Noch lange nicht am Ende
Laichingen/Blaubeuren. Höhlenforscher und Geologen haben bei einem Symposium die Ergebnisse ihrer Forschungen im Blauhöhlensystem vorgestellt. Fazit: Es wurde schon vieles entdeckt, aber es geht noch weiter.
Wolfgang Ufrecht ist stellvertretender Vorsitzender des Höhlen- und Heimatvereins in Laichingen. Und er ist Geologe mit einem Lehrauftrag an der Uni Tübingen. Sein Anliegen ist, die Höhlenforscher, die mit großem Einsatz die Unterwelt erkunden, und Geologen, die die Schwäbische Alb wissenschaftlich ergründen, zusammenzubringen. Dies ist ihm am Samstag beim Blauhöhlensymposium erneut gelungen. Rund 120 Höhlenfreunde, darunter der Ehrenvorsitzende der Internationalen Union für Höhlenforschung, Hubert Trimmel aus Wien, kamen ins Laichinger "Rössle".
Die im Blauhöhlensystem und benachbarten Höhlen forschenden Vereine stellten mit beeindruckenden Fotos den Stand der jeweiligen Forschungen vor. Zum Beispiel: Die aus erfahrenen Höhlentauchern bestehende "Arge Blautopf" ist im hinteren, lufterfüllten Abschnitt der Blautopfhöhle an einem Endversturz angelangt. Das heißt: Etwa vier Kilometer vom Blautopf entfernt ist in einem großen Gang vor langer Zeit die Decke herabgebrochen, ein Durchkommen gibt es nicht. Wie Jochen Malmann und Andreas Kücha berichteten, haben sie aber einen Seitengang gefunden, der weiter hinein ins Herz der Alb führen könnte. Bei der nächsten Tour steht eine genauere Untersuchung an. Wegen der langen Tauch- und Wegstrecke hat die "Arge Blautopf" längst ein Biwak zum Übernachten eingerichtet.
Dass der hintere Abschnitt der Blautopfhöhle auch für Nicht-Taucher zugänglich werden könnte, zeigten die Bilder von der erfolgreichen Sondierungsbohrung neben der Bundesstraße 28 zwischen Blaubeuren und Seißen. Die Stadt plant den Bau eines Erkundungszugangs.
Das Blauhöhlensystem, das auf einer Länge von 7065 Meter vermessen ist, besteht aus der Blautopfhöhle und der Vetterhöhle, für die der Höhlenverein Blaubeuren (HVB) zuständig ist. Lars Bogh vom HVB berichtete von der Fertigstellung eines zweiten Forschungszugangs am "Knöpfchensinterschacht". Knut Brenndörfer stellte das jüngst installierte Telemetrie-System vor, mit dem aus der Höhle eine SMS auf jedes Handy geschickt werden kann. "Wir können aus der Höhle eine Pizza bestellen." Mit der Lieferung dürfte es allerdings schwierig werden, denn der Zugang ist nach wie vor beschwerlich. Claudio Filomeno erklärte Ergebnisse von Sediment-Untersuchungen: In Sandproben wurden Teile von Schwämmen gefunden.
Auf Nachfrage berichtete Knut Brenndörfer von den Arbeiten des HVB im "Steeb-Schacht" bei Wennenden. Ein 16,5 Meter tiefes Schachtbauwerk in einer ehemaligen Doline wurde von Regenwasser unterspült und wird derzeit in Absprache mit der Stadt Blaubeuren mit einem Betonfundament gesichert. Darunter öffnet sich eine Spalte. "Es geht ziemlich weit nach unten", sagte Brenndörfer.
Auch bei zwei weiteren Projekten, der Hessenhauhöhle bei Berghülen und der Seligengrundhöhle bei Seißen, beide betreut von der "Arge Blaukarst", konnten noch keine Verbindung zum Blauhöhlensystem gefunden werden. Wie Jürgen Bohnert berichtete, hat die Arbeitsgemeinschaft, der mehrere Höhlenvereine angehören, im Seligengrund die erstaunliche Tiefe von 99 Metern erreicht. Unter einer Engstelle hörten die Forscher Wasser rauschen - vielleicht gehts dort horizontal weiter. In der Hessenhauhöhle sind die Forscher in 54 Metern Tiefe auf einen waagerechten Gang gestoßen, der ebenfalls auf eine Fortsetzung hoffen lässt.
Während Bohnert und seine Kollegen viele Daten zu den Luftverhältnissen in der Höhle erheben, ist Matthias Selg vom Landesamt für Geologie dem Wasser im Blautopf-Einzugsgebiet auf der Spur. Das Speichervolumen des Bergs sei riesig, "er ist offenbar vollständig unterkellert". Beim Blauhöhlensymposium wurden auch die Ergebnisse zweier Bohrungen in der Blaubeurer Talschlinge, bei der Schimmelmühle und beim Kindergarten vorgestellt.
Als Eckhardt Hinderer von der "Arge Blautopf" bei der Veranstaltung von unter Wasser liegenden Tropfsteinen, Strudelkolken und Karren, das sind Tropfrinnen am Fels, in der Blautopfhöhle berichtete, flammte ein alter Konflikt wieder auf. Ein vor Jahren von Jochen Hasenmayer dokumentiertes "Bachbett" in der Blautopfhöhle interpretierte Hinderer als Aneinanderreihung von Bodenkolken, wannenartigen Hohlformen.
Blautopf-Pionier Hasenmayer widersprach. Zu den von Hinderer gezeigten Karren sagte Hasenmayer, dass es auch noch welche in viel größerer Tiefe gebe. Er meint, dass das Abflussniveau der Blautopfhöhle einst tiefer lag als die Urdonau und die Höhlen deshalb älter sein müssen als das heutige Landschaftsbild. Ufrecht wollte keine Altersdiskussion führen. Dazu fehlten noch viele Mosaiksteine. "Wir sind noch lange nicht am Ende der Betrachtungen."
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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 30.11.2009
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Nach vier Kilometern ist in der Blautopfhöhle im Moment Schluss. Forscher vermuten aber eine Fortsetzung. Foto: Kücha
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