"Mangelhafte Pläne"

Donaurieden.  Wenig Entlastung für Erbach, problematisch die Trasse: So der Grünen-MdB Winfried Hermann gestern über Variante 3.6 der Erbacher Querspange. Der Verkehrsfachmann sieht die Planung auf wackligen Beinen.

Gestern hatte die Ortsgruppe Ulm der "Arbeitsgemeinschaft der Naturfreunde Baden-Württemberg", und die Bürgerinitiative "Lebenswertes ErbachDonaurieden" zu einer Begehung der Stauseen eingeladen, über die die Variante 3.6 der Querspange Erbach führen soll. Prominenter Gast dabei der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Winfried Hermann, zugleich Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Weiter mit dabei Vertreter der Ortsverwaltung, des BUND und des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

Nur wenige Stunden zuvor hätte Hermann einen seltenen Anblick genießen können, berichtete Roland Maier, Umweltreferent der Ulmer Naturfreunde. Was Hermann verpasst hatte, war ein über den Stauseen kreisender Fischadler. Andere derzeit dort zu bewundernde Gäste seien der Eisvogel, seltene Arten von Wasserläufern und der Silberreiher. "Als Leitstraße für ans Wasser gebundene Vögel hat die Donau nicht nur eine überregionale Bedeutung, sondern ist von europäischem Rang", betonte der Naturschützer. Ein besonderes Refugium für brütende und auf dem Durchzug befindliche Vögel sind dabei die Donaurieder Stauseen.

Hermann fragte nach dem Ende der Stauseen und der Stelle, wo die Umgehungsstraße durchführen soll. "Nicht am Ende, sondern mitten durch dieses hochsensible Gebiet", klärte Maier auf. Bald darauf war die Stelle erreicht, an der die beiden Seen zu einer Wespentaille zusammenlaufen. Ein lang gestrecktes, bis zu acht Meter hohes Brückenbauwerk soll dort die als Kraftfahrstraße geplante Umfahrung Donau und Stauseen überqueren. Maier sieht darin "einen Riegel", der die Natur in zwei Bereiche trennt. Tiere, die die Seite wechseln wollen, seien, sofern das überhaupt möglich ist, erheblichen Gefahren ausgesetzt, zum Beispiel drohten Kollisionen mit Fahrzeugen oder mit dem Bauwerk selbst. Folgen für den Erbacher Teilort nannten Donaurieder Vertreter in der späteren Diskussion: Ortsvorsteher Werner-Josef Ströbele wies auf den in den Ort hinein getragenen Lärm hin, Grundwasser- und der Luftströme würden abgeschnürt. Selbst in dem der Planung zugrunde liegenden Gutachten werde von einem "schlecht durchlüfteten" Klima gesprochen. "Das wird eine fürchterliche Suppe für uns", befürchtet er.

Die Donaurieder BI-Vertreter Tobias Schwetlik und Wilfried Mauz betonten, die Querspange nicht verhindern, sondern Verbesserungen für Donaurieden erreichen zu wollen. Dafür sieht Hermann gute Chancen. Für ihn wirke das Umschwenken des Regierungspräsidiums (RP) Tübingen von der Variante 3.1 auf die 3.6 wie ein Zaubertrick. Seine Erfahrung habe gezeigt, "wenn ein Regierungspräsidium eine Planung nicht will, findet sie auch den Nachweis, warum diese nicht funktioniert". Im Fall der Änderung von 3.1 in 3.6 sei dieser aber nicht schlüssig: "Da muss man blind sein, um nicht zu sehen, dass hier an der sensibelsten Stelle überquert werden soll." Hermann glaubt deshalb, dass die Pläne einer Überprüfung vor Gericht nicht stand halten werden.

Einen weiteren schweren Mangel der Pläne sieht Hermann in der Verkehrsführung, denn die Straße bringe für Erbach zu wenig Entlastung. Ein weiterer Grund, den Donauriedern und den Naturschützern Mut zu machen sieht Hermann im so genannten Bundesverkehrswegeplan. Der sei hoffnungslos überzeichnet. Es gäbe zweieinhalbmal so viele Pläne wie überhaupt finanziert werden könnten. "Eine schlechte Nachricht für die, die auf eine Straße warten und eine gute für die, die Probleme damit haben", sagte der Abgeordnete. Vorteil für die letzteren: "Zeit, Planungsfehler zu beheben." Hermann sicherte zu, beim RP direkt zwei Forderungen zu erheben: einmal Verbesserungen gegenüber dem Naturschutz und für eine Straßenführung, die mehr Entlastung für Erbach bringt. Zeit lasse das "Märchenbuch" Bundesverkehrswegeplan genug. "Und die gilt es zu nutzen", so der Bundespolitiker.


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Autor: FRANZ GLOGGER | 02.09.2010

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