Kommune setzt auf private Krippe
Schnürpflingen legt die Kleinkindbetreuung in die Hände einer privaten Kinderkrippe. Davon sollen Betreiberin, Eltern und Gemeinde profitieren. Der Kommune ist das Risiko einer eigenen Krippe zu groß.
Schnürpflingen - Morgens um 5.30 Uhr klingelt es bei Anita Frese. Die zweijährige Sara (Namen geändert) wird vorbeigebracht. Ihre Mutter muss als Krankenschwester in einer halben Stunde im Dienst sein. Ein Abschiedskuss und Sara setzt sich mit Anita Frese an den Frühstückstisch. Sara ist an diesem Tag der erste Gast im "Schneckenhäuschen", einer Kindertagespflege, mit der sich die Schnürpflinger Kinderpflegerin vor knapp vier Jahren selbständig gemacht hat. Bis zu fünf Kinder darf sie gleichzeitig betreuen, bis zu acht am Tag. Ob früh morgens, stundenweise oder kurzfristig am Wochenende: Anita Frese kennt nur wenige Schließtage im Jahr.
"Einen solchen Service könnten wir als Gemeinde nie bieten", sagte Bürgermeister Michael Knoll in der Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch. Auf der Tagesordnung stand eine Kooperationsvereinbarung mit Anita Frese. Ihr soll ab 1. Dezember die Betreuung von Kindern unter zwei Jahren in der privaten Kinderkrippe übertragen werden. Hintergrund ist das Kinderförderungsgesetz (KiföG), das ab 1. August 2013 allen Kindern zwischen einem und drei Jahren den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz einräumt. Das heißt, Kommunen müssen eine Kinderkrippe betreiben, oder über die Förderung einer bestehenden Tageseinrichtung Plätze sichern.
Ursprünglich habe die Gemeinde geplant, an den Kindergarten in der Schulstraße eine Krippe anzubauen, sagte Knoll. Nach einer im Frühjahr durchgeführten Umfrage habe sich die Absicht geändert. Niemand wünschte eine extra Betreuung für Ein- und Zweijährige.
Der Bedarf an Betreuung von Kindern zwischen einem und zwei Jahren in altersgemischten Gruppen mit Kindergartenkindern über drei Jahren sei dagegen hoch. "Für uns hätte das eine zu geringe Auslastung der Krippe bedeutet", sagte Knoll und verwies auf die Kosten. Zum Bau kämen jährlich Betriebskosten von gut 100 000 Euro, vor allem verursacht durch zwei Betreuungskräfte, die das Gesetz vorschreibt. "Um einen solchen Betrag einigermaßen finanzieren zu können, wären wir stets auf eine volle Belegung angewiesen", erklärte der Bürgermeister. Die Umfrage zeige, dass das kaum zu erwarten sei.
Gemeinderat und Verwaltung hatten sich deshalb nach internen Gesprächen auf ein Splitten der Betreuung geeinigt. Die Kleineren sollen im "Schneckenhäuschen" unterkommen, die Größeren altersgemischt in den beiden Gruppen des Kindergartens. Um Freses Dienste dauerhaft zu sichern, zahlt die Gemeinde einen monatlichen Betriebskostenzuschuss von 250 Euro. Schnürpflinger Eltern erhalten einen Zuschuss von einem Euro pro betreute Stunde. Das entspreche einem Drittel der Kosten, die den Eltern entstehen, sagte Knoll. Frese steht es frei, auch Kinder aus anderen Gemeinden aufzunehmen. Allerdings haben Schnürpflinger Kinder Vorrang.
Das Gremium stimmte der Vereinbarung geschlossen zu. Mit Anita Frese habe man eine Fachkraft, die ihren Dienst "mit Leib und Seele" wahrnimmt, sagte Elisabeth Sproll. Reinhold Speidel forderte darüber hinaus, in Sachen Betreuung "weiter am Puls" zu bleiben. Im Klartext: Bei geändertem Bedarf entsprechende Angebote auszuloten.
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Autor: FRANZ GLOGGER | 18.11.2011
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Kinderpflegerin Anita Frese hat vor vier Jahren das "Schneckenhäuschen" eröffnet. Dort betreut sie bis zu fünf Kinder gleichzeitig. Foto: Franz Glogger
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