Märchenprinz bei der schönen Lau

Blaubeuren.  Elegant, schön und reich: Ein Prinz hat am Montagabend die schöne Lau am Blautopf besucht. Der 21-Jährige kam wie die Fürstentochter aus Mörikes Märchen nach Blaubeuren, um zu lernen.

Die große schwarze S-Klasse Edel-Limousine von Mercedes hält direkt vor dem Blaubeurer Rathaus. Heraus steigt ein Prinz wie aus 1001 Nacht: Akkurate Frisur, makellose Figur und Gesichtszüge, perfekt sitzender dunkler Anzug ideal kombiniert mit einer jugendlich-frischen Krawatte und Lederschuhen. Gerade mal 21 Jahre alt ist Prinz Badr bin Saud bin Saad al Saud und schon richtet sich eine Fernsehkamera auf den eleganten Mann, Blaubeurens Bürgermeister Jörg Seibold begrüßt ihn im Namen der Stadt.

Ganz klar ist nicht, wo der saudische Prinz in der Thronfolge steht, denn die Herrscherfamilie von Saudi-Arabien ist groß. Klar ist aber, dass er ein bevorzugter Enkel des gegenwärtigen Königs Abdullah bin Abdulaziz al-Saud ist. Er genießt eine erstklassige Erziehung - früher unter anderem in einem Genfer Internat und gegenwärtig auf einer renommierten privaten Universität in New York. Hinzu kommt scheinbar unermesslicher Reichtum. Ein Chauffeur und ein Kamerateam stehen in diesen Tagen immer bereit: Die Familie in Saudi-Arabien möchte am Ende des Deutschland-Aufenthalts einen Film über die Reise des Prinzen erhalten.

Zurückhaltend und mit besten Manieren präsentiert sich der Prinz im altehrwürdigen Blaubeurer Rathaus. Er spart nicht mit Lob für Deutschland, für deutschen Erfindergeist oder Seibolds gutes Englisch. Nach einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt lauscht er aufmerksam den Informationen über Blaubeuren, fragt höflich nach über das Kloster und das Blautopf-Höhlensystem.

"Er studiert International Affairs und Organizational Behaviour", berichtet Dr. Linda Stillman, eine New Yorker Professorin, die in Blaubeuren-Pappelau einen Zweitwohnsitz hat und seit Beginn des Studiums persönlich zuständig ist für die Betreuung und für die Bildungsfortschritte des Prinzen. Sie hat die Bildungsreise bis ins Detail geplant - den Besuch des Schlosses der Hohenzollern, Kennenlernen der Mercedes-Produktion und des Museums in Stuttgart, ausgewählte Begegnungen etwa mit einem hochrangigen Mercedes-Manager oder der Prinzessin Beatrix von Bayern. Auch die Presse soll er hier in Deutschland - weit weg von sensationsgierigen New Yorker Journalisten - kennenlernen.

Alle Pläne scheinen aufzugehen. Der junge Mann erzählt wie aus dem Drehbuch von seinem täglichen Gebet und dem Lesen im Koran, wie sehr er seinen Vater als Vorbild schätzt, kennt sich aus in der saudischen Außenpolitik und unterstützt sie selbstbewusst. Er zeigt Verständnis für die Wünsche der Mehrheit in Ägypten und Tunesien, die sich eine neue Regierung erstritten. In Libyen sei die Lage allerdings anders: "Dort gibt es viele unterschiedliche Volksstämme. Die Gefahr ist groß, dass ein Bürgerkrieg wie im Irak ausbricht, wenn der verrückte Gaddafi abgesetzt wird." Und die Entsendung von Truppen aus Saudi-Arabien nach Bahrain begrüßt er ausdrücklich, damit der dortige König unterstützt wird: "Da wurden einige wenige Schiiten vom Iran aufgewiegelt, um der Regierung zu schaden. Mit den Truppen wird sich die Lage schnell beruhigen." Und eigentlich ist er sowieso der Auffassung, dass seine Religion grundsätzlich die Auflehnung gegen eine Regierung untersagt.

Seinen Alltag genießt der Prinz ganz offenbar, schätzt den Luxus einer der nobelsten und größten Ulmer Hotel-Suiten. Er jagt gerne - unter anderem mit Falken. Grundsätzlich brauche er viel Zeit für sich alleine, erzählt er. Weniger, um zu lesen. Dafür sei er nicht der Typ. Ihm sei es aber sehr wichtig, Kontakte zu Verwandten und Freunden zu halten. Gleich zwei Handys, über die ständig SMS-Nachrichten laufen, hat er griffbereit. Ein anderes Hobby ist der Motorsport. Bei Mercedes-Autos kennt er sich aus: "Da mag ich alle Modelle." Auch sportliche Herausforderungen mit Adrenalinkick sucht er - ob Bungee-Jumping oder Fallschirmspringen. Ein Grund, vielleicht bald schon wieder nach Blaubeuren zu kommen: Eine Entdeckungstour durch die Höhlen oder eine Tauchtour würden ihn reizen. Dann wäre er der Schönen Lau noch näher - und die Rückkehr in die Heimat als Lohn wäre jedenfalls ein schöner Märchen-Schluss.


Kommentare (2)

30.03.2011 13:15 Uhr |   unbekannt

Islam

Uralte orientalische Kleidervorschriften, Essensregeln, Fastenregeln, Verbot des Widerstands gegen die Regierung (was viele Muslime allerdings nicht zu wissen scheinen), scharfes Strafrecht .... Alles ziemlich weltliche Dinge, scheint mir. Was sind eigentlich die spirituellen Vorstellungen, Erkenntnisse, Weisheiten dieser sogenannten Religion ?

Und überhaupt: Ich habe es satt, dass man mir ständig mit dem Islam in den Ohren liegt. Wenn die Muslime mal von ihrem Koran aufschauen und sich in der Welt umblicken würden, dann würden sie feststellen, dass wir hier und der Rest der Welt bisher auch ohne Islam zurecht gekommen sind. Nicht dass bei uns oder anderswo alles perfekt ist, aber die islamischen Länder sind auch nicht gerade ein Vorbild für eine funktionierende Gesellschaft.
30.03.2011 09:30 Uhr |   Geminga

Märchenprinz?

Wenn man Ihren Bericht so liest, fragt man sich doch, woher Ihre Begeisterung für Adel und Monarchie kommt. Vielleicht wünschen Sie sich auch wieder einen König für Deutschland? Womöglich einen unermesslich reichen (woher das Geld wohl käme), der Widerstand per Religion verbietet?
Gerade in Zeiten des arabischen Umbruches ist Ihr Artikel, gelinde gesagt fehl am Platze und geschmacklos. Reißen Sie sich zusammen! Ähnliches könnte man den Lokalpolitikern empfehlen.

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Autor: THOMAS SPANHEL | 30.03.2011

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