Kögel-Käufer demonstriert Selbstbewusstsein
Burtenbach. An Selbstvertrauen mangelt es Ulrich Humbaur nicht. Nach dem Kauf der Firma Kögel sieht der Unternehmer dem Poker mit den früheren Eigentümern um das Firmengrundstück in Burtenbach gelassen entgegen.
"Wir beherrschen Fahrzeugbau." Mit diesen Worten unterstreicht Ulrich Humbaur, dass er der richtige Kögel-Käufer sei. Der 48-Jährige ist seit 1985 Geschäftsführer des 1957 gegründeten Familienunternehmens, das vor allem Pkw- und Lastwagenanhänger herstellt. Als er eingestiegen sei, habe die Firma vier Leute beschäftigt, inzwischen zählt die Belegschaft etwa 450 Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 120 Millionen Euro erwirtschafteten.
Seit drei Jahren werden bei Humbaur in Gersthofen bei Augsburg auch Sattelauflieger hergestellt. Dieses Marktsegment steckt zwar in der Krise, werde sich aber in zwei Jahren erholen, sagt Ulrich Humbaur: "Danach wird es ein starkes Wachstum und eine sehr große Nachfrage nach Sattelaufliegern in ganz Europa und darüber hinaus geben." Von diesem Aufschwung will Humbaur mit zwei Marken profitieren: der eigenen und mit Kögel.
Von den aktuell 711 Kögel-Beschäftigten mit unbefristeten Arbeitsverträgen - 52 weitere befinden sich in Altersteilzeit, haben befristete Verträge oder sind geringfügig beschäftigt - übernimmt der Käufer 442. Alle am Produktionsstandort Burtenbach (Kreis Günzburg). Der Standort im Ulmer Donautal wird zunächst teilweise von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz weitergeführt. 233 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, werden aber für bis zu sechs Monate bei einer Transfergesellschaft angestellt.
Über den Kaufpreis bewahren Humbaur und Geiwitz Stillschweigen. Der Unternehmer gibt aber zu verstehen, dass er sich keineswegs überanstrengt habe. "Wir sind solide finanziert und haben eine hohe Eigenkapitalquote." Damit hebe sich seine Strategie von derjenigen der früheren Kögel-Eigentümer ab, ergänzt Humbaur. Die Beteiligungsgesellschaft SMB mit Christoph Schoeller und Hieronymus Metternich an der Spitze, nennt er zwar nicht namentlich. Er deutet aber an, wie die Kapitalknappheit bei Kögel zustande gekommen sei: "Da ist wohl viel ausgeschüttet worden."
Auf die Altgesellschafter, die sich beim Insolvenzverwalter ebenfalls als Kögel-Käufer beworben hatten, ist Humbaur ebenso wie Geiwitz ohnehin nicht gut zu sprechen. Die SMB hatte vor etwa zwei Jahren einen Großteil des Firmengrundstücks und alle Räumlichkeiten in Burtenbach an eine Bank verkauft und über eine eigens gegründete Immobiliengesellschaft zurückgeleast. An diese muss Kögel seither Miete bezahlen, nun eben Humbaur. "Ein wirkliches Problem", sagt Geiwitz und spricht von "exorbitant hohen Mietvorstellungen".
SMB-Geschäftsführer Hieronymus Metternich reagiert auf diese Vorhaltung so: "Die Miete ist so wie vor der Insolvenz." Selbstverständlich aber bestehe Gesprächsbereitschaft, "was die Miete betrifft".
Für diesen Poker glaubt Humbaur gute Karten zu haben. Statt in Burtenbach Miete zu bezahlen, könne er für 30 Millionen Euro ein neues Werk bauen: "Wir haben die Planung für ein neues, modernstes Sattelaufliegerwerk in der Schublade." Ebenso verfüge er über "ein paar Adressen" möglicher Baugrundstücke im Kreis Günzburg. Informationen, wonach sich darunter der ehemalige Bundeswehr-Fliegerhorst in Leipheim befindet, will Humbaur nicht kommentieren.
Für die etwa 60 Prozent der Kögel-Belegschaft, die bleiben dürfen, bietet Humbaur aus Sicht der IG Metall Neu-Ulm/Günzburg gute Perspektiven, sagt Gewerkschaftssekretär Günter Frey. "Trotz anfänglicher" Bedenken, die damit zusammenhängen mögen, dass es bei Humbaur in Gersthofen keinen Betriebsrat gibt. An der Arbeitnehmer-Vertretung bei Kögel werde jedoch nicht gerüttelt, betont Frey. Außerdem hat Ulrich Humbaur als Vizepräsident der IHK Schwaben auch einen Ruf zu verlieren.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: THOMAS STEIBADLER | 03.11.2009
| Artikel twittern |
|
|
Ulrich Humbaur glaubt an die Zukunft von Kögel. Rechts Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, links Günter Frey von der IG Metall. Foto: Volkmar Könneke
MEHR ARTIKEL ZUM THEMA
Kögel geht an Humbaur
Neu-Ulm Kögel soll als Marke mit eigener Produktion erhalten bleiben. Das versichert Ulrich Humbaur, Käufer des insolventen Fahrzeugherstellers. Nicht gesichert ist die Zukunft des Kögel-Standorts im Ulmer Donautal.... mehr
Wieder Hoffnung für den Kögel-Standort Ulm
Ulm Für den Standort Ulm des insolventen Trailerherstellers Kögel gibt es nun wieder eine Perspektive. Ein Personalabbau scheint aber unausweichlich.... mehrMEISTGELESENE ARTIKEL
Transporter rast mit hohem Tempo auf Wohnmobil
Langenau Noch unklar ist die Ursache für einen schweren Auffahrunfall am Donnerstag auf der Autobahn 7 bei Langenau, bei dem ein Transporter mit extrem hohem Tempo auf ein Wohnmobil auffuhr. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt, eine Katze wird vermisst.... mehr
Schwerer Vorfahrtunfall auf neuer Kreuzung bei Brenz
Weil eine Autofahrerin die Vorfahrt nicht beachtete, kam es am Dienstag zu einem verheerenden Unfall auf der neuen Bundesstraße 492: Die Unfallverursacherin wurde lebensgefährlich verletzt.... mehr
Schulbus durchbricht Leitplanke und kippt um
Burgrieden/Rot Der Fahrer eines mit elf Schülern besetzten Schulbuses ist am Donnerstagmittag von der Straße abgekommen, durch eine Leitplanke gebrochen und anschließend im Graben auf die Seite gekippt. Ein Großaufgebot an örtlichen und überregionalen Kräften von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei musste zum Einsatz anrücken.... mehr
Ruf nach Heim ohne Waffen - Memminger Schütze knackte gesicherten Tresorraum seines Vaters
Memmingen/Stuttgart Nach dem Memminger Amok-Alarm fordern Grüne und Opferverbände ein schärferes Waffenrecht. Der 14-Jährige hatte Waffen des Vaters entwendet.... mehr
Fremde Feder - Hans Küng: Papst provoziert Ungehorsam
Auf dem alternativen wie auf dem offiziellen Katholikentag in Mannheim herrschten allgemein Unmut und Frustration über die Verschleppung innerkirchlicher Reformen. Im scharfen Kontrast dazu bereitet Papst Benedikt XVI. für Pfingsten offensichtlich die definitive Versöhnung der katholischen Amtskirche mit den traditionalistischen Piusbrüdern, deren Bischöfen und Priestern vor.... mehr

ZURÜCK
