Gang an die Öffentlichkeit

Laichingen.  Der Pavillonbau im Kirchgarten spaltet die Gemeinde. Mangelnde Informationspolitik wird den Verantwortlichen der Kirche vorgeworfen. Vorgestern gingen diese in die Offensive und haben informiert.

"Was spricht eigentlich gegen den Bau?", wollte der für die Planung des Pavillons im Kirchgarten zuständige Architekt Michael Keller wissen. Der Infoabend, den die evangelische Kirchengemeinde Sankt Alban am Mittwoch im Gemeindehaus veranstaltet hat, war zu diesem Zeitpunkt bereits fortgeschritten. Ausführlich hatten Pfarrer Karl-Hermann Gruhler, Pfarrer Albrecht Lächele, die Kirchengemeinderäte Conny Zeifang und Karl-Heinz Mangold sowie Architekt Michael Keller aus Süßen informiert und sich den Fragen des diskussionsfreudigen Publikums gestellt. Auf die Frage des Architekten hin kam keine Antwort von den Zuhörern. Seine Vermutung, die Kritik gelte wohl nicht dem Pavillon, sondern den Kirchenverantwortlichen, schien damit bestätigt. Die Transparenz, die diese an diesem Abend zeigten, hätten sich viele wohl schon vorher gewünscht.

Wenn man den geplanten Bau rein sachlich betrachtet, wie Pfarrer Lächele forderte, spricht wenig dagegen: Der Pavillon soll Architekt Keller zufolge den Raum der Kirchenburg schließen. "Schon immer wurde eine Burg entlang von Mauern gebaut. In der Mitte entstand dann ein Platz." Auch im Fall der Laichinger Kirchenburg entstünde so ein Platz. Vier Bäume müssten gefällt werden, die Wege blieben erhalten. Der übergeordnete Baukörper des Pavillons soll zum Garten hinzeigen. In ihm ist ein Saal geplant. "Er soll zurückhaltend wirken", erklärte Keller. Im Modell ist zu sehen, dass er fast nur aus Glas besteht. Wegen der flexiblen Trennwände könnten ihn auch kleinere Gruppen nützen. In den Untergrund werde nur ganz vorsichtig eingegriffen. Für den zweiten - den untergeordneten, niedrigeren - Baukörper hat der Architekt Toiletten, Lagerraum und Küche vorgesehen.

Vielleicht könnte sich der ein oder andere mit dem Pavillon arrangieren, wenn der Standort ein anderer wäre. An eben diesem rieben sich einige Gemüter am Mittwochabend. Es wurde angemahnt, dass der Pavillon auf einem alten Friedhof gebaut würde. Pfarrer Hermann Gruhler entgegnete: "Seit 1873 ist das keine Begräbnisstätte mehr. Es geht darum, würdevoll mit den Vorfahren umzugehen, aber ist es unwürdig, wenn an derselben Stelle irgendwann Leben Platz hat?" Sogar der Oberkirchenrat habe den Ort als längst faktisch entwidmet bezeichnet. Und: "Die Stelle ist nicht unbedingt unser Schmuckstück." Es halte sich kaum jemand in der Ecke des Gartens auf - außer Jugendliche, die Dinge beschädigten.

Volker Hausen wandte ein, dass ein Ort der Stille zerstört würde. Gruhler: "Die Stille ist mir im Moment zu groß." Pfarrer Gruhler will den Garten "wieder erlebbar" machen. Er denkt an Gemeindemittagessen, Chorproben, Feste, Familiengottesdienste, an eine Bücherstube, an Abendgottesdienste im Winter und mehr. Seine Zusicherung: "Den Raum der Stille werden wir nicht zerstören, indem wir ihn öffnen."

Gabriele Reulen-Surek befürchtete, dass große Baufahrzeuge bei ihrem Weg zur Baustelle die Kirchenburg in Mitleidenschaft ziehen könnten. Architekt Keller entkräftete: "Der Pavillon besteht aus Fertigteilen, die ein Kran in den Garten hineinhebt und dort zusammen baut." Es werde nichts von der bestehenden Bausubstanz weg genommen. "Wenn in 30 Jahren der Pavillon nicht mehr gebraucht wird, kann man ihn wieder herausnehmen."

Aus Sicht der Verantwortlichen ist der gewählte Standort der zweitbeste. Der Saal ist nah bei der Kirche. Noch besser wäre der Platz direkt daneben - westlich - gewesen (siehe Foto). Das Landesdenkmalamt erteilte aber eine Absage. Auch über andere Standorte habe man nachgedacht, etwa über den Garten des Pfarrhauses. Der wurde als zu klein und zu weit weg von der Kirche empfunden. Ebenfalls zu weit weg: die Pfarrbauerscheune. Die hätte die Kirche zudem erst kaufen müssen und mit Problemen von Seiten des Denkmalschutzes rechnen müssen, denn dort steht die älteste Mauer Laichingens.

Die große Hoffnung war das Duckek-Gelände, auf dem momentan noch eine leere Schlosserwerkstatt steht. Wegen eines Kaufs hätten Gespräche mit dem Oberkirchenrat stattgefunden. Doch der untersagt den Zukauf neuer Grundstücke und Gebäude. Da habe man sich überlegt, das Gemeindehaus zu verkaufen, um mit dem Geld einen größeren Pavillon auf dem Duckek-Gelände zu bauen. Gruhler: "Aber das Haus ist zu gut in Schuss."

Das Duckek-Gelände ließ einigen Zuhörern dennoch keine Ruhe. Man möge nochmal mit dem Oberkirchenrat sprechen, wurde gefordert. Gert Stuhlinger schlug vor, den Rohbau der Schlossereiwerkstatt zu nützen. Der Architekt erklärte aber, eine energetische Sanierung sei teurer als ein Neubau. Werner Ott fragte: "Ist schon mal nach einem Bauträger für das Areal gesucht worden?" "Wenn jemand da ist, der sagt, wir können, wollen und werden das Gelände erwerben und der Kirche zur Verfügung stellen, können wir darüber nachdenken", antwortete.

Oftmals wurde während der zweieinhalb Stunden der Riss angesprochen, der derzeit durch die Gemeinde geht. Gabriele Reulen-Surek kennt viele, die aus der Kirche austreten wollen oder bereits ausgetreten sind. "Ist der Pavillon es Wert, dass dieser Riss weiter wächst?" Kirchengemeinderat Karl-Heinz Mangold offenbarte seine Meinung: "Es gibt auch einen Riss zwischen denen, die am Gemeindeleben teilhaben und denen, die das schon lange nicht mehr tun, weil sie sich irgendwann verabschiedet haben. Dieser Riss ist viel bedenklicher." Viele Menschen erreiche die Kirche mit ihrer Gemeindearbeit nicht mehr. Gruhler: "Um die geht es, die wollen wir wieder zurück gewinnen." Auch mit dem Pavillon.


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Autor: ISABELLA HAFNER | 10.02.2012

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