Regen vermasselt die Ernte

Dietenheim.  Hitze und Trockenheit im Juli, Regen im August: Das wechselhafte Wetter machte die Ernte in diesem Sommer zu einer Zitterpartie. Die Weizenerträge brachen um durchschnittlich zehn Prozent ein.

"Erst am Donnerstag konnten wir das Weizenstroh von den Feldern holen. Zwei, drei Wochen später als sonst. Ich hätte nicht gedacht, dass wir die 90 Großballen alle auf einmal wegkriegen. Aber wir mussten. Am nächsten Tag war schon wieder Regen gemeldet", erinnert sich Hans Strohmayer an diese letzten Augusttage. Die waren spiegelbildlich für das, was der Landwirt und seine Kollegen im Illertal den ganzen Sommer über erlebten. Das Wetter schlug Kapriolen und ließ ihnen nur kleine Zeitfenster, um Gerste, Raps und Weizen von den Feldern zu ernten.

"Die Wintergerste haben wir Ende Juli gedroschen. Das ging noch ganz gut. Allerdings fehlte den Beständen die Masse, weil es damals so heiß und trocken war", resümiert der Landwirt. Das Getreide war wegen des Wassermangels zu schnell abgereift. Notreife nennen das die Fachleute. Die Gerstenkörner fallen dann deutlich kleiner aus. Der Ertrag geht zurück. Strohmayers ernteten im Schnitt 60 Dezitonnen je Hektar. Ein Jahr zuvor waren es noch 75 Dezitonnen gewesen. Ein Verlust, den der Ortsobmann jedoch "nicht hoch hängen will". Das Illertal, erklärt er, sei noch nie eine Topregion für Wintergerste gewesen. Dazu fehle es den Böden an Humus. Den braucht das Futtergetreide, um viel Ertrag abzuwerfen.

Eklatanter erlebte Strohmayer da schon die Ernte der Triticale- und Weizenbestände. "Die Triticale haben wir vor anderthalb Wochen gedroschen. Drei Wochen zuvor wäre sie reif gewesen", beklagt der Landwirt. Doch damals hätten sie gehofft, dass das Wetter trocken und schön bleibe, und das aus Roggen und Weizen gekreuzte Getreide noch ein wenig ausreifen könne.

Aus dem Wunsch wurde nichts. Es fing an zu regnen und das Futtergetreide lag irgendwann ausgekeimt auf dem Boden. Anstatt der einst kalkulierten 80, fuhr der Mähdrescher gerade mal 45 Dezitonnen von den zwei Hektar ein. "Ausgewachsen und feucht." Um die Triticale später an die 40 Milchkühe Stall verfüttern zu können, musste Strohmayer das Getreide in der Biogasanlage eines Landwirtskollegen trocknen lassen. "Sonst wäre es verfault", sagt er.

So wie der Winterweizen, den Strohmayer und sein Sohn Manfred ausgesät hatten. Backweizen wollten sie davon ernten. Für den gibt es mehr Geld als für Futterweizen. Entsprechend teurer ist das Saatgut und muss das spätere Mehl mehr gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln gegen Pilzkrankheiten behandelt werden. "Wir hatten sogar noch Glück, weil wir den Weizen später ausgesät haben und die Kornreife in die wenigen trockenen Tage im August fiel", räumt der Landwirt ein.

Doch der viele Regen, der dann vom Himmel fiel, führte dazu, dass das Brotgetreide genauso wie zuvor die Triticale zu früh auskeimte und zu verfaulen drohte. Als jetzt, vor wenigen Tagen, das Lohnunternehmen anrückte, um den Weizen zu dreschen, fielen die Erträge daraufhin um einiges niedriger aus. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, wo es im Schnitt 85 Dezitonnen pro Hektar waren, waren es heuer magere 70 Dezitonnen. Aus dem anvisierten Verkauf des Backweizens dürfte deshalb nur bedingt ein Geschäft werden. "Von der geernteten Menge gehen mehr als die Hälfte ins Futter, weil der Weizen ausgewachsen ist", schätzt Strohmayer.

Umso mehr plädiert der Landwirt dafür, die Wertschöpfung wieder mehr auf die Höfe zu holen, und sich weniger mit Höchsterträgen, Warentermingeschäften und für diese Ernte nicht unbedingt rentablen Vorkontrakten zu beschäftigen. Bei Vorkontrakten schließen Landwirte schon vor der Getreideernte Verkaufsverträge ab. Das soll das Risiko mindern und die Kalkulationen der Getreidebauern vereinfachen. Wenn aber wie dieses Jahr der Preis wegen der mageren Erträge steigt, rechnet sich ein Vorkontrakt schnell nicht mehr. "Entwicklungen, die mir grundsätzlich mehr zu schaffen machen, als dieses Erntejahr", sagt Strohmayer. "Klar war das kein einfaches Jahr. Es war durchschnittlich. Aber mit dem müssen wir Landwirte eigentlich zurecht kommen", betont er, "ich lagere das meiste Getreide erst einmal ein. So bestimme ich, wann und an wen ich verkaufe."


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Autor: PETRA AST | 04.09.2010

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