Innovation im Holzbau: Roboter baut Pavillon für Landesgartenschau

Bei der Firma Müller in Blaustein ensteht ein Pavillon für die Landesgartenschau. Die 243 Puzzle-Teile für das Bauwerk in Form eines Iglus werden von einem Roboter zugeschnitten. Eine Neuheit im Holzbau.

JOACHIM STRIEBEL |

„Wir wollen Holz, den ältesten Baustoff der Menschheit, in Szene setzen“, sagt Thomas Deines vom Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg. Während der Landesgartenschau vom 30. April bis 12. Oktober in Schwäbisch Gmünd soll das in mehrfacher Weise geschehen: mit pädagogischen Angeboten und mit einem futuristisch anmutenden Gebäude, in dem sich die Forstverwaltung präsentieren wird. Die Teile dafür werden gerade bei der Firma „Müllerblaustein“ im Blausteiner Teilort Dietingen vorbereitet – per Industrieroboter.

In einer Halle des Holzbauunternehmens lagern 2,50 auf 1,80 Meter große 50-Millimeter-Tafeln aus Furnierschichtholz, hergestellt aus heimischer Buche. Mit einer herkömmlichen Säge schneiden Zimmerleute die Platten grob zu, die Feinarbeit erledigt Kollege Roboter. Ein mit einer Fräse ausgerüsteter Arm bearbeitet das auf einem Drehteller montierte Werkstück. Und zwar mit einer Genauigkeit im Zehntel-Millimeterbereich, exakt nach der am Computer entworfenen Konstruktionszeichnung. Während sonst im Holzbau ein Millimeter kein Maß ist, kommt es in diesem Fall auf Präzision an. Denn jedes der 243 Puzzle-Teile hat eine individuelle Form, unterschiedlich sind auch die je nach der gewünschten Wölbung von Wand und Decke angeschrägten Schwalbenschwanz-Verbindungen. Wenn die Zimmerleute der Firma Müller den Pavillon im Gmünder Landschaftspark „Wetzgau“ aufstellen, muss alles passen. Auf der Baustelle könne nicht mehr viel nachgearbeitet werden, sagt Ingenieur Benjamin Eisele von der Firma Müller.

Achim Menges, Professor am Institut für Computerbasiertes Entwerfen der Uni Stuttgart, hat Vertrauen in die digitale Planung und die Ausführung des Bauwerks. Wie vor Jahrzehnten in der Automobilindustrie, halte die robotische Fertigung jetzt im Holzbau Einzug. Individuelle Planung, hohe Effizienz bei der Herstellung und große Formenvielfalt seien die Vorteile. Für die Universität ist der Bau des Gartenschau-Pavillons ein Forschungsprojekt, Partner sind neben Müllerblaustein die Kuka Roboter GmbH in Gersthofen, der Landesbetrieb Forst Baden-Württemberg und die Gartenschau Schwäbisch Gmünd.

„Wir sind auf dem Holzweg“, sagte Gartenschau-Geschäftsführer Karl-Eugen Ebertshäuser bei der Roboter-Präsentation in Dietingen. Er meinte, dass das Thema Holz und Wald auf vielfältige Weise beleuchtet wird. Der Bau des Pavillons wird laut Thomas Deines vom Land Baden-Württemberg und von der Europäischen Union gefördert. Das Bauwerk aus Buchenholzplatten wird etwa 18 Meter lang, neun Meter breit und sechs Meter hoch. Der Fußboden wird mit den anfallenden Abfallstücken vom Buchenholz belegt. Das Dach erhält eine wasserdichte Haut, darüber kommt wieder Holz: Lärchenbretter, ebenfalls aus heimischen Wäldern.

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