In der Höhle des Löwenmenschen

Asselfingen.  Der Löwenmensch ist für kurze Zeit an seinen Fundort zurückgekehrt: Archäologen haben dort Funde von herausragender Bedeutung präsentiert.

Einen "außergewöhnlichen Moment der Ortsgeschichte" kündigte Asselfingens Bürgermeister Armin Bollinger im Rathaus an. Dort hatten sich etwa 100 Personen versammelt, um von Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege zu erfahren, welche "eiszeitlichen Funde von herausragender Bedeutung" die Wissenschaftler entdeckt haben. Die größte Entdeckung ist 2010 gelungen: Die Forscher bargen Bruchstücke, die sich an die Statuette des berühmten "Löwenmenschen" anpassen ließen. Der gehört mit einem Alter zwischen 35 000 und 40 000 Jahren zu den ältesten Kunstwerken der Welt und ist - wie die Bruchstücke - in der Stadelhöhle am Hohlenstein im Lonetal nahe der Gemeinde Asselfingen entdeckt worden. "Der Löwenmensch ist der Riese unter den eiszeitlichen Kunstwerken", strich Bollinger die Bedeutung des Funds heraus.

Dass das keine lokalpatriotische Übertreibung eines stolzen Bürgermeisters war, zeigte auch die Riege der Landes-Prominenz, die sich anlässlich des Ereignisses im Rathaus versammelt hatte. Dort trafen Landrat Heinz Seiffert und Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner auf die Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl und Hermann Strampfer. Zur Erläuterung der näheren Fundumstände und der fachlichen Hintergründe aus Stuttgart und Tübingen angereist waren Dr. Claus Wolf, Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium, sowie der Ausgrabungsleiter, der Steinzeitarchäologe und Paläontologe Dr. Claus-Joachim Kind.

Zu den besonderen Ergebnissen der neuesten Grabungen zählt laut Wolf, "dass wir jetzt wissen, an welcher Stelle in der Höhle der Löwenmensch gefunden worden ist". 1939 war der Fund gemacht worden, ohne seine Bedeutung zu erkennen. Außerdem wurde festgestellt, dass noch einige unberührte Erdschichten vorhanden sind und die Archäologen deswegen dort "die nächsten Jahre weiterarbeiten" können.

Zudem bereite das Landesdenkmalamt einen Unesco-Weltkulturerbe-Antrag für die hiesigen Fundstätten der Eiszeitkunstwerke vor. "Dann wird sich zeigen, ob der politische Wille da ist, die Höhlen auf die Liste zu setzen", sagte Wolf. Die hier gefundenen Eiszeitschnitzereien sind die ältesten Kunstwerke, die weltweit bekannt sind. Sie seien "archäologisch und kunsthistorisch von enormer Bedeutung", betonte Professor Kind.


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Autor: MARKUS FRÖSE | 16.04.2011

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