Riss durch St. Alban soll gekittet werden
Laichingen. Der geplante Bau eines Pavillons spaltet die evangelische Kirchengemeinde in Laichingen. Die Verantwortlichen informierten jetzt über das Projekt. Es gehe auch darum, die Kirche wieder attraktiver zu machen.
"Was spricht eigentlich gegen den Bau?" Als Architekt Michael Keller diese Frage stellte, war der Informationsabend der evangelischen Kirchengemeinde St. Alban in Laichingen bereits weit fortgeschritten. Ausführlich hatten Pfarrer Karl-Hermann Gruhler, Pfarrer Albrecht Lächele, die Kirchengemeinderäte Conny Zeifang und Karl-Heinz Mangold sowie der Architekt selbst über den im Kirchgarten geplanten, umstrittenen Pavillon gesprochen. Eine Antwort erhielt Keller nicht. Seine Vermutung, die Kritik gelte wohl weniger dem Gebäude als vielmehr den Verantwortlichen der Kirchengemeinde, schien damit bestätigt.
Während der zweieinhalb Stunden am Mittwochabend im Gemeindehaus wurde immer wieder über den Riss gesprochen, der durch die evangelische Gemeinde verlaufe. Nach den Worten von Gabriele Reulen-Surek von der Pavillon-kritischen Initiative "Rettet St. Alban" sind viele aus der Kirche ausgetreten oder wollen austreten: "Ist es der Pavillon wert, dass dieser Riss weiter wächst?" Kirchengemeinderat Karl-Heinz Mangold hielt dagegen: "Es gibt auch einen Riss zwischen denen, die am Gemeindeleben teilhaben und denen, die das schon lange nicht mehr tun, weil sie sich irgendwann verabschiedet haben. Dieser Riss ist viel bedenklicher." Viele Menschen erreiche die Kirche mit ihrer Gemeindearbeit nicht mehr. Pfarrer Karl-Hermann Gruhler: "Um die geht es, die wollen wir wieder zurückgewinnen." Dazu trägt nach Ansicht der Befürworter der Pavillon als Treff für Senioren- und Jugendgruppen sowie als Veranstaltungsort bei.
Obwohl das Vorhaben, das etwa 800 000 Euro kosten soll, heftig umstritten ist, hat die Kirchengemeinde bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt. Darüber wurde im Bauausschuss vor gut zwei Wochen zwar diskutiert, aber nicht entschieden. Die Angelegenheit wurde ins Gemeinderatsplenum verwiesen.
Mit dem jetzigen Informationsabend gingen die Verantwortlichen der Kirchengemeinde in die Transparenz-Offensive. Architekt Keller erläuterte ausführlich, warum der Pavillon seiner Meinung nach in die mittelalterliche Kirchenburg passe. "Er soll zurückhaltend wirken", sagte Keller über den mit großen Fensterflächen geplanten Flachdachbau.
Allerdings erregt auch der vorgesehene Standort einige Gemüter, denn dort befand sich früher ein Friedhof. Pfarrer Hermann Gruhler entgegnete: "Seit 1873 ist das keine Begräbnisstätte mehr. Es geht darum, würdevoll mit den Vorfahren umzugehen, aber ist es unwürdig, wenn an derselben Stelle irgendwann Leben Platz hat?" Der Oberkirchenrat habe den Ort als längst faktisch entwidmet bezeichnet. Und: "Die Stelle ist nicht unbedingt unser Schmuckstück." Den Einwand, ein Ort der Stille würde zerstört, konterte Gruhler so: "Die Stille ist mir im Moment zu groß." Wie im Pavillon könnten auch im Kirchgarten Gemeindemittagessen, Chorproben, Feste, auch Gottesdienste stattfinden. Gruhler betonte: "Den Raum der Stille werden wir nicht zerstören, indem wir ihn öffnen."
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Autor: ISABELLA HAFNER | 10.02.2012
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Die Laichinger Kirchenburg im Modell: Rechts ist der in der Kirchengemeinde umstrittene Pavillon zu sehen. Privatfoto
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