Mühlenmuseum in Breitinger Schönrainmühle eröffnet
Am Wochenende sind in Breitingen gleich zwei historische Ausstellungen eröffnet worden: Das Museum in der Schönrainmühle und die Ausstellung "Das alte Dorf im Bild" des Lonetal-Vereins.
Autor: SIMON PALAORO |Nein, Mühlenpapst wolle er nicht genannt werden, sagte Professor Albert Haug (85) vom Institut für Technikgeschichte an der Hochschule Ulm, denn er habe sich erst nach seiner aktiven Laufbahn als Hochschullehrer diesem Thema zugewandt. Kenntnisreich schilderte Haug bei der Eröffnung des Museums in der Schönrainmühle die Geschichte und Bedeutung der Mühlen in der Region. "Allein von Lonsee bis Breitingen versorgte die Lone acht Mühlenwerke mit einer durchschnittlichen Leistung von fünf Pferdestärken", sagte Haug und erinnerte an die Bedeutung der Wasserkraft im vorindustriellen Zeitalter. Denn für dieselbe Leistung wären 50 Menschen vonnöten gewesen.
Möglich gemacht haben das Museumsprojekt die Breitinger selbst. Rund 25 Bürger haben im vergangenen Jahr die Interessengemeinschaft Schönrainmühle ins Leben gerufen und dann in enger Zusammenarbeit mit Breitingens Bürgermeister Dieter Mühlberger, dem Verwaltungsverband Langenau und dem Alb-Donau-Kreis das Projekt gestemmt. Hilfreich waren dabei Fördergelder der EU, unverzichtbar jedoch war die Begeisterung, mit der die Interessengemeinschaft zusammen mit der Eigentümerfamilie an die Renovierung der vor rund 30 Jahren stillgelegten Mühle, an die Ausbildung von sieben Mühlenführern und an die Planung des Festwochenendes ging.
"Das bürgerschaftliche Engagement ist hier beispielhaft", sagte Dr. Uwe Schmidt, der Informationstafeln zur Geschichte der Schönrainmühle und des Müllerhandwerks beisteuerte. Und auch Bürgermeister Mühlberger, dessen Name bereits im Vorfeld für den ein oder anderen Wortwitz gesorgt hatte, stricht die Bedeutung der Dorfgemeinschaft heraus: "Ohne die Feuerwehr, die Landfrauen und den Gesangsverein Breitingen hätten wir dieses Fest nie auf die Beine gestellt."
Zur Eröffnung zeigte auch der Gesangsverein sein Können, belauscht von allerhand lokaler Politprominenz. Ein gutes Dutzend Bürgermeister hatten sich eingefunden, der Landtagsabgeordnete Karl Traub war dabei, auch Landrat Heinz Seiffert, dessen Amtskollege aus dem Landkreis Heidenheim, Thomas Reinhardt, sowie der ehemalige Chef des Langenauer Verwaltungsverbands, Theodor Nusser, der die Idee eines Mühlenmuseums Anfang 2011 erst ins Rollen gebracht hatte. "Breitingen und das Lonetal sind heute um eine Attraktion reicher", sagte Landrat Seiffert, dessen Großvater sich sein Brot noch als Müllersknecht verdienen musste. Und das, so Seiffert, sei ein Knochenjob gewesen.
Dementsprechend ging es am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein und vor mehr als 500 Besuchern weniger um die "gute alte Zeit", sondern mehr um den Wandel der dörflichen Arbeitswelt. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg setzte auch hier in der Region ein großes Mühlensterben ein. Die Erinnerung an die hiesige Mühlentradition habe auch einen aktuellen Bezug, erklärte Professor Albert Haug: "Das heutige Fest soll uns auch daran erinnern, mit der uns zur Verfügung stehenden Energie vernünftig umzugehen."







