Keine Motorräder im Steinbruch

Laichingen.  Der Bauausschuss des Laichinger Gemeinderats hat am Mittwochabend eine Bauvoranfrage für eine Motorradschule im früheren Steinbruch Füllemann abgelehnt. Aus rechtlichen Gründen.

Leicht wollte es sich der Bauausschuss der Stadt Laichingen nicht machen, nachdem der Verwaltung eine Bauvoranfrage für eine Motorradschule ins Haus geflattert war, die Udo Clauss samt Partner im ehemaligen Steinbruch Füllemann aufbauen wollten. Bei Minusgraden machte er sich am Mittwoch auf, um vor Ort zu besichtigen, welche Pläne Clauss umsetzen wollte. Nach der Beratung im Alten Rathaus wurde die Voranfrage mit drei Nein-Stimmen bei neun Enthaltungen abgelehnt, weil rechtliche Gründe gegen das Vorhaben sprachen. Weil das Gremium den Schritt, diese rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, nicht gehen wollte. Sollte die Bauvoranfrage auch vom Landratsamt abgelehnt werden, will Clauss seine Pläne endgültig begraben.

Fünf Motorräder, von kleinen Kindermaschinen bis zur 125-Klasse, hatte Clauss im früheren Steinbruch am Stadtrand in Richtung Feldstetten aufgereiht - mit solchen Vier-Taktern wollten er und sein Partner Kindern und Jugendlichen erste Schritte mit dem Motorrad ermöglichen. Dass dort auch Rennen veranstaltet würden, wies er aber von sich. Dies sei keineasfalls geplant, versicherte er den gemeinderäten. Im Gegenteil, die Motorradschule werde sicher nicht im Vordergrund stehen. "Der größere Teil wird sicher das Fahren mit Mountainbikes sein", erklärte Clauss bei der Ortsbesichtigung. Er schloss eine Lärmbelästigung der Bewohner der Wohngebiete "Vor Westerlau" und "Hagsbucher Steig" so gut wie aus. "Aber halt nur fast", bedauerte Gemeinderätin Ute Kehm (BWV). Clauss verwies zwar darauf, dass das Landratsamt ein Lärmgutachten einfordern würde und die entsprechenden Werte natürlich eingehalten würden, doch auch dies beruhigte die Gemeinderätin nicht: "Messwerte sind relativ", sagte sie bei der Beratung im Alten Rathaus.

So sehr einige Stadträte auch den Gedanken befürworteten, Kindern und Jugendlichen in Laichingen "eine sinnvolle und kostengünstige Freizeitbeschäftigung" (Clauss) anzubieten, so schwer taten sie sich, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Denn laut Bauamtsleiter Günter Hascher sprachen vor allem drei gründe gegen das Projekt: Im Flächennutzungsplan (FNP) der Stadt ist der Steinbruch als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen, eine Nutzungsänderung deshalb nur durch eine Änderung des FNP möglich. Zum zweiten liegt der Steinbruch in einem Landschafts- und Wasserschutzgebiet. Und drittens befinden sich am Rande des Steinbruchs amtlich kartierte Biotope.

Franz Heim (Igel) fühlte sich deshalb hin- und hergerissen. Er nannte das Anliegen "beachtenswert" und konnte das Schreiben von rund 60 Anliegern, die sich vehement gegen das Vorhaben ausgesprochen haben, "nicht nachvollziehen". Heim: "Der Ton hat mich erstaunt." Auch Sigrun Seiboth-Mack (Igel) gestand angesichts der Rechtslage und des Vorhabens: "Ich tu mich schwer. Das Gelände ist ein Paradies für Jugendliche." Bürgermeister Friedhelm Werner sah zwar die rechtlichen Zwänge, andererseits wusste er auch: "Es gibt immer Wege Wenn man wenig Ärger haben wolle, könne man sich auf das rechtliche zurückziehen und die Voranfrage ablehnen. "Wenn wir einen steinigen weg gehen wollen, ändern wir den Flächennutzungsplan und stellen anschließend einen Bebauungsplan auf." Dafür plädierte Martin Grötzingen (BWV): Wir sollten den Flächennutzungsplan ändern, dann kann man sauber das Für und Wider gegenüberstellen." Zwar fand auch Alexander Stuhlinger (LAB) das "Gelände ideal für Mountainbikes", letztendlich fand sich aber kein Stadtrat bereit, das Vorhaben aktiv zu unterstützen. Es wurde bei neun Enthaltungen mit drei Nein-Stimmen abgelehnt.


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Autor: PETER SCHUMANN | 10.02.2012

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