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Projekt in Lonsee: Sexuellen Missbrauch bei Kindern erkennen und verhindern

Die Workshops zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch an Lonseer Kindergärten und Grundschulen werden in diesem Jahr vom Sportverein gesponsert. Auch der Verein setzt auf Prävention und holt sich Anregungen bei einem eigenen Vortrag.

MARKUS FRÖSE | 0 Meinungen

Beim gemeinsamen Sport kommt man sich näher – und manchmal auch zu nahe. „Einerseits gibt es etwa beim Training oft einen notwendigen Körperkontakt“, sagt Gertraud Lurz. Andererseits sei es auch sehr wichtig, sensibel für die Grenzen der anderen Beteiligten zu sein und diese Grenzen auch immer zu respektieren. Die Sozialpädagogin arbeitet seit einigen Jahren daran, Kinder und Eltern in Sachen Missbrauch aufzuklären und zu beraten. Seit fünf Jahren hält die 53-Jährige mit großem Erfolg auch in Lonsee entsprechende Präventionskurse in Kindergärten und Grundschulen ab.

Auf Initiative des Lonseer Sportvereins kommt in diesem Jahr ein Vortragsabend im Vereinsheim der Fußballabteilung hinzu. Dort will Lurz am Dienstag, 7. Mai, ab 20 Uhr rund 90 Minuten lang „Anregungen für einen Handlungsleitfaden geben“. Also Informationen zum Erkennen und zur Vorbeugung von sexuellen Übergriffen, die als Diskussionsbasis für einen noch zu erarbeitenden vereinsinternen Verhaltenskodex dienen können. Im Vortrag dargestellt würden spezielle Situationen, die im Vereinssport vorkommen können. Etwa beim Einzeltraining oder bei einem Notfall in der Dusche. Allgemeine Verhaltensregeln könnten helfen, Trainern oder anderen Verantwortlichen den Ausweg aus einer schwierigen Lage zu zeigen, in die sie ja auch ohne böse Absicht geraten könnten. „Auch im Fall eines Missbrauchs-Verdachts ist ein Leitfaden natürlich hilfreich“, sagt Lurz. Nach dem Motto: Besser vorher nachdenken und Regeln vereinbaren, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die Sozialpädagogin plädiert in jedem Fall für „Klarheit und Offenheit“. Denn sexueller Missbrauch sei im Allgemeinen ein Tabu – und davon profitierten schließlich nur die Täter.

Zustande gekommen sei der geplante Vortrag im Sportheim auf Anregung aus dem Verein, sagt Michael Volk. Der 40-jährige Lonseer ist Vater von vier Kindern im Alter zwischen vier und neun Jahren, Elternbeiratsvorsitzender des Kindergartens „Am Waldesrand“ und der Sonnenbühlschule – und außerdem einer der Leiter der Laufgruppe der Leichtathletikabteilung im SV Lonsee, in dem er sich auch sonst sehr engagiert. Den Erlös des Zumba-Tags 2012 habe der Vereinsvorstand für eine gute Sache verwenden wollen, erzählt Volk. Da sei die Idee aufgekommen, das Geld für die Missbrauchs-Vorbeugungskurse an den Lonseer Kindergärten und Schulen zu verwenden – und als Premiere nun eben auch einen entsprechenden Vortrag mit Bezug zum Sportverein. Erstmals wird in diesem Jahr zudem auch die Lonequellschule im Teilort Urspring und der Kindergarten „Zwergenland“ in Ettlenschieß entsprechende Kurse abhalten. Weil das Zumba-Geld für die Kurse in den vier Kindergärten und zwei Schulen nicht ausgereicht hat, stockte die Sportsvereinsleitung auf, um auf den Gesamtbetrag von rund 1600 Euro für die Workshops zu kommen, sagt Volk.

Zum Präventionsprogramm gehören auch noch zwei Elternabende, erklärt Lurz. Am Dienstag, 9. April, um 19.30 Uhr in der Sonnenbühlschule erklärt sie den Eltern der Lonseer Grundschulkinder eineinhalb Stunden lang, was sie selbst tun können, um ihre Kinder zu schützen, und was diese bei den Workshops lernen werden. Am Mittwoch, 17. April, findet um 19.30 Uhr dann im Feuerwehrhaus Lonsee der Elternabend für die Kindergartenkinder statt. „Kinder ab etwa drei Jahren werden an den Workshops teilnehmen, die Teilnahme ist für alle freiwillig“, sagt die Sozialpädagogin.

Der Workshop in der Grundschule wird in den 2. Klassen abgehalten. Sozusagen zur Auffrischung, denn diese Kinder sind bereits im Kindergarten von Lurz für das Thema sensibilisiert worden. Das Wissen werde natürlich jeweils altersgerecht vermittelt, sagt die Referentin. Zu den Themen, über die gesprochen werde, gehören etwa die Tricks der Tätern, es gehe um das Nein-Sagen, um das Thema Körper und Berührungen, um Abgrenzung sowie um die Wahrnehmung und Benennung von Gefühlen. Und natürlich sollen Kinder auch erfahren, wo sie Hilfe finden können. Vermittelt würden die Informationen und Tipps kindgemäß mit Geschichten, Rollenspielen und mit Büchern.

Die von Eltern und den Beschäftigten der Kindergärten allseits gelobten und als sinnvoll empfundenen Workshops haben inzwischen auch von unerwarteter Seite Unterstützung erhalten: Im Rahmen der Aktion „Mitmachen – Ehrensache“ etwa haben Schüler im Alb-Donau-Kreis Geld erarbeitet, das nun für soziale Projekte gespendet wurde. 600 Euro davon konnten Michael Volk und der Lonseer Bürgermeister Jochen Ogger nun in Empfang nehmen – als Grundstock für die Präventionskurse im kommenden Jahr.

Die Workshops zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch an Lonseer Kindergärten und Grundschulen werden in diesem Jahr vom Sportverein gesponsert. Auch der Verein setzt auf Prävention und holt sich Anregungen bei einem eigenen Vortrag.

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