Jetzt sind Experten gefragt
Memmingen. Im Memminger Gammelfleisch-Prozess mehren sich die Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Mit einem Urteil ist erst im Februar zu rechnen. Frühestens.
"Wir werden uns noch häufiger sehen." Mit diesen Worten hat Brigitte Grenzstein gestern die Beteiligten im Gammelfleisch-Prozess begrüßt. Für die Vorsitzende Richterin am Landgericht Memmingen sind auch nach fünf Verhandlungstagen viele Fragen offen. Deshalb hat das Gericht nun fünf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Bei der Wahrheitsfindung helfen sollen jetzt Computer-Fachleute des Landesamts für Lebensmittelschutz in München. Die Experten sollen klären, ob es im Illertisser Kühlhaus Kollmer wirklich Unregelmäßigkeiten im Geschäftsablauf gab, die auf illegale Machenschaften schließen lassen.
Wie berichtet, muss sich der frühere Kollmer-Chef wegen schwerer Verstöße gegen das Lebensmittelhygiene-Gesetz und Betrugs in 15 Fällen vor Gericht verantworten. Der 45-Jährige soll 2004 mehr als 300 Tonnen ungenießbares Fleisch an Lebensmittelbetriebe im Ausland verkauft haben.
Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Die Zweifel an der Schuld des Angeklagten wurden gestern erneut genährt. So liegen dem Gericht offenbar neue Ermittlungsergebnisse vor, die der Zoll nachträglich vorgelegt hat. Die Auswertung der Akten habe keine Hinweise auf krumme Geschäfte im Hause Kollmer ergeben. Im Gegenteil: Die Auswertung habe die Aussagen des Angeklagten vor Gericht bestätigt, wie die Vorsitzende Richterin sagte.
Der frühere Kollmer-Geschäftsführer hatte zwar eingeräumt, dass in seinem Unternehmen mit einer veralteten elektronischen Datenerfassung gearbeitet wurde. Mit dieser EDV habe man Warenströme "leider nur unzureichend" zurückverfolgen können. "Es war nicht immer klar, was ein- und ausgebucht wurde", sagte gestern Verteidiger Horst Koller. Es seien jedoch niemals Daten manipuliert worden - etwa um illegale Praktiken zu verschleiern.
Kollers Kollege Ingo Hoffmann äußerte Zweifel an der "Unvoreingenommenheit" der Ermittler. Er wiederholte seinen Vorwurf, wonach der Zoll ausschließlich zu Lasten seines Mandanten ermittelt habe.
Mit einem Urteil in dem Prozess ist frühestens im kommenden Februar zu rechnen, hieß es. Zunächst einmal sollen sich die EDV-Experten mit der Überprüfung der Warenströme bei Kollmer befassen und bis Ende Januar ein Gutachten anfertigen. "Wir benötigen diese fachmännische Hilfe", sagte die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein: "Dann sehen wir weiter."
Info
Der Prozess wird am Mittwoch, 23. Dezember, 14.30 Uhr, fortgesetzt. Die weiteren Verhandlungstermine im nächsten Jahr: 11. und 29. Januar, 4. und 11. Februar (jeweils 8.30 Uhr).
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Autor: CARSTEN MUTH | 10.12.2009
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Kommentare (1)
kollmer
Ich hab schon vor wochen gesagt,der Kollmer wird freigesprochen.Der ist schlauer als alle anderen.