Kühlhaus-Betreiber droht Haft

Memmingen/Illertissen.  Von Dienstag an steht der Ex-Chef des Kühlhauses Kollmer in Illertissen vor dem Landgericht Memmingen. Das Unternehmen soll Schlachtabfälle als Lebensmittel verkauft haben. In ganz großem Stil, wie es heißt.

15 Jahre Haft. Diese Strafe könnte dem Angeklagten nach Angaben von Manfred Mürbe im Falle einer Verurteilung drohen. Mürbe ist Pressesprecher am Landgericht Memmingen. Vor der dortigen Ersten Strafkammer findet von kommenden Dienstag an der Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Illertisser Kühlhauses Kollmer statt. Die Anklage beruft sich auf Verstöße gegen das Lebensmittelschutzgesetz und gewerbsmäßigen Betrug. Das Unternehmen soll demnach in 15 Fällen Geschäftspartner getäuscht und insgesamt rund 700 Tonnen Schlachtabfälle in den Lebensmittelkreislauf geschleust haben. Fleisch der so genannten Kategorie III. Ware, die nur für Herstellung von Tierfutter hätte verwendet werden dürfen.

Ende 2007 bereits hat die Staatsanwaltschaft Memmingen Anklage gegen den heute 45 Jahre alten Ex-Kühlhaus-Chef erhoben. Dass es erst jetzt gut zwei Jahre später zum Prozess kommt, erklärt Gerichtssprecher Mürbe mit "einer starken Überlastung der Kammer" in den vergangenen Monaten. Ein früherer Verhandlungsbeginn sei deshalb nicht möglich gewesen.

Nun sind vor dem Landgericht bis Ende dieses Monats sechs Verhandlungstermine angesetzt, 30 Zeugen sollen gehört werden. Ob der Zeitrahmen eingehalten werden kann, ist allerdings fraglich, betont der Gerichtssprecher. Bislang habe sich der Beschuldigte nicht zu den Vorwürfen geäußert. "Wir wissen nicht, wie er sich in der Verhandlung verhalten wird", betont Mürbe: "Deshalb ist es relativ offen, wie sich das Ganze entwickelt."

Ins Visier der Lebensmittel-Kontrolleure war Kollmer bereits im Zuge der Ermittlungen gegen sein inzwischen insolventes Tochterunternehmen Deggendorfer Frost geraten. Dessen Geschäftsführer wurde Ende 2006 am Landgericht Memmingen zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, weil sein Betrieb Schlachtabfälle als Lebensmittel verkauft hatte. Dem Mutterbetrieb aus Illertissen konnte damals nichts Strafbares nachgewiesen werden. Die Zweifel an der Unschuld, sie blieben jedoch.

Wenige Monate später hatte der Skandal Kollmer dann doch eingeholt: Die Regierung von Schwaben entzog dem Familienunternehmen die Lizenz als Zerlege-, Verarbeitungs- und Kühlhausbetrieb. Auch die Kollmer-Nachfolge-Firma, die Rothtalfrost GmbH, mit der es laut Regierung von Schwaben "einen ehrlichen Neuanfang" geben sollte, musste schnell ihre Pforten schließen. Die Sicherheitsstandards im Wareneingang seien kaum vorhanden, Proben vielfach genussuntauglich, lauteten die Vorwürfe diesmal.

Im August 2007 dann der nächste Schock für das Familien-Unternehmen: Ein Großfeuer vernichtete drei der fünf großen Hochregal-Lagerhallen des Kühlhauses in unmittelbarer Nähe zur A 7. Brandursache laut Polizei: ein technischer Defekt. Teile des Kühlhauses sind wieder aufgebaut worden. Dort haben bis heute diverse Firmen ihre Waren untergebracht.

Die Vorkommnisse rund um Kollmer beschäftigten auch den so genannten Gammelfleisch-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag in München. Unter Beschuss gerieten dort auch die Behörden, die zuständigen Tierärzte im Landkreis Neu-Ulm ebenso wie die Kontrolleure der Bezirksregierung von Schwaben. Dort habe zu lange das "Prinzip des Wegschauens" regiert, lautet einer der Kernvorwürfe.

Info

Der Prozessauftakt am Memminger Landgericht findet am Dienstag, 10. November, statt. Beginn: 8.30 Uhr.


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Autor: CARSTEN MUTH | 07.11.2009

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