Region: Zwei Männer kämpfen per Facebook für Autobahn-Rettungsgasse

Platz für die Retter lassen und Leben retten - dieser Gedanke steht hinter der neugegründeten Facebook-Seite "Projekt Rettungsgasse". Die Verantwortlichen sind überwältigt von den positiven Reaktionen.

LISA ROTHENBERGER |

Seit gut einer Woche bei Facebook und schon mehr als 20 000 Likes. Heiko Feist und Ralf Zwiebler wollen mit ihrer Facebook-Seite "Projekt Rettungsgasse" auf ein Problem auf deutschen Straßen hinweisen. Laut Straßenverkehrsordnung "müssen Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen in der Mitte der Richtungsfahrbahn, bei Fahrbahnen mit drei Fahrstreifen für eine Richtung zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen, eine freie Gasse bilden." Soweit die Theorie. In der Praxis halten sich allerdings nicht alle Autofahrer in Deutschland an diese Regelung.

Heiko Feist, ehrenamtlicher Motorradstreife-Fahrer des Bayerischen Roten Kreuzes, der eigentlich auf der Nersinger Gemeinde arbeitet, hatte eine Idee, die nun im Internet hohe Wellen schlägt. Es fing damit an, dass Feist zu einem Einsatz auf einer Autobahn gerufen wurde. Allerdings war es sogar für ihn mit seinem Motorrad schwierig, durch den sechs Kilometer langen Stau zum Unfallort zu gelangen. Das Problem: Die im Stau stehenden Autofahrer hielten keine Gasse für die Hilfsfahrzeuge frei. Dies brachte Feist auf die Idee, Aufkleber für sein eigenes und das Auto seiner Partnerin anfertigen zu lassen: "Bei Stau Rettungsgasse frei halten", steht nun auf den Heckscheiben der beiden Autos.

Als Feists Bekannter, der SÜDWEST PRESSE-Fotograf Ralf Zwiebler, zufällig auf diese Aufkleber aufmerksam wurde, gründete er am 12. Februar über Nacht die Facebook-Seite "Projekt Rettungsgasse". Feist war anfangs wenig überzeugt davon und auch Zwiebler ahnte noch nicht, wie viele Menschen darauf reagieren würden. Zuerst empfahlen sie die Seite an Freunde weiter. Dann ging alles "Schlag auf Schlag", wie Feist sagte. Neben den Freunden der Region fand das "Projekt Rettungsgasse" auch schon bundesweit Befürworter. Die Zahl der Anhänger wächst täglich weiter. "Das Schneeballsystem ist hier wirklich Gold wert", betonte Feist. Er und Zwiebler erhalten immer mehr Bestellungen der Autoaufkleber, für die im Moment die Patentbeantragung läuft. Da sich das Projekt langsam zu etwas Großem entwickle, suchen die Gründer nach Sponsoren, um weitere geplante Schritte finanzieren zu können. In Planung sind eigene Flyer und eine Website auf der man bequem die Größe, Farbe und Menge der Autoaufkleber bestimmen und anschließend bestellen kann.

Die Verbreitung der Aufkleber ist vermutlich ebenso wirksam wie das Schneeballsystem auf Facebook, wie die Gründer hoffen: Denn Rettungsgassen können Menschenleben retten. Sie ermöglichen es den Polizei- und Hilfsfahrzeugen rechtzeitig zu einem Unfall zu gelangen. Feist versteht darum nicht, warum Automobilclubs nicht öfter das Problem thematisieren oder warum nicht auch die Regierung sich damit auseinander setzt. "Wenn nicht von oben, dann eben von unten", fügte er hinzu. Vielleicht gelingt es deshalb der neugegründeten Facebook-Seite und den Autoaufklebern, deutschlandweit auf die Bedeutung der freigehalteten Rettungsspur aufmerksam zu machen.

In unserem Nachbarland Österreich funktioniere es schließlich auch. Erstens sei in Österreich die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema viel präsenter als hier in Deutschland, bestätigte Feist. Außerdem droht den Österreichern eine Strafe von bis zu 2180 Euro, wenn keine Rettungsgasse gebildet oder ein Einsatzfahrzeug behindert wird. Laut Feist sei es deshalb verständlich, warum sich unsere Nachbarn an die Verordnungen halten. Bei uns liegt diese Strafe weit unter 100 Euro.

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