Luxus im südafrikanischen 5-Sterne-Hotel

Bermaringen.  Auf seinem Rad hat Hartmut Bögel aus Blaustein bisher rund 12.000 Kilometer von Kairo nach Kapstadt zurückgelegt. Pünktlich zum ersten WM-Spiel der deutschen Nationalelf möchte er in Durban sein. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

27.Mai Knysna

Gestern nun erreichte ich mit George die größte Stadt entlang der "Garden Route"; zugleich auch die Stadt, die das japanische Fußballteam samt Anhang während der Weltmeisterschaft beherbergen wird. Und so weht dort nicht nur überall die südafrikanische, sondern auch munter die japanische Flagge. Es ist ein angenehmes Radeln, ich lasse mir Zeit, das Wetter ist mir wohlgesonnen, ich lasse mich zum Cappuccino einladen und komme irgendwie doch gut vorwärts. Auf der Straße begegnen mir hier immer wieder VW Käfer in allen Farben und vor allem viele VW Golfs der ersten Baureihe, die wurden hier noch bis vor 2 Jahren recht erfolgreich zusammengebaut.

Eher zum Verhängnis wird mir hier die unglaubliche Supermarktdichte: "Pig n`Pay", "Checkers", "Superspar", "Shopritte", "7Eleven", um mal die Häufigsten zu nennen, sind hier allgegenwärtig anzutreffen und locken mich verführerisch zum Einkaufen und Pause machen. Und – ich versteh es ja auch nicht – irgendwie habe ich IMMER Hunger und finde so IMMER ein Argument der Versuchung nachzugeben. Absoluter Schwerpunkt meiner Ernährung ist die gute Cadbury Schokolade (Vollmilch und Nuss), die ich aufs Baguette lege und recht hingebungsvoll vertilge. Und um den Zuckerhaushalt wirklich aufrechtzuerhalten, gibt es ne kalte Cola dazu. Auch löffle ich gerne und viel Cornflakes in meinen Magen und das wohl hauptsächlich deshalb, weil ich ständig Japs nach Vollmilch habe (was ich im normalen Leben nun nicht gerade behaupten kann). Da ich mich ja sehr bewusst ernähre und auf ausreichend Vitaminzufuhr achte, nehme ich jede Menge Mandarinen, Äpfel, Orangen und Grapefruits zu mir, denn die gibt es in Hülle und Fülle, da jetzt Saison ist für die Zitrusfrüchte vor allem.

Wie gut dass ich so oft von meinen Gastgebern bekocht werde; denn dies bringt dann alles irgendwie wieder einigermaßen ins gesunde Gleichgewicht – also ein Hoch an Yvonne, Mary, Elizabeth und Ria. Dies sind die guten Seelen, die mir die letzten Tage zu einem vorzüglichen und ausgewogenen Abendessen verholfen haben. Also wenn ich nicht radeln würde, wäre ich bestimmt schon kugelrund, wie leider viel zu viele Menschen hier in Südafrika, und das liegt bestimmt an den vielen Fast Food-Ketten, die noch häufiger anzutreffen sind als Supermärkte.

Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist der perfekte Service. Hier menschelt es einfach noch in der Form, dass man beim Tanken noch die Scheiben gewaschen bekommt und einem das Füllen des leeren Benzintanks abgenommen wird (zugegebenerweise komme ich mit dem Fahrrad nicht in diesen Genuss). Auch das Parkticket bezahlt man beim Parkwächter und nicht an einem Apparat. Im Supermarkt packt eine freundliche junge Dame alles in die mitgebrachte oder gekaufte Tasche, das Obst wird einem selbstverständlich auch gewogen und eingetütet. Und im Cafe wird man prompt und freundlichst bedient. Überall steht Securitypersonal herum, sodass ich mir um mein Fahrrad keine Sorgen machen muss, während ich shoppen gehe. Überhaupt ist das Thema Sicherheit allgegenwärtig, sei es nun in der Zeitung, in den Gesprächen oder einfach mit bloßem Auge erkennbar, da alle Grundstücke bewacht sind und über eindrucksvolle Zäune und Tore verfügen...

Es hat den Sommer hier recht wenig geregnet und die Bevölkerung ist zum Wasser sparen aufgerufen. Die Felder ringsherum sind ziemlich ausgedörrt; wachsen kann nur etwas, wenn mit riesigen Bewässerungsanlagen nachgeholfen wird. Meine Route führte mich durch ausgedehntes Farmland und ich begegnete zahlreichen imposanten Kuh- und Rinderherden und viel Federvieh auf den Straußenfarmen. Dort wird, wie man mir erzählte, demonstriert, dass man auf einem Straußenei stehen kann und es gibt sogar Straußreiten-Wettrennen. Naja riesig sind die Vögel ja allemal.

Nun habe ich den Faden verloren; ich wollte ja erzählen, dass ich in George Station gemacht habe, weil ich von den Eltern von Jethro (er wurde Zweiter bei den Racern) eingeladen wurde, sie doch auf dem Weg zu besuchen. Mary und Geerd sind auch den Abschnitt Tanzania-Malawi mitgeradelt und so war es ein herzliches Wiedersehen mit den beiden. Geerd nahm mich am Stadteingang mit seinem Fahrrad in Empfang und radelte mit mir zusammen zu ihrem beachtlichen Grundstück, wunderschön am Fuße der Berge hier gelegen. Mary kümmerte sich nicht nur um mein leibliches Wohlergehen, sondern wusch auch noch gleich meine ganze Wäsche und wir verbrachten einen schönen Abend zusammen – Danke, Geerd und Mary, für all eure guten Dienste!

So gestärkt und mit frischer Wäsche radelte ich also nun heute auf der alten "Seven Passes Road" von George nach Knysna und dies war landschaftlich einfach ein Leckerbissen. Es ging durch dichte Wälder und tiefe Täler; meist auf guten Off-Road-Straßen und völlig einsam und ohne jeglichen Verkehr in einem ständigen Hoch und Runter und mit viel Vogelgezwitscher durch die friedliche Natur. Endlich kamen mal meine kleinsten Gänge der Rohloff-Nabenschaltung ihrer Bestimmung nach und halfen mir mein schweres Gefährt auch die steilsten Buckel hochzubringen. Die serpentinenreichen Abfahrten dagegen erforderten doch gute Nerven und viel Fingerspitzengefühl beim Bremsen, da gerade die Kurven oft ausgewaschen und voller feinem Sand waren. Mein Hinterradmantel ist inzwischen doch ziemlich abgefahren und meine hintere Bremse schwächelt ja nach wie vor etwas. Aber wir haben das doch gut und mit Bravour hingekriegt und ich hatte einen echt schönen Radeltag.

Tja, und nun bin ich hier in Knysna und dort machen nicht nur die Franzosen und die Dänen während und vor der WM Rast, sondern hier ist auch das Hotel, für das ich die Einladung vor zwei Tagen auf so wundersame Weise bekommen habe. Und, hey, ich bin wie ein Prinz in einer eigenen Suite im 5-Sterne-St. James-Hotel. Ein wunderschönes Zimmer mit einem noch prächtigeren Bad und einem herrlichen Pool vor der Tür und mit frischem Obst auf dem Tisch und Gebäck und Tee und Abendessen und Getränke aufs Haus und Frühstück morgen früh und alles garniert mit einer herrlichen Aussicht über die Lagune. Platz ist hier im Übrigen mehr als genug. Wer mich besuchen kommen möchte, bitte, sehr gerne: www.stjames.co.za Ich staune nur und sage von Herzen Danke an Derek und Trish Goldby, das ist echt sowas von mega nett und schier unglaublich und freundlich und genial und umwerfend schön alles; ach ja, die Engel!!

Morgen geht es dann weiter entlang der Garden Route, immer der Küste entlang, immer an den Stränden und Buchten des indischen Ozeans, wo im afrikanischen Sommer Trubel herrscht und wo es nun recht beschaulich und ruhig ist.
Und das Schönste kommt wie immer am Schluss: ein bunter Geburtstagsgruß und lauter gute Wünsche an die Klara in Scharenstetten; hey, da wird es heute herrliche Kuchen geben...

PS: Ich komme gerade vom Abendessen zurück und muss euch nun einfach berichten, was es da gab: gegrillten Fisch auf diversem Gemüse gebettet, mit Reis umgarnt und mit Rotwein serviert, frischen Blattsalat mit Cocktailtomaten und Paprikastreifen und feinstem Feta, garniert mit Kresse und Gänseblümchen und zum Nachtisch ein selbstgemachtes himmlisch feines Eis mit Schokoladensauce und Passionsfrucht... Das war echt eine Wucht, sowas von lecker und fein und ich hatte drei Messer und drei Gabeln, zwei Löffel und drei Gläser für all das zur Verfügung... Hab aber von allem nur eines gebraucht... So macht man sich Freunde beim Spülpersonal... (alter Trick!)


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Autor: Hartmut Bögel | 28.05.2010

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