmer auch dabei schnell ihre ersten Erfolgserlebnisse.






