Ökostrom der Bürger
Dornstadt. Strom kommt aus der Steckdose. Aus welchen Quellen er dort hinein kommt, wollen immer mehr Bürger nicht mehr nur den Energieversorgern überlassen. Energiegenossenschaften werden gegründet.
Mit Energie lässt sich Geld verdienen. Der Konzern Eon zum Beispiel, Deutschlands größter Stromversorger, hat im vergangenen Jahr einen Überschuss von 8,6 Milliarden Euro erzielt. Der von dem in Düsseldorf ansässigen Konzern selbst produzierte Strom stammte aus folgenden Quellen: 38 Prozent aus Erdöl- und Erdgaskraftwerken, 34 Prozent aus Kohlekraftwerken, 15 Prozent aus Atomkraftwerken und 7 Prozent aus Wasserkraftwerken. Nur 5 Prozent stammten aus regenerativen Quellen wie Windkraft und Photovoltaik.
Im Gegensatz zu einem weltweit agierenden Konzern wie Eon setzen lokale Energiegenossenschaften ausschließlich auf Ökostrom. Für die Mitglieder dürfte weniger das Gewinnstreben als der Umweltgedanke im Vordergrund stehen.
Die wahrscheinlich erste Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) im Alb Donau-Kreis ist Ende vergangenen Jahres in Oberstadion gegründet worden. 52 Mitglieder haben bislang insgesamt 705 Anteile zu jeweils 100 bis 5000 Euro gezeichnet. In diesen Tagen soll das erste Projekt in Betrieb gehen, eine Photovoltaikanlage auf dem "Haus der Vereine". Auf dem Feuerwehrhaus ist ein weiteres Solarkraftwerk geplant.
In Illerrieden wurde am 10. Mai eine weitere Energiegenossenschaft gegründet. Die 63 Gründungsmitglieder zeichneten insgesamt 607 Anteile zu je 100 Euro. Das Dach der Schule wurde als passender Standort für eine Photovoltaikanlage ausgemacht. Auch in Staig wird über eine BEG diskutiert, die sich möglicherweise am Solarpark der Firma GP Joule beteiligt. Dieser ist kürzlich auf dem Gelände des ehemaligen Öllagers bei Altheim in Betrieb gegangen. In Schelklingen ist die Gründung einer BEG für den 28. September geplant.
Auch die Gemeinde Dornstadt will eine Bürgerenergiegenossenschaft anschieben. Die erste Informationsveranstaltung solle im Herbst stattfinden, sagt Bürgermeister Rainer Braig. Die Verwaltung werde bis dahin die Möglichkeiten für Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern ausloten. Wenn möglich, solle die Genossenschaft noch in diesem Jahr gegründet werden, "aber es hat keine Eile". Mit dem Aufbau der ersten Photovoltaikanlage der Dornstadter BEG könne im Frühjahr 2011 gerechnet werden. Die Tatsache, dass gemäß dem Erneuerbare Energien Gesetz die garantierten Einspeisevergütungen für Solarstrom weiter sinken, werde die Interessenten nicht abhalten, meint Braig. Schließlich würden die Solarmodule günstiger und damit die Investitionskosten niedriger.
Während die Gemeinde nach Braigs Worten zwar "die Plattform" für die Genossenschaft bietet und Dächer zur Verfügung stellt, sei sie in fachlicher Hinsicht auf Unterstützung angewiesen. Das war und ist in Oberstadion, Illerrieden und Schelklingen nicht anders. Dort sind Berater der Energie Baden-Württemberg (ENBW) eingeschaltet. In dieser Hinsicht geht Dornstadt einen anderen, konsequent genossenschaftlichen Weg. "Die VR-Bank Langenau-Ulmer Alb und der Genossenschaftsverband begleiten diesen Prozess", sagt der Bürgermeister. Für die Zusammenarbeit mit der Bank als örtlichem Partner und dem Verband spreche deren Kompetenz in rechtlicher, wirtschaftlicher und technischer Hinsicht, erläutert Braig. Das habe auch der Gemeinderat so gesehen, der in nichtöffentlicher Sitzung grünes Licht für die Vorbereitung einer Bürgerenergiegenossenschaft in Dornstadt gab.
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Autor: THOMAS STEIBADLER | 30.07.2010
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Auch ein Bürgerprojekt, wenngleich nicht von einer Genossenschaft, sondern von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts finanziert: die Photovoltaikanlage auf der Gemeindehalle in Berghülen. Archivfoto
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